AfD-Politiker Martin Schiller aus Münster erklärt seinen Austritt aus der Partei

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AfD-Politiker Martin Schiller aus Münster erklärt seinen Austritt aus der Partei

Der stellvertretende AfD-Landessprecher Martin Schiller aus Münster hat angekündigt, seine Parteiämter niederzulegen und aus der AfD auszutreten. Heftig kritisiert er die NRW-AfD.

Die Entscheidung steht offenbar im Zusammenhang mit dem Abschneiden Schillers bei der Aufstellung der Landesliste der NRW-AfD für die Bundestagswahl. Schiller hatte sich Hoffnungen auf einen vorderen Platz gemacht, aber er scheiterte. Auf der Aufstellungsversammlung in Siegen war die Mehrheit gegen Schiller.

Daraufhin veröffentlichte der AfD-Politiker am Wochenende eine Erklärung. Darin heißt es unter anderem, es gebe für ihn in der AfD keine Perspektive mehr. Der 54-jährige Schiller war zuletzt Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes in Münster und stellvertretender Sprecher der AfD-Landespartei.

Abrechnung mit eigener Partei

Rüdiger Lucassen, 18.01.2020

Schiller kritisiert AfD-Landessprecher Rüdiger Lucassen

In seiner Erklärung übt Schiller scharfe Kritik an der AfD und seinen Vertretern in NRW. Die Mehrzahl der Delegierten sei "fast nur noch mit völkischen Themen, Zuwanderungskritik und überzogenen Maximalforderungen abzuholen". Den NRW-Landessprecher Rüdiger Lucassen beschreibt Schiller als "unbeliebt" und dessen Führungsstil als "herrisch".

"Die tiefen Gräben innerhalb der Partei haben sich vertieft und die hoffnungslose Zerstrittenheit hat sich zudem verstärkt", schreibt Schiller. Sein Resümee: "Der Versuch, eine bürgerliche und konservative Kraft als Gegenangebot für eine immer weiter nach links/rot/grün driftende CDU zu etablieren, ist leider gescheitert." Stattdessen sieht er "eine weitere Verpöbelung" und "eine weitere Radikalisierung" der AfD.

Protest gegen Schiller in Münster

Jörg Meuthen und Martin Schiller im Festsaal des Rathauses.

Schiller holte mehrfach AfD-Prominenz nach Münster

In seiner Erklärung verliert Schiller kein Wort darüber, wie umstritten er in den eigenen Reihen und vor allem auch in der münsterischen Bevölkerung ist. Er fiel auf, weil er in seinen Redebeiträgen im Rat der Stadt immer wieder abfällig über Zuwanderer gesprochen hat, und sich auch gegenüber der Jüdischen Gemeinde beleidigend geäußert hatte.

Eine große Demo mit vielen Flaggen und Schildern auf dem Prinizpalmarkt Münster

Tausende Menschen protestierten gegen AfD-Veranstaltungen in Münster

Bei AfD-Veranstaltungen im Rathaus, zu denen Schiller immer wieder auch Prominenz aus der Bundespartei holte, demonstrierten regelmäßig tausende Menschen auf dem Prinzipalmarkt gegen die AfD.

Interne Querelen

Auch bei Wahlen hatte die AfD in Münster wenig Erfolg. Dafür sahen AfD-Mitglieder auch Martin Schiller in der Verantwortung. Es gibt Hinweise, dass Parteikollegen Schiller als Vorsitzenden des AfD-Kreisverbandes absetzen wollten. Dieser Demontage ist der 54-Jährige mit seiner Rücktrittserklärung vom Wochenende nun zuvor gekommen.

Allerdings bleibt Martin Schiller auch als Ex-AfD-Politiker der Öffentlichkeit in Münster erhalten. Er kündigte an, dass er sein Mandat im Rat der Stadt Münster behalten wolle, in diesem Fall als Parteiloser.

Die AfD und die Krise Westpol 16.05.2021 UT DGS Verfügbar bis 16.05.2022 WDR

Stand: 25.05.2021, 14:01