Weltspartag: Das Gespenst der Negativzinsen

Weltspartag: Das Gespenst der Negativzinsen

Von Wolfgang Landmesser

  • Für sehr hohe Guthaben teilweise schon Zinsen fällig 
  • Banken drehen an Gebührenschraube
  • "Normale" Kunden bis auf Weiteres verschont
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Es ist schon ein Widerspruch: Zum Weltspartag laden die Banken die Kinder ein, ihre Sparschweine zum Schalter zu bringen – so wie früher, als es noch richtig Zinsen auf die Sparbücher gab. Aber das Ersparte wirft nichts mehr ab. Gleichzeitig sind sogenannte Negativzinsen im Gespräch. Das bedeutet: Geld sparen könnte in Zukunft sogar etwas kosten.

Strategiepapier der Volks- und Raiffeisenbanken

Der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken hat ein Strategiepapier an seine Mitglieder geschickt, wie sie Kunden auf Niedrigzinsen einstimmen können; darüber berichtet das Handelsblatt.

Der Sparkassen- und Giroverband, Spitzenorganisation der rund 400 Sparkassen, bereitet eine Kommunikationshilfe für Bankberater vor – "damit sie den Kunden noch besser erklären können, warum das Marktumfeld für Banken so schwierig ist", sagt ein Sprecher des Sparkassenverbands. Eine Strategie zur Einführung von Negativzinsen werde den Mitgliedern aber nicht an die Hand gegeben.

Die Zinsräuber kommen - Negativzinsen bei den Volksbanken

WDR 5 Profit - aktuell 29.10.2019 04:37 Min. Verfügbar bis 28.10.2020 WDR 5

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Im Volksbanken-Papier sind Negativzinsen für alle Konten nur das letzte Mittel. Der Grund: Wenn eine Bank diesen Schritt gehe, würde das Image stark leiden; Kunden würden sich spätestens dann nach einer anderen Bank umschauen.

Durch die Bank höhere Gebühren

Weniger schmerzhaft ist das Drehen an der Gebührenschraube. Banken und Sparkassen praktizieren das zunehmend, sagt Horst Biallo, Gründer des gleichnamigen Internet-Vergleichsportals. Er habe den Eindruck, dass die Banken jetzt alles zusammenkratzten.

So hätten in diesem Jahr rund 500 Banken die Gebühren fürs Geldabheben erhöht – von 1.300 beobachteten Kreditinstituten. Auch Grundgebühren für Girokonten steigen tendenziell, für Überweisungen oder die Beratung am Telefon werden höhere Entgelte fällig.

Verkehrte Welt der Negativzinsen

WDR 5 Politikum - Gespräch 08.08.2019 05:29 Min. Verfügbar bis 07.08.2020 WDR 5

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Negativzinsen für Reiche

Gleichzeitig erheben immer mehr Banken Negativzinsen auf hohe Guthaben von Unternehmen oder reichen Privatleuten. Bei einigen Instituten greifen sie ab 100.000, bei anderen ab 500.000 oder einer Million Euro. Dann werden rund ein halbes Prozent Zinsen fällig. Ungefähr der Zinssatz, den Kreditinstitute zahlen müssen, wenn sie über Nacht Geld bei der Europäischen Zentralbank parken. 

Negativzinsen zunächst nur für Neuverträge

Kunden mit geringeren Guthaben müssen aber kaum fürchten, dass sie plötzlich Negativzinsen zahlen müssen. Laut einem Gerichtsurteil von Anfang des Jahres ist das rechtswidrig.

Dementsprechend zielt das Volksbanken-Papier vor allem auf Neukunden ab. Sie sollen von ihrem Bankberater darauf eingestimmt werden, dass Negativzinsen nicht ausgeschlossen sind. In den aktuellen Verträgen würde dann eine so genannte Niedrigzinsklausel stehen. 

Stand: 30.10.2019, 06:00

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5 Kommentare

  • 5 Ralf 30.10.2019, 17:00 Uhr

    Löhne runter, Mieten rauf und Zinsen weg, dazu noch grüne Belastungen; die Ergebnisse der etablierten Parteien könnten nicht schlechter sein. Mag sein, dass Geld sparen in Zukunft etwas kostet; in der Gegenwart kostet es schon Wählerstimmen.

    • Hans Georg 31.10.2019, 07:21 Uhr

      Was wäre Ihre Lösung? Die Stimme einer rechten Partei geben, die indirekt ein neues drittes Reich anstrebt? Wohl kaum. PS: Da ich 2016 ein Haus gekauft habe und zum teil finanzieren musste - so wie es wohl die meisten machen - konnte mir nichts besseres passieren als ein Niedrigzinsumfeld. Für die Rendite gibt es noch immer den Aktienmarkt.

    • Stefan Mike 31.10.2019, 08:25 Uhr

      Die Löhne in der BRD sind jedoch - sogar inflationsbereinigt - die letzten Jahre konstant gestiegen. Von "Löhne runter" ist statistisch nichts zu entnehmen.

  • 4 Axel 30.10.2019, 16:17 Uhr

    Ich bin richtig wütend - die nächsten Jahre muss ich meine Ölheizung ersetzen. Ich spare bereits Geld dafür und bekomme jetzt schon kaum Zinsen. Wenn ich dann noch etwas dafür bezahlen muss, nur um im Winter nicht frieren zu müssen, platzt mir nur noch der Kragen! Ich fordere unsere Regierung auf, und Bürger endlich zu entlasten und die Not nicht noch größer werden zu lassen! Danke auch.

  • 3 Hajo 30.10.2019, 15:07 Uhr

    Die Sparer flüchten in einer Zeit der Null- und Negativzinsen in Vermögensgüter – in Aktien und Immobilien. Letztere sind besonders von Regulierung betroffen. Das verkennen viele, die jetzt ihr Heil in Immobilienwerten suchen. Folgen der Politik der finanziellen Repression sind nicht nur die Negativzinsen, wie wir sie bei den Sparvermögen bereits kennen, sondern auch die regulierende Enteignung bei den Immobilien. Hier stehen wir wahrscheinlich erst am Anfang. In Deutschland wurde 1952 ein Lastenausgleichsgesetz verabschiedet, das über Jahrzehnte insbesondere Immobilienbesitzer mit Zwangshypotheken belastete, um Vermögen vom Bürger zum Staat umzuverteilen. Immobilien sind besonders für diese Umverteilung geeignet, weil diese Vermögen über die Grundbücher im Prinzip einfach zu erfassen und zu besteuern sind. Deshalb gibt es auch das Bestreben der politischen Linken, aus der Grundsteuer, die eine Realsteuer ist, eine Vermögensteuer zu machen.

  • 2 Frank 30.10.2019, 12:56 Uhr

    Auf der einen Seite wird uns eingebläut, dass wir privat fürs Alter vorsorgen sollen, auf der anderen Seite gibt es keine sichere Sparform mehr, bei der am Ende mehr raus kommt, als man eingezahlt hat. Im Gegenteil, durch die Inflation wird das Angesparte sogar weniger. Stattdessen sollen Deutsche mehr in Aktien investieren, eine unsichere Anlageform, die außerdem das Gefälle zwischen Arm und Reich verstärkt. Kein Wunder, dass viele ihr Geld lieber ausgeben, was zwar gut für die Wirtschaft, aber schädlich fürs Klima ist, oder in Immobilien investieren, was wiederum deren Preise und die Mietpreise in die Höhe treibt. Letztlich führt das alles nur dazu, dass die Reichen reicher und die Armen armer werden.

  • 1 Michael 30.10.2019, 12:17 Uhr

    Wie will man da noch den Kindern klarmachen, dass sie sparsam mit ihrem Geld umgehen sollen. Einer ganzen Generation wird so das Gefühl dafür genommen. Außerdem bezahlt doch fast jeder von uns schon Negativzinsen, oder wie soll man das nennen, wenn es null Zinsen aufs Guthaben gibt man aber gleichzeitig immer mehr Gebühren für dieses Konto bezahlen soll.

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