Der tote Wald aus der Luft

Stand: 29.03.2022, 10:23 Uhr

Eine Heißluftballonfahrt kann wunderschön sein. Erst Recht, wenn es über das Sauerland geht. Allerdings ist der Bereich an der Grenze der Kreise Soest und Hochsauerland mit am schlimmsten vom Fichtensterben betroffen. Zwei Forstexperten haben jetzt eine Ballonfahrt genutzt, um sich das Desaster von oben anzuschauen. Sie waren schockiert.

Von Heinrich Buttermann

Alexandra Stracke ist anzusehen, dass sie nervös ist. Sie arbeitet beim Forstamt Soest-Sauerland, möchte einen Bericht für ihre Internetseite schreiben -  und hat Höhenangst.

Trotzdem traut sie sich in den Korb des großen, gelben Heißluftballons. Der wird auf dem Montgolfiade-Startgelände am Warsteiner Stadtrand aufgerüstet. Der heimische Ballonsportverband hat sie und ihren Chef, Forstamtsdirektor Edgar Rüther eingeladen. Belohnt werden sie mit einem gigantischen Ausblick, mal aus rund 500 Metern, dann aus 1.000 Metern Höhe.

Mit dem Ballon über den Borkenkäferwald

06:02 Min. Verfügbar bis 29.03.2023

Das Sauerland ist schön, aber...

Zwein Personen fliegen mit dem Ballon über den Borkenkäferwald

Alexandra Stracke und Edgar Rüther sind schockiert

Der Sonnenaufgang aus dieser Perspektive ist gigantisch. Wenig später aber verzieht sich der morgendliche Dunst und gibt den Blick frei auf die Wälder - oder besser auf das, was im Bereich Warstein / Meschede davon noch übrig geblieben ist. Abgestorbene Fichten, soweit das Auge reicht.

"Ich habe Schlimmes erwartet, aber das übertrifft meine Erwartungen. Das ist schlimm", sagt Alexandra Stracke. "Die geschädigten Flächen gehen nahtlos ineinander über. Dass es so heftig ist, habe ich nicht gedacht", ist auch Edgar Rüther entsetzt.

Grün ist die Hoffnung

Beschädigter Wald durch Borkenkäfer

Hin und wieder stehen noch grüne Fichten

Bis zum Horizont kahle Flächen, dazwischen abgestorbene Fichtenreste oder bereits gefällte Bäume, die auf den Abtransport warten.

Und dann gibt es doch auch Hoffnungsschimmer. Grüne Flecken in der Brache. "Das sind junge Fichten und Douglasien. Die können sich bisher gut gegen den Borkenkäfer wehren", haben die Waldexperten beobachtet. Sie machen Hoffnung - und die brauchen die Fachleute bei diesen tristen Ausblicken.

Neuer, richtiger Wald in 50 Jahren

"In ein paar Monaten sieht es nicht mehr ganz so schlimm aus. Dann wachsen hier Adlerfarn und andere Pflanzen", macht Alexandra Stracke Hoffnung auf den Sommer. Bis hier aber wieder ein richtiger Wald stehe, würden wohl noch 50 bis 60 Jahre vergehen.

Fichtensterben auch als Chance

Beschädigter Wald durch Borkenkäfer

Frühestens in 50 Jahren steht hier wieder Wald

Forstamtsleiter Rüther sieht das Fichtensterben auch als Chance. Jetzt habe man die Möglichkeit, den Wald komplett neu zu gestalten. "Wir müssen auf viele verschiedene Baumsorten setzten, die dann zu einem gesunden Mischwald werden", erklärt er oben im Ballonkorb.

Ballonpilot Torsten Sprenger hört ihm zu. Er und seine Kollegen vom  "Warsteiner Happy Ballooning" Verein beobachten seit Jahren, wie es mit dem Wald unter ihnen bergab geht.  Eine erste Konsequenz: Für jeden Passagier zahlt der Verein 15 Euro, um Aufforstungsprojekte zu unterstützen.

"Das muss ich erstmal verdauen"

Frau fliegt im Ballon über den Borkenkäferwald

Alexandra Stracke muss die Bilder erstmal verdauen

Nach einer Stunde ist die Fahrt vorbei. Bei Freienohl nahe der Ruhrwiesen landet der Ballon. Bis zuletzt waren zerstörte Waldflächen zu sehen. "Die Fahrt war eigentlich wunderschön, aber das was wir gesehen haben, war sehr erschreckend. Das muss ich jetzt erstmal verdauen", sagt Alexandra Stracke. Ihre Höhenangst war bei dem Wechselbad der Gefühle während dieser besonderen Waldinspektion schnell vergessen.

Über dieses Thema berichtet die WDR Lokalzeit Südwestfalen am Dienstag, 29.03.2022 im Fernsehen und im Radio.