Arzt aus Soest in der Antarktis

01:49 Min. Verfügbar bis 18.01.2024

Soester Chirurg forscht in der Antarktis

Stand: 18.01.2023, 15:06 Uhr

Peter Frölich ist Arzt aus Soest. Für ihn geht ein Traum in Erfüllung: Noch 16 Monate erforscht er am Südpol, wie sich die Isolation dort auf den Menschen auswirkt.

WDR: Was machen Sie abends, wenn Sie nicht mit der Lokalzeit telefonieren?

Der Chirurg Peter Frölich in der Station

Peter Frölich bei der Arbeit.

Peter Frölich: Um die Uhrzeit wäre ich eigentlich noch bei der Arbeit, aber heute habe ich Zeit für ein Gespräch.

WDR: Im Moment ist Sommer bei Ihnen am Südpol. "Nur" Minus drei Grad. Fühlt sich das nach einigen Monaten für Sie schon "warm" an?

Frölich: Das ist wirklich Hochsommer bei uns. Entscheidend ist aber auch immer, wie stark der Wind weht, denn wir haben hier sehr starke Stürme.

Die Schneemobile

Die Wissenschaftler untersuchen unter anderem die Auswirkungen des Klimawandels auf den Südpol.

Im Moment haben wir Windstärke vier, das ist noch ganz gut auszuhalten. Aber wenn es kalt ist und ein heftiger Wind von Windstärke sechs oder sieben weht, dann wird es draußen schnell ungemütlich. Da muss man sich gut anziehen. Dafür haben wir spezielle Polarkleidung. Mit der funktioniert das sehr gut.

WDR: Sie sind Arzt und forschen auf der Station, unter anderem, was die Isolation mit dem Körper macht. Was haben Sie schon herausgefunden?

Frölich: Wir führen eine Studie weiter, die schon seit vielen Jahren läuft. Sie wird in Zusammenarbeit mit zwei Instituten für Raumfahrtmedizin in München und in Berlin durchgeführt. Die neun bis zehn Menschen, die hier den Winter verbringen, dienen als Versuchspersonen. An ihnen wird getestet, wie der Körper auf die Isolationsbedingungen reagiert.

WDR: 450 km bis zur nächsten Station. Einsamkeit, Angst, Beklemmung. Gibt es so etwas bei Ihnen und den anderen?

Die Station steht auf verstellbaren Stelzen

Die Neumayer-Station steht auf 200 Meter dickem Eis.

Frölich: Im Moment sind wir in der Sommersaison, haben also sehr viel Betrieb auf der Station. Über 50 Menschen halten sich hier auf. Zum Beispiel Forscher, die jetzt im Sommer ihre Projekte durchführen und eine große Techniker-Crew, die in diesen Tagen eine neue Windkraftanlage aufbaut.

Wie der Winter wird, werden wir sehen. Es ist meine erste Überwinterung hier. Wir müssen schauen, wie wir acht Monate mit zehn Leuten alleine zurechtkommen.

WDR: Gibt es etwas, das sie vermissen?

Frölich: Was manche schnell vermissen, ist frisches Gemüse und Obst. Wir haben zwar im Sommer einiges aus Kapstadt bekommen. Auch via Schiffsanlieferung. Aber in der Wintersaison wird das natürlich irgendwann zu Neige gehen. Dann werden wir alle Herrlichkeiten der Tiefkühlkost hier verkosten können.

Das Interview führte Stefan Fuckert.