Arnsberger Arzt verklagt Spiegel Online

Vor dem Arnsberger Landgericht klagt ein Arzt gegen Spiegel Online

Arnsberger Arzt verklagt Spiegel Online

Von Heinz Krischer

  • Arnsberger Arzt verklagt Spiegel Online
  • Bericht über eine vom Pharmaunternehmen geförderte Fortbildung
  • Prozess vorm Arnsberger Landgericht

Ein Arzt aus Arnsberg hat eine der größten deutschen Nachrichtenseiten, Spiegel Online, verklagt. Auf der Webseite kann man lesen, dass ein Pharmaunternehmen eine Fortbildung des Arnsberger Mediziners mit rund 500 Euro unterstützte. Der Prozess vor dem Arnsberger Landgericht endete am Freitag (12.04.2019) ohne ein Urteil. Eine Entscheidung wird in den nächsten Tagen erwartet.

Arzt sieht sich durch Spiegel Online-Bericht an den Pranger gestellt

Der Arnsberger Hausarzt Dr. Olaf Kemper sieht sich durch den Bericht an den Pranger gestellt, sagt er. Durch den Kontext, in dem die Veröffentlichung stehe, werde der Eindruck erweckt, "dass ich mich dadurch im Rahmen meiner Verschreibung manipulieren lasse. Und das ist eindeutig nicht so", sagt Dr. Kemper.

Arnsberger Arzt klagt gegen Spiegel Online

00:28 Min. Verfügbar bis 12.04.2020

Arzt hat an einem gesponserten Seminar teilgenommen

Dr. Olaf Kemper am Arbeitsplatz vor dem PC

Der Arzt aus Arnsberg-Neheim hatte an einer ärztlichen Fortbildung teilgenommen. Dieses Seminar sei vom Pharmaunternehmen Berlin Chemie AG gesponsert worden – auf ihn entfiel ein Anteil von 457,74 Euro. Erhalten habe er dieses Geld nicht – es sei direkt an den Veranstalter des Seminars geflossen. Zudem erhielt er 85 Euro Honorar, weil er an der Entwicklung eines Diagnose-Werkzeugs mitarbeitete.

Pharmafirmen veröffentlichen Sponsoring

Dass die Summen bekannt wurden, die Pharmafirmen für Ärzte ausgeben, hängt mit einem sogenannten Transparenzkodex der Branche zusammen. Auf freiwilliger Basis veröffentlichen Unternehmen, wieviel Geld von ihnen an Mediziner und Institutionen floss. Im Jahr 2017 waren das 605 Millionen. Nicht alle Unternehmen und Mediziner machen mit. Im ersten Jahr stimmten knapp ein Drittel der Mediziner zu, dass ihre Daten öffentlich gemacht werden. Seitdem sinkt die Bereitschaft. Deshalb sei die Pranger-Wirkung für ihn nochmal verstärkt worden, klagt Dr. Olaf Kemper.

Spiegel Online weist Klage zurück

Spiegel Online weist die Klage zurück. Es sei niemals gesagt worden, dass die Mediziner käuflich seien – es bestehe aber die "Gefahr eines Interessenkonflikts, der sich auf die Urteilskraft eines Mediziners auswirken kann, aber nicht muss", schreibt Spiegel Online in einer Stellungnahme dem WDR. Eine Beeinflussung bestreitet der Arzt – und will deshalb, dass sein Eintrag gelöscht wird. Darüber müssen die Richter befinden.

Stand: 12.04.2019, 16:41

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