Sieg vorm Arbeitsgericht: Rückkehr in den Job oft schwierig

Nach Arbeitsgerichts-Sieg: Die Schikanen 03:08 Min. Verfügbar bis 16.07.2020

Sieg vorm Arbeitsgericht: Rückkehr in den Job oft schwierig

Von Mike Külpmann

  • Nach Sieg vor Gericht droht Mobbing
  • Bei größeren Firmen klappt es meistens besser
  • Gewerkschaft rät Arbeitnehmern zur Abwägung

Ingo Markowski aus Siegen ist zurück bei Toys R Us. Genau das hatte er gewollt, dafür hatte er über Monate prozessiert und hohe Abfindungssummen ausgeschlagen. Bis "Toys" aufgab, seine fristlose Kündigung zurückzog und der 50-Jährige seine Arbeit wieder aufnehmen konnte. "Ich wollte zeigen, dass die Firmen nicht immer gewinnen und dass meine Kündigung nicht rechtens war", so Markowski zu seinen Motiven.

Vorwürfe gegen Ingo Markowski haltlos

Ingo Markowski

Ingo Markowski

Ingo Markowski sollte angeblich eine Kollegin gegen ihren Willen umarmt und geküsst haben - Vorwürfe, die sich später als haltlos herausstellten. Womöglich war der Firma eher seine engagierte Arbeit als Betriebsrat ein Dorn im Auge. Inzwischen arbeitet Ingo Markowski nun schon seit neun Monaten am seinem alten Arbeitsplatz: "Am Anfang war das schon schwierig, vor allem, weil ich auch unter den Kollegen nicht nur Freunde habe. Aber inzwischen ist fast wieder der Normalzustand erreicht", so Markowski.

Oft Probleme nach Rückkehr an den Arbeitsplatz

Nicht immer klappt die Rückkehr an den Arbeitsplatz nach juristischem Streit so wie in diesem Fall. Ein Busfahrer, der anonym bleiben will, berichtet, dass seine letzten Jahre vor der Pensionierung ihn psychisch und körperlich fertig gemacht haben. Er hatte sich wiederholt über seine Arbeitsbedingungen beschwert und war daraufhin an wechselnde Standorte versetzt worden. Als er sich dagegen gerichtlich wehrte, zog die Firma zwar zurück. Doch bei der Arbeit strafte man ihn anschließend mit Missachtung – kein schönes Ende eines langjährigen Arbeitslebens.

Gewerkschaft spricht von Schikanen und Benachteiligungen

Jürgen Weiskirch, Verdi Südwestfalen

Jürgen Weiskirch von Verdi

Jürgen Weiskirch von der Gewerkschaft Verdi Südwestfalen kennt viele solcher Fälle. Oft haben Arbeitnehmer vor Gericht gute Chancen zu gewinnen. Doch wer statt einer Abfindung an seinen Arbeitsplatz zurückkehre, werde oft schikaniert: "Bei größeren Firmen gehört Rechtsklärung meistens zum Alltag, bei kleineren sieht der Chef das schon mal als Majestätsbeleidigung", so Weiskirch. Ingo Markowski aber hat seinen Schritt nicht bereut. Er würde jederzeit wieder für sein Recht kämpfen.

Stand: 16.07.2019, 07:40