Missbrauchsfall Münster: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

 Bei den Ermittlungen nach schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern steht ein Polizeibeamter vor der Gartenlaube, wo der vermutliche Haupttäter Teile seiner Server-Anlage unterbrachte (06.06.2020)

Missbrauchsfall Münster: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Im Missbrauchsfall von Münster hat die Staatsanwaltschaft jetzt erstmals Anklage erhoben. Die Anklageschrift umfasst Taten im Zeitraum von Anfang 2018 bis zum Mai 2020 und richtet sich gegen vier Männer und eine Frau.

Hauptbeschuldigter ist ein 27-jährige Mann aus Münster. Er soll den 10-jährigen Sohn seiner Lebensgefährtin unter anderem in einer Gartenlaube in Münster schwer sexuell missbraucht haben. Außerdem soll er den Jungen auch anderen Männern zum Missbrauch angeboten haben und Videos der Taten im Darknet verbreitet haben.

Weitere Männer beschuldigt

Zwei Gartenlauben, davor viele blühende Pflanzen und eine Liege

Mehrfacher Tatort soll eine Gartenlaube gewesen sein

Neben dem Hauptbeschuldigten sollen auch drei Männer aus Staufenberg, Hannover und Schorfheide angeklagt werden. Sie sollen sich mehrfach getroffen haben, um den 10-Jährigen und teilweise auch den 5-jährigen Sohn des Mannes aus Staufenberg zu missbrauchen.

Die Anklageschrift führt teilweise mehrtägige Treffen aller vier Männer auf, bei denen dem 10-Jährigen auch K.O.-Tropfen verabreicht wurden. Anklagepunkte sind unter anderem schwerer sexueller Missbrauch von Kindern, gemeinschaftliche Vergewaltigung und gefährliche Körperverletzung.

Beihilfe-Vorwurf gegen Mutter des Hauptbeschuldigten

Polizeibeamte in einer Kleingartenanlage beobachten den Abriss einer Gartenlaube

Zur Spurensuche wurde die Laube abgerissen

Außerdem richtet sich die Anklage gegen die Mutter des Hauptbeschuldigten. Ihr wird Beihilfe zu den Taten vorgeworfen, die zu einem großen Teil in ihrer Gartenlaube stattgefunden haben sollen. Laut Staatsanwaltschaft soll sie "die Laube ihrem Sohn und den Mitangeschuldigten in dem Wissen überlassen haben, dass während des mehrtätigen Aufenthalts die beiden Jungen sexuell missbraucht werden sollten."

Ein Bauzaun vor einem planierten Grundstück

Beim Abriss wurde umfangreiches Datenmaterial sichergestellt

Die Anklage stützt sich im Wesentlichen auf die Auswertung des umfangreichen Video- und Datenmaterials, das bei dem Hauptangeklagten und in der Gartenlaube sichergestellt und später entschlüsselt werden konnte. Es ist aber bisher noch nicht komplett ausgewertet und derzeit Anlass für weitere Ermittlungen.

Insgesamt 21 Tatverdächtige

Das Landgericht Münster muss nun über die Zulassung der Anklageschrift entscheiden. Die fünf Angeschuldigten befinden sich in Untersuchungshaft, ebenso wie neun weitere Tatverdächtige, gegen die im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex von Münster ermittelt wird. Insgesamt gibt es derzeit 21 Tatverdächtige in dem Fall.

Lokalzeit – Im Namen der Kinder | Hilfe für Opfer sexueller Gewalt Lokalzeit 27.08.2020 44:09 Min. UT Verfügbar bis 27.08.2021 WDR Von Heike Zafar, Detlef Proges

Stand: 04.09.2020, 16:03