Aufstand im KZ: Erinnerung an Widerstandskämpferin

Holocaust-Gedenktag 00:49 Min. Verfügbar bis 27.01.2021

Aufstand im KZ: Erinnerung an Widerstandskämpferin

Von Christian Albrecht

  • Werler machte Widerstandskämpferin ausfindig
  • KZ-Häftlinge sprengten Krematorium
  • Sauerländer Firma beschäftigte Zwangsarbeiter

Hertha Fuchs war eine Heldin. Als Kommunistin arbeitete sie im belgischen Untergrund gegen das Nazi-Regime. Bis sie von einem Freund verraten und 1944 in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert wurde.

Der Historiker Hans-Jürgen Zacher aus Werl hat Hertha Fuchs-Ligeti 1990 in Israel ausfindig gemacht. "Ich war so geschockt von ihren Erzählungen, das hat mich jahrelang beschäftigt", so Zacher.

 Sprengstoff geschmuggelt

Heute, zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz, steht Hans-Jürgen Zacher vor über 300 Schülern des Werler Mariengymnasiums und schildert seine Begegnung mit der Widerstandskämpferin.

Aufstand im KZ: Erinnerung an Widerstandskämpferin vor Werler Schülern

Hans-Jürgen Zacher erzählt von der Widerstandskämpferin Hertha Fuchs.

Sie war Zwangsarbeiterin in einem Rüstungsbetrieb: "Ich musste Munition herstellen, erzeugte Zünder für die Wehrmacht. Wir waren so wütend auf die Nazis und schmuggelten Sprengstoff in kleinen Päckchen raus." Mit diesem Sprengstoff zerstörten Häftlinge am 7. Oktober 1944 Teile des Krematoriums IV.

 UNION beschäftige hunderte Zwangsarbeiter

Der Sprengstoff stammte aus einer Tochterfirma der UNION Fröndenberg und Werl. In einem WDR-Fernsehbericht 1988 erfuhr Hans-Jürgen Zacher davon und von Hertha Fuchs. Ihm erzählte sie: "Vier Mädchen von uns wurden verhaftet. Wir hörten, dass sie im Bunker waren, wochenlang gefoltert und verhört wurden. Sie verrieten uns nicht."

Die Aufständischen wurden alle erschossen, die vier Frauen öffentlich im Lager unter den Augen von Hertha Fuchs erhängt - drei Wochen vor der Befreiung.

 Nicht nur reden, auch handeln

In der Aula des Werler Gymnasiums ist es eine Stunde lang mucksmäuschenstill. Der Appell kommt an: Aufstehen und das Wort ergreifen gegen Antisemitismus und Rassismus.

Hans-Jürgen Zacher hat mit seinem Vortrag das erreicht, was Hertha Fuchs ihm als Auftrag mit auf den Weg gab: "Du musst es weiterzählen!"

Stand: 27.01.2020, 17:52