Abtreibung beworben: Frauenarzt aus Nottuln muss Strafe zahlen

Prozess: Hat Frauenarzt für Abtreibung geworben? Lokalzeit Münsterland 20.05.2021 02:27 Min. Verfügbar bis 20.05.2022 WDR Von Heike Zafar

Abtreibung beworben: Frauenarzt aus Nottuln muss Strafe zahlen

Von Heike Zafar

Ein Frauenarzt aus Nottuln muss wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche eine Geldstrafe zahlen. Dazu hat ihn das Amtsgericht Coesfeld am Donnerstag verurteilt.

3.000 Euro soll Frauenarzt Detlef Merchel jetzt zahlen. Seit vielen Jahren schon führt er Abtreibungen mit Medikamenten durch. Im Schnitt sind es jedes Jahr etwa 100 Schwangerschaftsabbrüche. Das ist nicht verboten.

Ein mittelalter Mann guckt nachdenklich.

Frauenarzt Merchel informierte im Netz über Abbrüche

Er hatte aber auf seiner Homepage im Internet über die Bedingungen für einen Abbruch informiert und dazu auch Adressen anderer Praxen gestellt. Nach Ansicht des Gerichts hat er damit gegen den Paragraphen 219a verstoßen.

Geldbuße oder sogar Freiheitsstrafe

Dieser Paragraph verbietet es Ärzten, über Schwangerschaftsabbrüche zu informieren, wenn sie sie selbst anbieten - dies also zu ihrem "Vermögensvorteil" geschieht. Bei Verstoß droht eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe.

Dass die Informationen auf seiner Homepage als Werbung gewertet werden, findet Detlef Merchel absurd: "Keiner macht einen Schwangerschaftsabbruch, weil da auf einmal ein tolles Angebot ist." Die Frau befinde sich in einer Notsituation.

Zwischenruf - Informieren verboten!

WDR 3 Resonanzen 20.01.2021 03:25 Min. Verfügbar bis 20.01.2022 WDR 3 Von Miriam Berger


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Merchel kennt den Mann nicht, der ihn angezeigt hat. Er vermutet, dass es ein Abtreibungsgegner ist. Aber er wusste um das Risiko, verklagt zu werden. Auch seine hessische Kollegin Kristina Hänel stand deswegen vor Gericht und wurde zu einer Geldbuße verurteilt. Sie zieht demnächst vor das Bundesverfassungsgericht.

Demonstration begleitet den Prozess

Frau spricht vor mehreren Menschen mit Bannern

Aktivistinnen demonstrieren vor dem Amtsgericht in Coesfeld

Unterstützung bekommt Merchel von den Frauen vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung in Münster. Rund 50 Frauen demonstrierten vor dem Amtsgericht in Coesfeld mit Plakaten und Transparenten. "Wir finden es total wichtig, dass es immer noch mutige Ärztinnen und Ärzte gibt, die weiterhin Schwangerschaftsabbrüche durchführen und sich nicht einschüchtern lassen von der Gesetzgebung und Geldstrafen", sagt Bündnissprecherin Eva Kubitz.

Viele Frauenärzte haben Angst

Eine Frau in einem roten Jacket arbeitet an einem Computer.

Angelika Dohr von Pro Familia will, dass §219a gestrichen wird

Tatsächlich haben viele Frauenärzte Angst vor Stigmatisierung und Diffamierung durch Abtreibungsgegner, sagt auch Frauenärztin Angelika Dohr von der Beratungsstelle Pro Familia in Münster. Die Folge: Viele Ärzte gäben auf oder es finde sich keine Nachfolge für sie. Aus ihrer Sicht muss der § 219a aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden.

Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch und durchblättert eine Akte.

Frauenarzt Detlef Merchel ist überzeugt von dem, was er tut

Der Nottulner Frauenarzt Detlef Merchel will möglicherweise in die nächste Instanz gehen. "Ich weiß, dass das, was ich tue, in Ordnung ist", sagt er.

Stand: 20.05.2021, 14:22