Altersarmut steigt laut Bertelsmann Stiftung stark an

Hände älterer Menschen auf ihren Gehstöcken, Senioren auf einer Bank

Altersarmut steigt laut Bertelsmann Stiftung stark an

  • Bertelsmann Stiftung: Altersarmut steigt stark
  • Prognose: 2039 mehr als jeder fünfte Rentner betroffen
  • Grundrente des Koalitionsvertrags reicht nicht

Immer mehr ältere Menschen werden in den kommenden 20 Jahren von Armut bedroht sein. In einer Modellrechnung gehen das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und die Bertelsmann Stiftung in Gütersloh davon aus, dass im Jahr 2039 mehr als jeder fünfte Rentner von Altersarmut betroffen sein könnte - bisher ist es nur jeder sechste.

Grundrente wenig wirksam

Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Grundrente oder eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige würden den Anstieg der Altersarmut nur sehr leicht bremsen. Das Grundrenten-Modell ohne Bedürftigkeitsprüfung aus dem Arbeitsministerium wäre zwar effektiver, aber nicht zielgenau, sagt Christof Schiller von der Bertelsmann Stiftung: "Da merken wir schon, dass die Armutsrisikoquote zurück geht. Das Problem ist allerdings, dass sie noch einen viel größeren Personenkreis trifft." 85 Prozent der Menschen, die von dieser Rente profitieren würden, seien nicht armutsgefährdet, führt Schiller an.

Geburtenstarke Jahrgänge gehen in Rente

Dass sich das Problem der Altersarmut vor allem in den kommenden 20 Jahren verschärfen wird, liegt laut Bertelsmann Stiftung einerseits an den geburtenstarken Nachkriegs-Jahrgängen, den sogenannten Babyboomern, die dann in Rente gehen. Andere Gründe seien die zunehmenden unterbrochenen Erwerbsbiografien sowie die Tatsache, dass es mehr Geringverdiener und Alleinstehende gibt.

Caritative Einrichtungen: "Situation menschenunwürdig"

Ein Eindruck, den auch Inge Rehbein bestätigt. Als Leiterin der Gütersloher Suppenküche hat sie viel mit Rentnern zu tun, die sich nicht jeden Tag eine warme Mahlzeit leisten können: "Sehr sehr traurig. Die Zahl der in Altersarmut geschlitterten Menschen ist gestiegen. Noch dazu finde ich es unzumutbar und unhaltbar, Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, in eine Situation entlassen, die menschenunwürdig ist."

Studie: Maßnamen-Mix sinnvoll

Um dem entgegen zu wirken, ist laut Bertelsmann Stiftung ein Mix aus kurzfristigen und langfristigen Maßnahmen in der Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik nötig: Als sinnvolle Reform empfiehlt die Stiftung eine zielgerichtete Grundrente mit einfacher Einkommensprüfung und ohne die Pflicht von 35 Versicherungsjahren.

Stand: 12.09.2019, 10:32