Archäologischer Fund: Tennisplatz in Tecklenburg entdeckt

Archäologen*innen entdecken 120 Jahre alten Tennisplatz Lokalzeit Münsterland 22.04.2021 02:33 Min. Verfügbar bis 22.04.2022 WDR Von Christian Schweitzer

Archäologischer Fund: Tennisplatz in Tecklenburg entdeckt

In Tecklenburg haben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe einen der ältesten Tennisplätze Westfalens entdeckt. Er stammt aus den Jahren vor 1900 und war auf dem Tecklenburger Burghof angelegt.

Eine Person fährt mit einem Gerät eine Grünfläche ab

Der Tennisplatz wurde durch Bodenradar-Messungen entdeckt

Wegen geplanter Bauarbeiten haben die Archäologen auf dem Burghof Bodenradar-Messungen gemacht und sind dabei auf die frühere Nutzung gestoßen. "In unseren Radardaten scheint der Tennisplatz als stark reflektierender dunkler Bereich auf. Demnach ist zumindest die südliche Hälfte des Spielfeldes unter der Grasnarbe erhalten", erklärt LWL-Archäologe Joris Coolen. Dabei zeichnen sich sogar einige Linien des Spielfeldes als hellere Linien auf dem zweiten Burghof ab.

Fotos von Damals

Bodenradar-Aufnahmen vom Tennisfeld

Auf dem Radarbild sind die weißen Linien der südlichen Spielfeld-Hälfte erkennbar

Doch es ist nicht nur der Tennisplatz offenbar weitgehend erhalten, sondern auch die ehemalige Besitzerfamilie konnte ausfindig gemacht werden. Und die hat sogar noch Fotos von der damaligen Nutzung, denn der Besitzer, Justizrat Wilhelm Fisch, war offenbar auch ein sehr früher Amateurfotograf.

Eine Gruppe spielt Tennis

Auf dem Tennisplatz wurde schon 1897 gespielt

Und so sind zum Beispiel auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1897 Männer in Anzügen, Frauen in Kleidern und Balljungen mit Hut zu sehen. Auch aus anderen Fotounterschriften geht hervor, dass der Tennisplatz der Fischs bereits vor 1900 angelegt wurde. Dabei breitete sich das britische "lawn tennis" erst ab etwa 1880 auf dem europäischen Festland aus.

Gesellschaftlicher Kontakt durch Tennis

Es sei ein beliebter Zeitvertreib der Oberschicht gewesen, da es von Anfang an von Damen und Herren gemischt gespielt wurde, berichtet der Archäologe Coolen. "Das Spiel bot also eine willkommene Möglichkeit zu einem ungezwungenen Kontakt zwischen den Geschlechtern."

Eine Grünfläche, im Hintergrund ein Burgturm

Unter dem Rasen auf dem zweiten Burghof ist der Tennisplatz verborgen

Coolen freut sich besonders über diesen ungewöhnlichen Fund aus dem Alltagsleben um 1900: "Für die Forschung sind die Fundamente der Burg vielleicht wichtiger. Auf alte Burgmauern stoßen wir bei unserer Arbeit aber häufiger; einen Tennisplatz der Jahrhundertwende hatten wir dagegen noch nicht."

Burghof Tecklenburg - Einer der ältesten Tennisplätze Westfalens

In Tecklenburg haben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe einen der ältesten Tennisplätze Westfalens entdeckt. Er stammt aus den Jahren vor 1900 und war auf dem Tecklenburger Burghof angelegt.

Eine Grünfläche, im Hintergrund ein Burgturm

Unter der Oberfläche des sogenannten zweiten Tecklenburger Burghofes hier im Vordergrund befindet sich der ehemalige Tennisplatz.

Unter der Oberfläche des sogenannten zweiten Tecklenburger Burghofes hier im Vordergrund befindet sich der ehemalige Tennisplatz.

Wegen bevorstehender Bauarbeiten wurde das Gelände mit Bodenradarmessungen untersucht.

Das Radarbild zeigt den Tennisplatz als dunklen Bereich. In der südlichen Hälfte des Spielfeldes zeichnen sich sogar einige Linien des Spielfeldes als hellere Linien ab. Rechts eingezeichnet ist das offiziellen Spielfeld für das Tennis-Doppel entsprechend der offiziellen Norm von 10,97 Metern oder 36 Fuß.

Auf einem Foto aus dem Jahr 1897 sind Männer in Anzügen, Frauen in Kleidern und Balljungen mit Hut zu sehen. Neben dem Tennisplatz stand ein kleiner Pavillon.

Am Rande des Tennisplatzes machte es sich die Familie des damaligen Besitzers, Justizrat Wilhelm Fisch, gemütlich. Man traf sich - wie hier 1903 - zur Bowle. Das Tennisspiel bot eine willkommene Möglichkeit zu einem ungezwungenen Kontakt zwischen den Geschlechtern.

Denn das britische "lawn tennis" (Rasentennis) wurde von Anfang an von Damen und Herren gemischt gespielt, auch "im Schatten" des Tecklenburger Burgturms.

Natürlich hatte man vom Turm aus einen schönen Blick auf Tecklenburg und auch den Tennisplatz (links im Vordergrund).

Stand: 22.04.2021, 20:00