Bielefeld: Ermittlungen nach Vergewaltigung im Krankenhaus eingestellt

Bielefeld: Ermittlungen nach Vergewaltigung im Krankenhaus eingestellt

Eine Frau, die von einem Arzt des Evangelischen Klinikums Bethel vergewaltigt worden sein soll, stellt Strafanzeige gegen zwei Ärzte. Die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Täter werden eingestellt. Er hatte Suizid begangen.

Die 36-Jährige stellte, nach WDR-Informationen, zwei Strafanzeigen - zum einen gegen einen ehemaligen Oberarzt und zum anderen gegen den Chefarzt der Neurologie. Sie wirft ihnen Beihilfe durch Unterlassen vor. Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Freitag den Eingang der Strafanzeigen. In der kommenden Woche werde geprüft, ob ein Anfangsverdacht vorläge.

Blick den Eingang des Evangelischen Klinikums Bielefeld Bethel

Blick den Eingang des Evangelischen Klinikums Bielefeld Bethel

Die Frau sei von dem Oberarzt "abgewimmelt" worden, als sie ihm berichtete, der mutmaßliche Täter habe sie mit einem Narkosemittel betäubt.

Vorwurf: Leitung ist Hinweisen nicht nachgegangen

Damals sei im Bett ihrer Mandantin ein Fläschen Propofol gefunden worden. Ein Narkosemittel, das nicht hätte verabreicht werden dürfen. Die Ärzte hätten das gewusst und nichts unternommen, so Stefanie Höke, die Anwältin des Opfers, gegenüber dem WDR: "Das hätte man überprüfen müssen, es war nicht medizinisch indiziert, dass ihr Propofol verabreicht wird."

Der Oberarzt habe der Frau nicht geglaubt, dass der Assistenzarzt sie betäubt habe – und behauptet, wahrscheinlich sei ihr Kreislauf wegen falsch temperierter Kochsalzlösung zusammengebrochen.

Bei einem zweiten Krankenhausaufenthalt der Frau im September 2019 kam es wahrscheinlich zu einer erneuten Vergewaltigung durch den Assistenzarzt. Bei einer Überprüfung nach dem Fund des Propofols bei dem ersten Aufenthalt hätte das verhindert werden können, so die Anwältin weiter.

Suizid in der Untersuchungshaft - Ermittlungen eingestllt

Der 32-jährige Assistenzarzt soll möglicherweise mehr als zehn Patientinnen betäubt und anschließend missbraucht haben. Einige der Taten hatte er gefilmt, bei einer Durchsuchung stellte die Polizei die Videos sicher. Der mutmaßliche Täter hatte sich in der Untersuchungshaft das Leben genommen. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld gab bekannt, dass die Ermittlungen gegen den Mann jetzt eingestellt werden.

Ein Umstand, der dem mutmaßlichen Opfern des Mannes schwer zu schaffen macht. Die Anwältin der Frau, die die Anzeigen gestellt hat, sagt dazu: "Ich würde behaupten, dass es ihr von Tag zu Tag schlechter geht, weil jetzt die Symptome der posttraumatischen Belastungsstörung immer stärker einsetzen. Die größte Sorge ist, dass eine Aufarbeitung nicht stattfindet".

Die Klinik prüft jetzt was oder wer versagt hat. Außerdem suchten sie jetzt Expertise von Beratungsstellen wie dem Frauennotruf. Matthias Ernst von der Klinikleitung: "Aktuell werden alle Prozesse, Instrumente, Maßnahmen, die der Patientensicherheit dienen, kritischst auf den Prüfstand gestellt. Wir werden alles erdenkliche veranlassen, ein solches Tatvorkommen nie wieder geschehen zu lassen."

Stand: 02.10.2020, 17:48

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