Virtuelles Krankenhaus startet in NRW

Digitale Beratung: Virtuelles Krankenhaus startet in NRW

Stand: 17.03.2022, 07:02 Uhr

Fünf Spezialkliniken bilden das Virtuelle Krankhaus NRW. Die Experten des Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ) in Bad Oeynhausen beraten zu Fragen bei chronischer Herzschwäche.

Von Theo Knepper

Bisher weiß nur die Fachöffentlichkeit von seiner Existenz: Fünf spezialisierte Zentren an Uni-Kliniken in Nordrhein-Westfalen bilden das Virtuelle Krankenhaus NRW. In digitalen Fallkonferenzen werden sie künftig andere Krankenhäuser und Arztpraxen bei der Behandlung schwer kranker Patienten unterstützen.

Experten sind Ansprechpartner

Der erste Patient ist ein 56-jähriger Mann aus Duisburg. Er hat eine schwere Herzschwäche und benötigt ein Spenderorgan. Weil der Patient immer weiter abbaut und sterben könnte, stehen seine Ärzte am Klinikum Niederrhein vor einer schweren Frage: Braucht der Patient eine mechanische Pumpe, also ein Gerät, das die Funktion seines Herzens übernimmt? Oder kann man damit noch warten bis vielleicht doch ein Spenderherz da ist und dem Patienten eine komplizierte Operation ersparen?

Als erstes Expertenzentrum geht jetzt das Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ) an den Start. Die Bad Oeynhausener Ärzte sind Ansprechpartner bei solchen Fragen zu schwerer chronischer Herzschwäche.

Mit Aufgabenteilung zum Erfolg

Genau für solche Fragen gibt es das Virtuelle Krankenhaus NRW. Die behandelnden Ärzte am Herzzentrum in Duisburg besprechen den Fall bei einer digitalen Fallkonferenz mit ihren Kollegen am HDZ NRW.

Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen

Das Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen.

Die Klinik in Bad Oeynhausen ist die größte Transplantationsklinik in Deutschland. Dort erhielten bereits 2.500 Patienten ein Spenderherz. Entsprechend groß ist die Erfahrung mit Patienten auf der Warteliste. Die Spezialisten an der ostwestfälischen Uniklinik können gut einschätzen, ob der Patient ein künstliches Herz braucht. Der Austausch erfolgt auf Augenhöhe; Herzchirurgen in Duisburg können bei Bedarf die Herzpumpe selber einsetzen.

Auch für weniger spezialisierte Kliniken und kardiologische Praxen ist das HDZ Ansprechpartner. Hier arbeiten Herzchirurgen, Kardiologen und Rhythmologen, die oft gemeinsam in den digitalen Fallkonferenzen ihr Wissen zur Verfügung stellen. Diabetologen helfen, wenn es um herzkranke Diabetiker geht.

Münster, Essen und Aachen beteiligt

Dabei startet das Virtuelle Krankenhaus erst in eine zweijährigen Pilotphase. Neben dem HDZ sind die Unikliniken in Münster, Essen und Aachen beteiligt. Und die Expertenzentren sind in dieser Zeit auf wenige, ausgewählte Krankheitsbilder beschränkt. Essen deckt mit dem Thema "Lebermetastasen" einen Bereich der Krebsmedizin ab, Münster kümmert sich um Anfragen zum Thema "Seltene Erkrankungen".

Und dann ist da noch das Feld der Infektionskrankheiten, für das Spezialisten in Essen bereitstehen. Als COVID-Patienten in großer Zahl auf den Intensivstationen behandelt werden mussten, lieferten die Kliniken in Münster und Aachen die Blaupause für das Virtuelle Krankenhaus. Sie sind also für Anfragen zur Intensivmedizin Ansprechpartner.

Versorgung auf dem Land erleichtern

Für NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ist denn auch das Virtuelle Krankenhaus NRW ein wichtiger Baustein für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. In weiten Teilen von Westfalen sind die Wege in ein spezialisiertes Krankenhaus weit. Aber mit digitaler Technik kommt das Expertenwissen in jeden Winkel der Region. Online können Befunde in die digitalen Fallkonferenzen eingespielt und bewertet werden.

Auch bei einer Online-Konferenz in der medizinischen Fakultät der Uni Bielefeld wollen Gesundheitsexperten aus Westfalen heute über das Virtuelle Krankenhaus sprechen. Mitveranstalter Uwe Borchers vom ZIG OWL, dem Verein zur Förderung von Innovationen in der Gesundheitswirtschaft, ist wichtig, dass die Digitalisierung beides ermöglicht: eine bessere Versorgung der Menschen im ländlichen Raum, aber auch eine Aufwertung der Region als Anbieter und Mittler von Spitzenmedizin.