Streit in Balve um Baupläne auf Überflutungsfläche

Balver Baugebiet in Überflutungsfläche 03:12 Min. Verfügbar bis 25.10.2022

Streit in Balve um Baupläne auf Überflutungsfläche

Von Frank Strohdiek

In Balve gibt es Streit um Baupläne auf einer Überflutungsfläche. Anwohner wollen sie erhalten. Stadtverwaltung und Rat wollen jungen Familien attraktive Grundstücke bieten.

Cäcilia Siedhoff blickt von ihrem Balkon aus direkt auf das geplante Baugebiet direkt an der Hönne. Ihr Grundstück liegt etwas höher als die Wiese, auf der demnächst Ein- und Mehrfamilienhäuser entstehen sollen.

"Am 14. Juli stand selbst bei mir das Wasser im Keller. Nur dank einiger Pumpen, die mir Nachbarn liehen, konnte ich den Schaden begrenzen", sagt Siedhoff. "In anderen Häusern unserer Siedlung, die in kleinen Senken liegen, standen dagegen die Keller unter Wasser."

Cäcilia Siedhoff spricht und hält einen Regenschirm in der Hand

Cäcilia Siedhoff

Schon vor dem Jahrhunderthochwasser vor gut drei Monaten hat die engagierte Bürgerin Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt. 340 Menschen in der kleinen Stadt im Sauerland haben sich in der Liste eingetragen, die Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU) übergeben wurde.

Alteingesessene Balver berichten davon, wie sie als Kinder regelmäßig auf der überschwemmten Wiese gespielt haben. Fast jedes Frühjahr habe die heutige Schafsweide unter Wasser gestanden. "Wir sind mit unseren Gummistiefeln darauf gewesen, und die Wiese galt immer als Überflutungsfläche", erinnert sich Ralf Schneider.

Neue Überflutungsfläche geplant

Bürgermeister Hubertus Mühling

Bürgermeister Hubertus Mühling

Bürgermeister Mühling nimmt die Sorgen der Anwohner ernst, "nicht erst seit dem Hochwasser im Juli", wie er betont. Und natürlich weiß auch er, dass die Hönne immer wieder mal über die Ufer tritt und dann die halbe Innenstadt unter Wasser setzt.

"Deshalb wollen wir in Abstimmung mit anderen Städten entlang des Flusses neue Überflutungsgebiete schaffen. Sie sollen verhindern, dass das Hochwasser unsere Stadt überhaupt erreicht", so Mühling, der vor seinem Bürgermeisteramt Wasserbauingenieur war.

"Die Wiese ist übrigens auch nur zu einem kleinen Teil Überflutungsgebiet, dort wird gar nicht gebaut. Der größte Teil ist 'Risikogebiet', da sollen die Häuser entstehen", erklärt Mühling. Und für die werden in der Baugenehmigung besondere Schutzmaßnahmen vorgeschrieben.

Ein Keller mit einer sogenannten "Weißen Wanne" soll verhindern, dass Grundwasser durch die Wände kommt, Hauseingänge müssen höher liegen, sodass bei Starkregen nicht - so sagt es Mühling - "der erste Schluck Wasser direkt ins Haus läuft."

Anwohner befürchten Hochwasser-Zunahme

Anwohner Bruno Köck

Bruno Köck

Das alles kann die Anwohner nicht überzeugen. Sie halten die Gefahr für die zukünftigen Hausbauer für zu groß. "Es besteht ständig die Gefahr, dass beim nächsten Hochwasser die Fundamente der neuen Häuser unterspült werden", sagt Bruno Köck. Er ist erfahrener Tiefbauingenieur und wird oft als Sachverständiger von Gerichten verpflichtet.

Mit seinen Nachbarn eint ihn vor allem die Sorge, dass durch den Klimawandel die Hochwasserhäufigkeit zunehmen wird. "Dann werden wir die letzte Überflutungsfläche in der Balver Innenstadt schneller vermissen, als uns lieb ist."

Stand: 25.10.2021, 19:58