Alternativer Nobelpreis für russischen Umweltaktivisten

Vladimir Slivyak bei der Preisübergabe

Alternativer Nobelpreis für russischen Umweltaktivisten

Von Andreas Lorek

Der jetzt in Warendorf lebende Umweltaktivist Wladimir Sliwjak ist am Mittwochabend mit dem "Right Livelihood Award", dem alternativen Nobelpreis, ausgezeichnet worden.

Der 48-jährige Wladimir Sliwjak wurde "für seinen langjährigen Einsatz für den Umweltschutz" geehrt. Die Laudatio auf ihn hielt die deutsche Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer. Sliwjak habe den zivilen Widerstand gegen die Kohle- und Atomindustrie in Russland gestärkt, so die Preisstifter.

Warendorf: Der Preisträger des alternativen Nobelpreises Lokalzeit Münsterland 01.12.2021 20:24 Min. Verfügbar bis 01.12.2022 WDR Von Christian Schweitzer

mehrere Menschen mit Transparent und Fahnen vor dem Hauptbahnhof Münster

Slivyak organisierte auch Proteste in Gronau

Er war einer der Gründer der russischen Umweltschutzorganisation Ecodefense. Zu Beginn standen die Risiken der Nutzung von Atomenergie im Mittelpunkt seiner Arbeit. Damals knüpfte er erste Kontakte nach Deutschland, vor allem nach Gronau.

Kampf gegen Atommüll aus Gronau

Luftbild der Urananreicherungsanlage  in Gronau

Atommüll aus der Urananreicherungsanlage Gronau

Die dortige Urananreicherungsanlage, die Atomkraftwerke mit dem radioaktiven Brennstoff versorgt, schickt seit den 90er-Jahren Produktionsabfälle nach Russland. Dort lagern sie in Stahlfässern unter freiem Himmel. Gemeinsam mit Anti-Atomgruppen aus dem Münsterland organisierte Wladimir Sliwjak in 15 Jahren mehr als 60 Protestaktionen gegen diese Transporte.

Kohleabbau weiteres Thema

Seit einigen Jahren ist der Widerstand gegen den umweltzerstörerischen Kohleabbau in Sibirien ein weitere Pfeiler seiner Arbeit. In Datteln sprach er sich auf Demonstrationen dafür aus, auf russische Kohle beim Betrieb des neuen Kraftwerks zu verzichten.

Internationale Gespräche

Einen wichtigen Teil seiner Arbeit bilden Gespräche mit Banken und Investoren in ganz Europa. Ihnen legt er Dokumentationen vor, die belegen, welche Auswirkungen Investments in Atomkraft oder Kohleabbau haben. So gelang es ihm schon mehrmals, potentielle Geldgeber davon zu überzeugen, nicht in umweltschädliche Technologien zu investieren.

Alternativer Nobelpreis geht an russischen Aktivisten in Warendo

WDR 5 Westblick - aktuell 01.12.2021 03:47 Min. Verfügbar bis 01.12.2022 WDR 5 Von Andreas Lorek


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Als Konsequenz wurden in Südafrika mehrere Atomkraftwerke nicht von der russischen Firma Rosatom gebaut. In Russland zogen sich Investoren vom Bau eines geplanten Atomkraftwerks nahe Kaliningrad zurück.

Repression durch russischen Staat

Vladimir Slivyak mit Protestschild in Russland

Protestiert wird auch immer wieder in Russland

Die Umweltschutzorganisation Ecodefense wurde daraufhin von Russlands Regierung als "ausländischer Agent" eingestuft. Strafanzeigen wurden erlassen, tausende Mitstreiter seien inhaftiert worden oder ins Ausland geflohen, sagt Sliwjak . Die Ecodefense-Geschäftsführerin etwa bat 2019 in Deutschland um politisches Asyl.

Weitere Planungen von Warendorf aus

Auch deshalb arbeitet Wladimir Sliwjak immer häufiger von Warendorf aus. Gemeinsam mit "urgewald", einer Umweltschutzorganisation in Sassenberg, bereitet er weitere Projekte vor. Mit dem Preisgeld von 100.000 Euro aus dem Right Livelihood Award will er neue Umweltschutzprojekte in Russland finanzieren.

Was man über den Alternativen Nobelpreis wissen muss

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 25.09.2019 03:47 Min. Verfügbar bis 24.09.2024 WDR 5 Von Lars Tepel


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Stand: 01.12.2021, 19:04