Misshandlung einer Prostituierten in Bielefeld: Angeklagte widersprechen einander

Polizeiaufgebot vor dem Landgericht Bielefeld

Misshandlung einer Prostituierten in Bielefeld: Angeklagte widersprechen einander

Vier Männer zwischen 21 und 22 Jahren sollen eine Bielefelderin bedroht, geschlagen und eingesperrt haben. Dass die Frau aus Angst und Verzweiflung aus einem Fenster im zweiten Stock gesprungen ist, dafür wollten die Angeklagten am Mittwoch vor Gericht keine Verantwortung übernehmen.

Es sollte der erste Verhandlungstag sein, an dem die Angeklagten aus Bielefeld aussagen. Sie hatten nach einem Rechtsgespräch Geständnisse angekündigt. Dafür wurden zwei von ihnen Jugendstrafen mit Bewährung versprochen. Doch was die ersten beiden Angeklagten sagten, klang beschönigend und nicht nach einem Geständnis.

Prostituierten-Lohn freiwillig gegeben

Gut verstanden hätten sie sich, sagte einer der Angeklagten. Er hätte die Bielefelderin über seinen Freund kennengelernt und zu dritt hätten sie viel Zeit miteinander verbracht. Für diese Zeit hätten sie Geld bekommen, mal 20 Euro, mal 50 Euro. Und dass die neue Freundin als Prostituierte arbeitete, sei ihnen erst später klar geworden. Alles sei freundlich gewesen, erst als ein gemeinsamer Bekannter dazu kam, sei es gewalttätig geworden.

Für Gericht war das kein Geständnis

Die Richter machten deutlich, dass das kein Geständnis sei. Daraufhin antworteten die Angeklagten, dass einer von ihnen der jungen Frau im Sommer 2019 vorgespielt habe, sie zu lieben. Rund 20.000 Euro hätten zwei der Angeklagten von ihr im Laufe der Monate bekommen. Als die Frau nicht mehr wollte, drohten sie ihr mit Anzeige beim Arbeitsamt und bei ihrer Arbeitsstelle.

Zwei Bekannte wollten auch verdienen

Dann hätten auch die beiden anderen Angeklagten mitverdienen wollen. Angeblich drängten sie ins "Geschäft". Doch das bestritten diese und meinten: Sie seien von den anderen beiden gelinkt worden. Ihnen sei das große Geld versprochen worden, doch das floss nicht. Schlimmer noch, die Frau wollte nicht mehr anschaffen gehen.

Gewalt sollte Prostituierte gefügig machen

Das sollte mit Gewalt verhindert werden, sagte einer von beiden. Sie überfielen die Frau in ihrer Wohnung, schlugen auf sie und ihren neuen Freund ein. Fuhren mit ihr stundenlang durch Bielefeld, sperrten sie in ihre Wohnung ein und drohten, sie "kaputtzuschlagen".

Dass sie am nächsten Tag, dem 13. März 2020, aus einem Wohnungsfenster im zweiten Stock springen würde, damit hätten sie doch nicht rechnen können. Wenn auch einer der Angeklagten sagte: "Ich habe Scheiße gebaut". Der Sprung führte zu lebensgefährlichen Verletzungen.

Stand: 26.05.2021, 16:54