Bad Oeynhausen: Preis für erfolgreiche Therapie mit Corona-Antikörpern

Blutplasma in Beuteln

Bad Oeynhausen: Preis für erfolgreiche Therapie mit Corona-Antikörpern

Von Oliver Köhler

Im Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen sind Corona-Patienten erfolgreich mit Antikörpern behandelt worden. Für dieses Engagement ist der Leiter eines Instituts am HDZ ausgezeichnet worden.

Als im Frühjahr 2020 die ersten Covid-19-Patienten auf der Intensivstation des HDZ in Bad Oeynhausen behandelt werden mussten, gab es eine gewisse Machtlosigkeit bei den Ärzten. Es war noch keinen Impfstoff vorhanden und Medikamente standen ebenfalls nicht zur Verfügung.

Prof. Dr. Cornelius Knabbe, der seit 2010 Direktor des Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin am HDZ ist, hatte eine Idee. Er setzte auf eine Therapie, die bereits bei vergangenen Pandemien erfolgreich zur Anwendung kam. Beispielsweise bei der Schweinegrippe. Dabei wurden Patienten mit Antikörpern behandelt. Das sollte jetzt auch helfen. Nur dieses Mal mit Corona-Antikörpern.

Antikörper aus dem Blutplasma von Genesenen

Die Antikörper sollten aus dem Blutplasma von genesenen Covid-19-Patienten gewonnen werden. „Wir wissen, wie die Gewinnung von Antikörperplasma funktioniert, wie die Präparate eingesetzt werden müssen, und wir verfügen am HDZ NRW über die notwendige Ausstattung, um solche Maßnahmen umzusetzen“, sagt Knabbe.

Der Mediziner setzte alles daran, als einer der Ersten die behördliche Genehmigung zur Herstellung und Anwendung des Therapeutischen Plasmas zu erhalten. Tatsächlich ging alles recht schnell. Im März 2020 erteilte die Bezirksregierung Detmold die Erlaubnis für diese „individuellen Heilversuche“. Die ersten Patienten wurden dann schon im April behandelt.

Blutplasma rettete Leben

Die Antikörper erhielten zunächst einmal nur Patienten, deren Leben am seidenen Faden hing.  Die, die kein eigenes Immunsystem entwickeln konnten. Meist waren es Personen mit schweren Vorerkrankungen oder Spenderorganen. „Es war ihre einzige Überlebenschance“, sagt Prof. Dr. Cornelius Knabbe. „Die Ergebnisse waren insgesamt gut. Aber es handelte sich um eine so genannte Brückentechnologie. Mittlerweile sind wir schon etliche Schritte weiter und wenden andere Therapien an.“ Damit meint er unter anderem die Behandlung mit monoklonalen Antikörpern, also gentechnisch modifizierte Antikörper. Eine Therapie, die mittlerweile in klinischen Studien erprobt ist.

Anders ist das bei dem Rekonvaleszentenplasma, also dem Antikörper-Blutplasma. „Die Fallzahlen waren gering, daher fehlt bisher eine statistische Auswertung“, erklärt Knabbe. „Aber: Auch diese Therapie verspricht Erfolg und wird trotz des medizinischen Fortschritts ab und zu noch angewandt.

Antikörper-Blutplasma dient jetzt der Forschung

Die Spenden- und somit Hilfsbereitschaft sei in der ersten und zweiten Welle enorm gewesen. Zahlreiche Covid-19-Genesene hatten sich im HDZ Bad Oeynhausen gemeldet und gaben ihr Blutplasma.

Noch immer lagern einige Hundert Beutel tiefgefroren bei -32 Grad Celsius im Labor von Cornelius Knabbe: „Dieses Plasma ist tiefgefroren mindestens noch ein Jahr haltbar. Wir behandeln damit kaum noch. Aber wir stellen das Plasma der Forschung zur Verfügung.“

Aus dem gespendeten Blutplasma könnten am Ende im besten Fall Corona-Antikörperpräparate, sprich Medikamente, entwickelt werden. Für sein Engagement ist Prof. Dr. Cornelius Knabbe nun vom Wirtschaftsclub Bad Oeynhausen ausgezeichnet worden. Er erhielt den seit 1997 verliehenen „Goldenen Apfel“. Damit werden Persönlichkeiten und Institutionen geehrt, die Projekte mit besonderer Strahlkraft vorantreiben. 

Stand: 30.11.2021, 11:10