Artenreicher als der Regenwald: Biotop im Kreis Höxter wird renaturiert

Freischneider-Einsatz auf dem Magerrasen

Artenreicher als der Regenwald: Biotop im Kreis Höxter wird renaturiert

Von Talea Rullkötter

Der mitteleuropäische Arten-Hotspot liegt im Kreis Höxter, Lebensraum für zahlreiche seltene Pflanzen und Tierarten. Nach der Vernachlässigung in den letzten Jahren wird er jetzt für 200.000 Euro renaturiert.

Der sogenannte Kalkmagerrasen war ursprünglich im Diemeltal im Kreis Höxter weit verbreitet. Er besteht - im Gegensatz zu herkömmlichem Rasen - aus nährreichem Boden und verschiedenen Grasschichten. Lebensgrundlage für viele Spezies.

Mehr als 100 Schmetterlingsarten

"Auf einem Kalkmagerrasen leben mehr Arten als auf manchen Flächen im Regenwald", schwärmte Sven Mindermann von der Landschaftsstation im Kreis Höxter. Die Region beheimatet zahlreiche Insektenarten, darunter mehr als 100 verschiedene Schmetterlinge, die im Kalkmagerrasen von Beverungen leben. Zu ihnen gehört zum Beispiel der seltene Thymian-Ameisenbläuling.

Artenvielfalt als Touristenattraktion

Durch den Klimawandel werden diese Natur-Nischen im Diemeltal bedroht. Renaturierungsmaßnahmen für rund 200.000 Euro sollen nun helfen, die bestehende Artenvielfalt zu erhalten. Sie könnte in Zukunft durchaus auch als Touristenmagnet dienen.

Geländepflege früher Aufgabe des Viehs

Schafe auf Kalkmagerrasen in Willebadessen

Auch aufgrund eines strukturellen Agrarwandels ging der Charakter des Kalkmagerrasens im Laufe der Zeit immer mehr verloren. Bis in die 60er Jahre hielten Schafe und Ziegen das Gras flach und verhinderten, dass Gestrüpp und Dornen wuchsen. Nachdem der Kalkmagerrasen nicht mehr als Weidefläche genutzt wurde, verwilderte er immer mehr. Im nächsten Jahr sollen auf der erholten Grasfläche wieder Tiere weiden.

Fläche von neun Fußballfeldern

Spezialisten haben angefangen, die Gegend von dem Gestrüpp zu befreien. Alleine am Krähenberg bei Beverungen wurde eine Fläche von neun Fußballfeldern freigelegt. Gegen Ende dieser Woche werden die Arbeiten beendet.

Kosten trägt der Bund

Um den Biotop zu renaturieren, arbeitet die Landschaftsstation mit der Universität Osnabrück und dem Bundesministerium für Umwelt zusammen. Der Bund fördert Projekte, die artenreiche Lebensräume schützen. Die Uni bringt einen wissenschaftlichen Blickwinkel auf das Projekt mit ein und begleitet es im Rahmen einer Studie.

Stand: 20.11.2020, 17:52