Patientenvergewaltigung: Lange Haftstrafe für Gütersloher Arzt

Stand: 01.10.2021, 07:22 Uhr

Das Landgericht Bielefeld hat einen früheren Gütersloher Krankenhausarzt zu elf Jahren Haft verurteilt. Zudem wird der Mediziner nie wieder Frauen behandeln dürfen.

Von Oliver Köhler

Der 43-jährige Anästhesist hatte in einem Gütersloher Krankenhaus im Herbst 2020 drei seiner Patientinnen vergewaltigt. Davor hatte er sie mit Medikamenten betäubt und willenlos gemacht. Davon war das Gericht überzeugt. Es verhängte neben der Haftstrafe ein lebenslanges Berufsverbot gegen den Arzt aus Oelde. Er muss zudem zwei der geschädigten Frauen insgesamt 45.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Schwere Vergewaltigung, schwere sexuelle Übergriffe und Körperverletzung

Das Landgericht sprach den Angeklagten in allen Anklagepunkten schuldig. Das Urteil stützt sich unter anderem auf die Aussagen der geschädigten Frauen. Alle hätten glaubwürdig und schlüssig ausgesagt, sagte der Vorsitzende Richter.

Vordereingang des Landgerichts Bielefeld

Zudem waren am Körper einer der Geschädigten DNA-Spuren des Angeklagten sichergestellt worden. „Diese Spur gehört da definitiv nicht hin“, sagte der Richter während der Urteilsbegründung. Außerdem fanden sich in der Unterwäsche des Arztes Speichelspuren der Frau.

Drei Patientinnen vergewaltigt

Betroffen sind drei Patientinnen, die jeweils mit einem gynäkologischen Notfall ins Sankt Elisabeth Krankenhaus nach Gütersloh gekommen waren. Die Beweisaufnahme im Gerichtsverfahren zeigte, dass der Angeklagte die Frauen nach den Operationen in ihrem Zimmer vergewaltigt hat. Der Mediziner hatte seine Opfer mit Betäubungsmitteln willenlos gemacht. Eine Patientin hatte jedoch Verdacht geschöpft, ihrem Mann davon erzählt, der die Klinikleitung und die Polizei einschaltete.

Opfer tritt öffentlich auf

Die Frau ist auch bewusst an die Öffentlichkeit gegangen. Nach dem Urteil äußerte sie sich gegenüber dem WDR. Sie wolle andere Frauen ermutigen, diesen Schritt zu gehen, wenn diesen ähnliches passiert sei und: "Ich möchte an die Krankenhäuser appellieren, diesbezüglich zu schauen und das besser im Auge zu behalten."

Arzt bestritt die Vorwürfe vehement

Der Angeklagte wehrte sich bis zum Schluss gegen die Vergewaltigungsvorwürfe. So gab er unter anderem an, dass er in zwei Fällen ein Alibi gehabt habe. Im dritten Fall, passe die von der Patientin gemachten Täterbeschreibung definitiv nicht zu ihm. Die Frauen hätten vielmehr erotische Träume mit ihm gehabt. Die Richter widerlegten ihm seine Aussagen. „Der Angeklagte hat Märchen erzählt“, hieß es.

Kinderpornografie beim Angeklagten gefunden

Verurteilt wurde der 43-Jährige auch, weil bei ihm Bildmaterial sexualisierter Gewalt gegen Kinder gefunden worden waren. Die Bilder und Videos seien wohl als, so wörtlich, „Beifang“ aus dem Internet auf seinen Rechner gelandet, sagte der Angeklagte. Auch das nahmen ihm die Richter nicht ab.

Polizei entdeckte Marihuanaplantage bei dem Arzt

Bei der Hausdurchsuchung hatte die Polizei eine Marihuanaplantage im Haus des Mediziners und seiner Ehefrau in Oelde entdeckt. Seine Frau gab zu, Hanf zu medizinischen Zwecken angepflanzt zu haben. Sie wurde dafür zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.