Zahl der Anzeigen gegen Tönnies nach Corona-Ausbruch steigt weiter

Außenansicht der Zentrale des Fleischkonzerns Tönnies in Rheda-Wiedenbrück

Zahl der Anzeigen gegen Tönnies nach Corona-Ausbruch steigt weiter

  • Kanzlei sammelt Anzeigen von Geschäftsleuten
  • Andere Anzeigen bereits im zweistelligen Bereich
  • Grund: Corona-Ausbruch bei Tönnies

Gegen den Fleischkonzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück gibt es wegen des massenhaften Corona-Ausbruchs immer mehr Anzeigen. Eine fünfköpfige Ermittlungskommission des Kommissariats für Wirtschaftskriminalitä der Polizei Bielefeld befasst sich damit.

Fünfköpfige Ermittlergruppe im Einsatz

Laut Staatsanwaltschaft Bielefeld sind bisher rund 50 Strafanzeigen eingegangen. Die Strafanzeigen richteten sich gegen Clemens Tönnies persönlich, die Unternehmensführung oder gegen Unbekannt wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz oder fahrlässiger Körperverletzung.

Fleischindustrie-Arbeiter: "Leben in Parallelgesellschaft"

WDR 5 Morgenecho - Interview 02.07.2020 06:24 Min. Verfügbar bis 02.07.2021 WDR 5

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Berliner Kanzlei sammelt Kläger

Eine Berliner Anwaltskanzlei hat nach eigenen Angaben Kontakt zu mehr als 20 Bürgern aus dem Kreis und erwartet noch mehr Mandate, um wegen der Corona-Schutzmaßnahmen Schadensersatz einzuklagen. Unter anderem hätten sich Friseure, Imbiss-Betreiber und Privatleute an die Kanzlei gewandt, sagte ein Sprecher. Alle hätten durch Lockdown finanzielle Verluste erlitten.

Langer Weg der Schadensregulierung

Sobald 50 Kläger zusammenkämen, wolle man den Konzern anschreiben und um Schadensregulierung bitten. Sollte man sich nicht einigen, könnte es Klagen geben. In diesem Fall müssen Kläger nachweisen, dass bei Tönnies wirklich Missstände zum massenhaften Corona-Ausbruch geführt haben. Gutachter müssten beauftragt und bezahlt werden. Ein solcher Streit kann lange dauern.

Unterschiedliche Strafanzeigen eingegangen

Jedoch ist ihre Arbeit kompliziert, denn die Strafanzeigen unterscheiden sich in ihren Details deutlich. So geht es unter anderem um Unterbringung und Behandlung der Mitarbeiter, um Tierschutz oder die Folgen des Lockdowns im Kreis Gütersloh und eventuelle Entschädigungen. Wie lange die Ermittlungen dauern, sei noch offen.

Druck auch von Tierrechtlern

Die Tierrechtsorganisation PETA hat nach eigenen Angaben ebenfalls bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld Strafanzeige gegen die Geschäftsführung von Tönnies erstattet. Trotz Kenntnis der aktuellen Rechtsvorschriften und der schlechten Lebensbedingungen ihrer Mitarbeiter habe die Unternehmensleitung die Corona-Infektionen in Kauf genommen, hieß es.

Stand: 13.07.2020, 16:25