Münster: Anklage gegen frühere Westfleisch-Manager

Westfleisch: Anklage wegen Untreue Lokalzeit Münsterland 04.03.2021 03:53 Min. Verfügbar bis 04.03.2022 WDR Von Michael Nieberg

Münster: Anklage gegen frühere Westfleisch-Manager

Von Michael Nieberg

Die Staatsanwaltschaft hat gegen zwei frühere Manager des Westfleisch-Konzerns mit Sitz in Münster Anklage erhoben. Dabei geht es um den Verdacht der Untreue. Der Schaden betrage knapp 12 Millionen Euro.

Wie der WDR von der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld erfahren hat, sind ein früherer Exportleiter und sein Vorgesetzter, der langjährige Vorstand und Vorstandssprecher Dr. Helfried Giesen, angeklagt. Der Münsteraner lenkte die Geschicke des Konzerns 24 Jahre lang, bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2015.

Es geht um ein Exportgeschäft, das nach Angaben der Staatsanwaltschaft aus dem Ruder gelaufen sei: Im Jahr 2014 verhängte die EU ein Embargo gegen Russland. Um trotzdem weiter liefern zu können, habe Westfleisch ein Direktgeschäft zwischen süd- und nordamerikanischen Lieferanten und einem Kunden in Moskau eingefädelt.

Obwohl der Abnehmer des Fleisches nicht gezahlt habe, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft,  sei er weiter beliefert worden. Der Zahlungsausfall habe bei 16 Millionen Euro gelegen. Nach Zahlung einer Versicherungsentschädigung liege der Schaden nun immer noch bei knapp 12 Millionen Euro.

Keine persönliche Bereicherung

"Der Vorstandssprecher hat den Exportleiter nicht kontrolliert", erklärte Oberstaatsanwalt Ralf Günther und verwies auf ähnliche Vorfälle in früheren Jahren  - auch mit Millionenschäden für das Unternehmen. Eine persönliche Bereicherung habe den beiden Angeklagten nicht nachgewiesen werden können.

Doch der Schaden für den Konzern sei immens. Das Verfahren liegt nun beim Landgericht Münster, das in den nächsten Wochen darüber entscheidet, ob und wann es zum Prozess kommen wird.

Neuer Vorstand abberufen

Der Nachfolger von Dr. Helfried Giesen wurde nach nur wenigen Monaten im Amt vom Aufsichtsrat abberufen. Vorstand Christian Leding hatte sich zusammen mit anderen Managern des Konzerns um Aufklärung des Russlandgeschäftes bemüht und mehreren leitenden Angestellten gekündigt, auch dem nun angeklagten damaligen Exportleiter. Christian Leding bedauert, dass er die interne Aufklärung nicht habe zu Ende bringen können.

Staatsanwalt: Westfleisch unterstützte die Ermittlungsarbeit nicht

Die Ermittlungen waren erst im Jahr 2018 durch eine anonyme Anzeige ins Rollen gekommen. Westfleisch hatte damals erklärt, die Aufklärung unterstützen zu wollen. Doch die Ermittlungen dauerten nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch deshalb drei Jahre lang, weil Westfleisch die zuerst angekündigte Unterstützung nicht so geleistet habe, wie die Staatsanwaltschaft sich erhofft hatte. Ralf Günther: "Wir mussten uns Zugang zu den benötigten Unterlagen verschaffen durch richterliche Beschlüsse".

Mit Verweis auf das schwebende Verfahren wollte sich der Westfleisch-Konzern nicht gegenüber dem WDR äußern. Schriftlich wurde mitgeteilt, dass die Genossenschaft in den vergangenen Jahren "mit unterschiedlichen Maßnahmen und juristischen Schritten den durch die Zahlungsausfälle entstandenen Vermögensschaden um mehrere Millionen Euro" reduziert habe. Auch die Angeschuldigten wollten sich nicht äußern.

 

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