Baumschulen rätseln über Zukunft des Waldes

Forstbaumschulen in Not 03:16 Min. Verfügbar bis 21.08.2020

Baumschulen rätseln über Zukunft des Waldes

Von Thomas Rosteck

  • Nachfrage nach Fichten stark eingebrochen
  • Baumschulen setzen auf Mix aus Bäumen
  • Keine Monokulturen mehr

Wie soll der Wald von morgen aussehen? Darüber zerbrechen sich angesichts der Borkenkäferplage und anhaltender Dürre nicht nur Waldbesitzer und Forstleute den Kopf, auch die Baumschulen als Versorger wissen nicht, wohin die Reise geht.

Keine Nachfrage nach Fichten

Forst-Baumschulen in Not

Martin Sellmann mit einem kleinen Mammutbaum

Rund die Hälfte seines Umsatzes machte Baumschulbetreiber Martin Sellmann aus Kirchhundem bislang mit der Fichte. Aber die will niemand mehr kaufen. Im vergangenen Jahr hat Sellmann viele Setzlinge gerodet und gemulcht, der wirtschaftliche Schaden: rund eine Viertelmillion Euro. "Der Absatz brach um 75 Prozent ein, das hat uns richtig weh getan", stellt Martin Sellmann ernüchtert fest.

Alte Bekannte und exotische Neulinge

In dem Familienbetrieb setzt man auf einen Mix aus altbekannten Arten und einigen Exoten. Edelkastanie, Rotbuche oder Eberesche, dazu Douglasie, Weiß- und Küstentanne sollen zukünftig das Rückgrat des Waldes bilden.

Seit 15 Jahren experimentiert die Kirchhundemer Baumschule mit diesen Baumarten. Die Douglasie könnte eine zentrale Rolle spielen, doch Monokulturen sollte es nicht mehr geben, betont Sellmann. "Die Zeit ist noch zu kurz, um hier ein Urteil zu fällen, aber ich kann mir sehr gut Zedern und Mammutbäume in einem gesunden Mischwald vorstellen," sagt Martin Sellmann.

Niemand weiß, wohin die Reise geht

Forst-Baumschulen in Not

Das Produzieren von Forstnachschub ist dabei nicht einfach. Eigentlich müssten die Baumschulen schon jetzt in großem Stil die Samen einbringen, die langfristig den neuen Wald ausmachen sollen. Bei der Douglasie scheitert das aber schon an der Versorgung mit Samen. Es ist nicht genug Saatgut da, um die Nachfrage zu befriedigen.

"Niemand weiß derzeit, wohin die Reise wirklich geht," sagt Martin Sellmann. "Wir können nur eines tun: uns breit aufstellen und den Wald vor lauter Baumarten nicht aus den Augen verlieren!"

Stand: 21.08.2019, 17:24