Interview: Nach Hochwasser in Altena

Familie nach Hochwasser in Altena

Interview: Nach Hochwasser in Altena

Von Heiko Dolle

Rund drei Wochen nach der Flut gehen die Aufräumarbeiten in Altena voran. Auch bei Familie Lipinski im Grennigloher Weg. Dort hatte der Starkregen besonders schlimm zugeschlagen. Zumindest die Straße ist wieder weitestgehend frei. Aber in den Vorgärten sieht es immer noch schlimm aus. Danny und Nicole Lipinski haben mit dem Chaos zu leben gelernt. 

WDR: Wie weit sind Sie mit ihren Aufräumarbeiten? 

Danny Lipinski: Im Keller soweit fast fertig. Und viel können wir jetzt erst mal nicht machen. Außer trocknen lassen. Und dann wieder anfangen, neu aufzubauen.

WDR: Und wie lange dauert das noch?

Danny Lipinski: Ich denke mal ein, zwei Monate. Ein Monat, bis alles richtig trocken ist. Und dann wieder von vorne, Dammsperre rein, Dämmung rein, Boden rein.

Schutt vor Haus

"Anfangen, neu aufzubauen"

Nicole Lipinski: Sicherheitshalber fliesen wir jetzt. Weil das ist eigentlich unsere Bar. Keine Waschküche. Und das könnte man für den Fall des Falles einmal durchwischen. Man denkt ja mit.

WDR: Haben Sie nach drei Wochen mit dem Chaos leben gelernt?

Danny Lipinski: Wenn man jetzt den Kopf in den Sand steckt, dann ist es glaube ich vorbei. Jetzt geht’s halt nur so: Jeden Tag ein bisschen weiter.

WDR: Was hat sich seitdem verändert?

Nicole Lipinski:  Das hat die Nachbarschaft zusammengeschweißt, dieses Unglück. Man hat sich jetzt mit Nachbarn unterhalten, die man vorher nur gegrüßt hat. Und jetzt auf einmal hat man mit denen jeden Morgen zusammen gefrühstückt. Und die sind einem wichtig geworden. Und deswegen ist einfach so eine Auszeit, auch wenn es nur ein paar Stunden sind, ganz wichtig. Um vielleicht einfach nur neue Kraft zu sammeln. Und weiterzumachen.

WDR: Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Gewitter aufziehen und der Regen einsetzt?

Bagger schaufelt Schutt vor Haus

"Voll am Limit"

Danny Lipinski: Wenn wir jetzt abends im Bett liegen und es fängt an zu regnen, man kriegt wirklich kein Auge zu. Man steht auch auf. Geht ans Fenster und guckt, ob der Garten nicht voll Wasser steht und sonstiges. Und das wird, glaube ich, auch noch eine ganze Zeit dauern. Wenn es überhaupt wieder verschwinden wird.

Nicole Lipinski: Ich habe mich gestern eingerollt, wie so ein Embryo, als es anfing zu regnen, und hab einfach nur gesagt: Lass es aufhören. Beweg dich gar nicht hier weg. Du wartest jetzt nicht… ganz schlimm. Und dann gehst du trotzdem gucken.

WDR: Wieviel Kraft haben Sie noch?

Nicole Lipinski: Theoretisch keine. Eigentlich bin ich voll am Limit, weil ich jetzt auch wieder arbeiten gehe. Aber was soll’s. Wir müssen ja zurück. Irgendwie muss es weitergehen.

WDR: Haben Sie sich schon darüber Gedanken gemacht, wie es weitergeht?

Nicole Lipinski: Man plant schon, doch. Wir haben das Haus vor drei Jahren gekauft und schon einmal vor drei Jahren komplett neu angefangen. Da kannst du einfach nicht aufgeben. Jetzt geht’s halt wieder bei null los. Und irgendwann werden wir es wieder schön haben. Hoffentlich bald.

Das Interview führte Heiko Dolle.

Hochwasser-Sprechstunde stößt auf großes Interesse

WDR 3 Kultur am Mittag 05.08.2021 08:14 Min. Verfügbar bis 05.08.2022 WDR 3


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Stand: 06.08.2021, 12:30