Vernetzte Recherche gegen sexualisierte Gewalt: "Wir wollen Kinder besser schützen"

Eine Person vor einem Computerbildschirm

Vernetzte Recherche gegen sexualisierte Gewalt: "Wir wollen Kinder besser schützen"

Von Oliver Köhler

Nach den Fällen sexualisierter Gewalt gegen Kinder in Lügde, Münster und Bergisch Gladbach sollen nun Ermittlungen mit Bezug nach Nordrhein-Westfalen bei der "ZAC NRW" gebündelt werden, der Zentral- und Ansprechstelle für Cybercrime.

Die neue "Taskforce Kinderpornografie" deckt Fälle auf, sichert Beweise und veranlasst landesweite Razzien. Aktuell befassen sich bei der Zentral- und Ansprechstelle für Cybercrime insgesamt zwölf Staatsanwälte ausschließlich mit diesem Thema. Die ZAC ist bei der Staatsanwaltschaft Köln angesiedelt.

Oberstes Ziel: Die Kinder zu schützen

Unser Ziel ist klar definiert“, verdeutlicht Staatsanwalt Christoph Hebbecker. „Wir wollen die Kinder besser schützen und sie möglichst rasch in Sicherheit bringen“. Erst im zweiten Schritt gehe es darum, den Tätern den Prozess zu machen. Und auch da müssen die Staatsanwälte schnell, sauber und präzise sein. Beweise müssen gerichtsfest sein, Fehler könnten die Täter entlasten. „Wir wollen nicht nur die Haupttäter, sondern auch den "Beifang" dingfest machen“, so Hebbecker. 

Bei der Frage, wie die Staatsanwälte der ZAC konkret bei ihrer Netzrecherche auf der Suche nach Tätern vorgehen, hält sich Christoph Hebbecker bedeckt: "Sie haben bestimmt Verständnis dafür, dass wir nicht unseren Werkzeugkasten öffentlich machen. Das würden Täter sicher nutzen, um weiter unerkannt zu bleiben."

Den Tätern auf der Spur

Im November 2020 verhandelte die 3. große Strafkammer am Landgericht Detmold gegen einen 28-jährigen Mann. Nicht die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft in Detmold hatte ihn angeklagt, sondern die Staatsanwälte der ZAC NRW. Dem Mann wurde „schwerer sexueller Kindesmissbrauch in kinderpornographischer Absicht“ vorgeworfen. In nichtöffentlicher Sitzung erzählte der Angeklagte von seiner gesteigerten Pornosucht.

Opfer wurde beim Missbrauch gefilmt

Er sei immer auf der Suche nach extremeren Bildern und Videos im Internet gewesen. Er gestand schließlich, seine achtjährige Nichte mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Von den Taten machte er Bilder und Videos, um sie übers Internet zu tauschen. „Viele Täter verspüren einen inneren Druck“, erklärt Staatsanwalt Christoph Hebbecker, „Sie müssen in der Szene was anbieten, um selbst neues Material zu bekommen.“

Detmolder tauschte Bilder mit Haupttäter von Bergisch Gladbach

Der Detmolder Fall fiel bei der Auswertung von Chatprotokollen im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex von Bergisch Gladbach auf. Der Haupttäter von Bergisch Gladbach hatte mit dem Detmolder über das Internet kommuniziert und ihn aufgefordert, Fotos zu liefern.

Da der Chat anonym war, werteten die Ermittler die Metadaten der verschickten Bilder und Videos aus. Darüber fanden sie heraus wann, wo und mit welchem Gerät die Bilder und Videos gemacht wurden. Der Detmolder konnte identifiziert und angeklagt werden.

Das Landgericht Detmold verurteilte den 28-Jährigen zu drei Jahren und drei Monaten Haft. Die Kammer hatte mehrere strafmildernde Umstände zu berücksichtigen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Stand: 11.08.2021, 11:09