Ärztepräsident: "Viele Ärzte am Rande der Erschöpfung"

Das Bild zeigt einen Arzt mit einem Stethoskop.

Ärztepräsident: "Viele Ärzte am Rande der Erschöpfung"

  • 250 Ärzte aus ganz Deutschland diskutieren aktuelle Entwicklungen
  • Organspende, Nachwuchsmangel und Digitalisierung sind Themen
  • Neuer Ärztepräsident wird gewählt

Am Dienstagmorgen (28.05.2019) hat in Münster der 122. Deutsche Ärztetag begonnen. Es geht um Überlastung von Ärzten, mehr Studienplätze und Eingriffe der Politik in die Selbstverwaltung der Ärzte.

Deutscher Ärztetag beginnt Lokalzeit Münsterland 28.05.2019 Verfügbar bis 28.05.2020 WDR Von Elena Burgwedel

Etwa 250 Ärzte aus ganz Deutschland werden bis Freitag unter anderem über das neue Terminservice- und Versorgungsgesetz, vorgeburtliche Bluttests und die Überlastung von Ärzten diskutieren.

Viele Ärzte zunehmend überlastet

Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages, steht auf dem Podium und spricht zu Beginn des 122. Deutschen Ärztetages zu den Teilnehmern

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery auf dem Ärztetag in Münster

Denn viele Ärzte würden über die zunehmende Arbeitsüberlastung klagen, sagt Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. "Wir wissen, dass es viele Ärzte gibt, die am Rande der Erschöpfung und der körperlichen Leistungsfähigkeit arbeiten", so Montgomery. Kliniken bräuchten vernünftige Schichtmodelle, die man auch einhalte.

Mehr Studienplätze gefordert

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann betonte in seiner Rede die Maßnahmen seines Ministeriums gegen die zunehmende Überalterung der Ärzte und den Ärztemangel. Die Reaktion des Marburger Bundes, dem Berufsverband der Ärzte, fällt gemischt aus.

"Man hilft sich mit Improvisationen wie etwa in Nordrhein-Westfalen der eingeführten Landarztquote. Aber eigentlich muss man die Ausbildungszahl erhöhen und die Studienplätze aufstocken", sagt Rudolf Henke, der Vorsitzende des Marburger Bundes. 2000 Studienplätze mehr pro Jahr hält Henke für realistisch.

Thema Digitalisierung

Jens Spahn redet beim Ärztetag in Münster

Versprach auf die Ärzte zuzugehen: Gesundheitsminister Jens Spahn

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht der Bundesärztekammer in einigen Dingen zu schnell voran, bei den Themen Gesundheitskarte, elektronische Patientenakte, Patien- und Datenschutz etwa. Spahn forderte die Ärzte am Dienstag auf, bei einer schnellen Einführung digitaler Angebote für Patienten mitzuziehen. "Gestalten Sie das mit", sagte er. "Wenn wir in den nächsten zwei, drei Jahren die Kiste nicht mal langsam gebacken kriegen, dann gestalten wir es nicht, wir erleiden es."

Protest erntete Jens Spahn für mehrere Vorhaben, bei denen die Ärzte Angriffe auf ihren Beruf sehen. Ein Beispiel dafür ist das Termingesetz, das Versicherten einen schnelleren Arzttermin garantieren, aus Sicht der Ärzte aber den Terminplan der Praxen vorschreibt. Ärztepräsident Montgomery kritisierte außerdem Spahns Vorstöße zur Ausbildung von Hebammen oder die Idee des Ministers, Grippe-Impfungen auch in Apotheken zu ermöglichen. Gebraucht würden mehr Ärzte und dafür mehr Studienplätze, nicht neue Berufe "am Rande ärztlicher Tätigkeit".

Feinstaub und Klimawandel

Daneben greifen die Mediziner beim Ärztetag ein derzeit viel diskutiertes Thema auf: Die Gefahren durch Feinstaub und Klimawandel. Dirk Heinrich, der Vorsitzende des Verbands der niedergelassenen Ärzte in Deutschland, warnte schon vorab vor den gesundheitlichen Folgen. "Umweltbedingungen, Klima, Feinstaub... das spielt selbstverständlich eine Rolle für die Gesundheit."

Nachfolge für Montgomery gesucht

Eine Personalie steht auch auf dem Programm. Frank Ulrich Montgomerys Nachfolge als Ärztepräsident muss geregelt werden. Nach acht Jahren gibt er sein Amt ab. Nachfolger werden möchte der Allgemeinmedizinier Klaus Reinhard aus Bielefeld. Der 59-Jährige muss sich dafür am Donnerstag beim Deutschen Ärztetag gegen drei Konkurrenten durchsetzen.

Ärztedemo vor der Tagungs-Halle

Ärzte stehen mit Demo-Schildern und -Bannern vor einem Gebäude mit Eckhard von Hirschhausen.

Ärzteprotest vor der Halle Münsterland

Zu Beginn der Tagung demonstrierten Ärzte vor der Halle Münsterland für den Klimaschutz. Auch der Arzt und Fernsehmoderator Eckart von Hirschhausen nahm an der Aktion "Doctors for future" teil, mit der Mediziner die weltweiten Freitags-Proteste von Schülern unterstützen.

Stand: 28.05.2019, 19:21