Übernahme von Hella in Lippstadt ohne Jobgarantie

Hella bekommt französischen Eigentümer 02:38 Min. Verfügbar bis 17.08.2022

Übernahme von Hella in Lippstadt ohne Jobgarantie

Optimismus, aber keine Garantien: Autozulieferer Hella in Lippstadt wird vom französischen Faurecia-Konzern übernommen. Standort- oder Jobgarantien gab der Faurecia-Chef nicht.

Mit dem Unternehmen aus Frankreich soll der Autoscheinwerfer- und Elektronikhersteller aus Lippstadt zum siebtgrößten Autozulieferer weltweit heranwachsen. Eine ausdrückliche Arbeitsplatz- oder Standortgarantie gab Faurecia-Chef Patrick Koller am Montagmittag nicht. Er versuchte aber, Zukunftsangst der Mitarbeiter zu zerstreuen.

"Wir brauchen mehr Hände"

"Wir wachsen ganz stark. Wir werden Leute einstellen müssen", beteuerte Koller, und Hella-Chef Rolf Breitenbach assistierte: "Wir brauchen mehr Hände." Die Hella-Standorte würden durch den Zusammenschluss eher sicherer als unsicherer.

Hella von außen

Der Hella-Betriebsrat sieht die Übernahme des Unternehmens durch den französischen Automobilzulieferer Faurecia positiv. Durch die neue Größe habe Hella Chancen, weiter erfolgreich zu sein, so der Betriebsratsvorsitzende Heinz Bölter. Er ist außerdem zuversichtlich, dass die Rechte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewahrt bleiben.

Die Hella-Eigentümerfamilien Hueck und Roepe wollen 60 Prozent des Unternehmens an Faurecia verkaufen. 3,4 Milliarden fließen in bar an die Hella-Eigentümer, der Rest in Faurecia-Anteilen. Den übrigen Hella-Aktionären soll ein Angebot über 60 Euro pro Aktie plus Dividende gemacht werden.

Gerüchte waberten schon lange

Scheinwerferproduktion bei Hella in Lippstadt

Ein großer Arbeitgeber: Hella aus Lippstadt

Erst am Donnerstag hatte Hella bestätigt, dass die 60 Prozent der Anteile verkauft werden sollen. Das war in Finanzkreisen schon seit Wochen bekannt, von der Firma und den Gesellschafterfamilien bis dahin aber weder bestätigt noch dementiert worden.

Am Wochenende äußerte sich Dr. Jürgen Behrend. Er war lange geschäftsführender Gesellschafter, stand damit an der Spitze der Chefetage und der Besitzerfamilien.

Wachstum macht "externe Kompetenz erforderlich"

"Hella ist seit fast 100 Jahren ein Familienunternehmen. In dieser Zeit ist Hella in eine Dimension hineingewachsen, in der nicht nur Führung, sondern auch Kontrolle durch externe Kompetenz erforderlich ist", begründet er den groß angelegten Verkauf. "Die Verantwortung der Familie gebietet es daher, einen sicheren Hafen für Hella zu finden."

Wichtig für die rund 5.500 Arbeitsplätze in Lippstadt: Von hier aus sollen drei der sechs Sparten des künftigen Unternehmens gelenkt werden, nämlich Licht, Elektronik und Lifecycle-Value-Management: darunter sind die laufenden Geschäfte über die gesamte Lebensdauer des Autos zu verstehen.

Eingang des Autozulieferers Hella in Lippstadt

Hella hat in Lippstadt Tradition

Marktbeobachter gehen davon aus, dass das französische Unternehmen mit seinem Angebot an seine finanziellen Grenzen gegangen ist. Auf der anderen Seite wird Faurecia dadurch Vorreiter in Bereichen wie Elektro-Mobilität und Autonomes Fahren.

Hella ist der mit Abstand größte private Arbeitgeber in Südwestfalen und beschäftigt am Firmenstammsitz in Lippstadt 5.500 Menschen. Das Unternehmen ist in den vergangenen Jahren besonders international stark gewachsen. Weltweit beschäftigt Hella mehr als 35.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Behörden müssen noch zustimmen

Allein im vergangenen Geschäftsjahr hat Hella seinen Umsatz um 13 Prozent steigern können, auf zuletzt 6,5 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa dem Gesamtwert des Unternehmens: 6,8 Milliarden Euro ist es nach dem Verkaufsabschluss wert - vorausgesetzt, Behörden und Börsenaufsicht stimmen dem Großverkauf zu. Davon sind aber alle Beteiligten überzeugt.

Stand: 17.08.2021, 07:26