Beverungen: Zwischenlager für Atommüll geplant

Ehemaliges Atomkraftwerk Würgassen

Beverungen: Zwischenlager für Atommüll geplant

  • Zwischenlager für Atommüll in Beverungen geplant
  • Schwach- und mittelradioaktive Abfälle sollen nach Würgassen
  • Zwischenlager kostet etwa 450 Millionen Euro

Auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Würgassen soll ein Zwischenlager für radioaktiven Abfall entstehen. Wie die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung am Freitag (06.03.2020) bekannt gab, werden dort schwach- und mittelradioaktive Abfälle für den Transport in das Endlager Konrad nahe Salzgitter gelagert.

Vor allem Müll von Atomkraftwerken

Aus ganz Deutschland soll ab dem Jahr 2027 Atommüll nach Würgassen gebracht werden. Vor allem sollen dort radioaktive Abfälle zwischengelagert werden, die aus dem Betrieb und Rückbau von Atomkraftwerken stammen. Hochradioaktive Abfälle, beispielsweise abgebrannte Brennelemente, sollen in dem Zwischenlager nicht aufbewahrt werden.

Standort Würgassen mit Umweltministerium abgestimmt

In Würgassen möchte der Betreiber ein riesiges Gebäude aus Stahlbeton bauen. Es soll 325 Meter lang, 125 Meter breit und 16 Meter hoch sein. In Abstimmung mit dem Bundesumweltministerium sei die Wahl bewusst auf Würgassen gefallen, teilte Ewald Seeba, Vorsitzender der Gesellschaft für Zwischenlagerung, in einer schriftlichen Stellungnahme mit: "Am ehemaligen Atomkraftwerksstandort sind bereits zwei Zwischenlager in Betrieb. Die für ein solches Logistikzentrum nötige Infrastruktur ist daher vorhanden. Der Standort verfügt über die notwendigen freien Flächen und über den notwendigen Anschluss an das Schienennetz."

Das Zwischenlager kostet rund 450 Millionen Euro. Es entstehen 100 Arbeitsplätze.

Bürgermeister nicht zur Pressekonferenz eingeladen

Vor Ort sorgen die Pläne für Irritationen. Beverungens Bürgermeister erfuhr erst am Donnerstag (05.03.2020) über das Mammutprojekt. Zur Pressekonferenz am Freitag (06.03.2020) war Hubertus Grimm nicht eingeladen. In einer gemeinsamen Presseerklärung mit anderen Politikern heißt es dazu: "Uns ist bewusst, dass ein Vorhaben von der geplanten Dimension einen Vorlauf benötigt, der auch einer gewissen Geheimhaltung unterliegen muss. Dass aber die örtlichen politischen Repräsentanten praktisch zeitgleich mit der Öffentlichkeit informiert werden, hat uns irritiert."

"Kommunikationsdesater"

Auch der CDU-Abgeordnete Christian Haase spricht in der Presseerklärung von einem "Kommunikationsdesater": "Als Bundestagsabgeordneter hätte ich bei einer Planung des Bundes erwartet, dass ich über die Planungen, die meinen Wahlkreis betreffen, eher unterrichtet werde."

Auch die Grünen in Beverungen äußern Kritik. Sie hätten gehofft, dass es mit dem radioaktiven Müll dort bald ein Ende nehme. Jetzt werde es offenbar noch Jahre weiter gehen.

Bürgermeister Hubertus Grimm will die Menschen vor Ort über das Projekt aufzuklären: "Ich habe eine Bürgerversammlung in Würgassen eingefordert. Diese wird am 18. März um 18 Uhr in der Sporthalle stattfinden."

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