Welt-Klimakonferenz in Glasgow: Letzte Chance fürs Klima?

Ein Mann malt eine brennende Erde auf eine Wand.

Welt-Klimakonferenz in Glasgow: Letzte Chance fürs Klima?

Von Detlef Reepen

Die Stimmung ist gut vor dem Start der UN-Klimakonferenz am Sonntag - wegen neuer Versprechen zu Klimaneutralität. Aber die existentielle Frage ist noch offen: Wie wollen Staaten ihre Emissionen bis 2030 radikal senken?

Fernziele gut, Umsetzung fehlt

Es haben so viele Staaten das Fernziel „klimaneutral 2050“ beschlossen, dass davon Dreiviertel aller Treibhausgasemissionen erfasst sind. Aber es fehlen die notwendigen Klimaschutzmaßnahmen auf dem Weg dorthin. Kein einziges Land genügt bei den eingereichten nationalen Klimaschutzplänen bis 2030 dem Ziel, die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad zu halten.

Streitpunkt §6 Parisabkommen

Größter Streitpunkt bei den eigentlichen Vertragsverhandlungen in Glasgow ist der Paragraph über Kooperationsabkommen. Beispiel Deutschland finanziert CO2-Einsparung in Kenia: wer darf sich die Treibhausgasreduktion anrechnen? Es soll und muss verhindert werden, dass es Doppelbuchungen gibt. Sie würden effektiven Klimaschutz bis 2030 behindern und Vertrauen unter den Staaten zerstören.

Streitpunkt Nationale Klimaschutzpläne NDCs

Alle angekündigten Maßnahmen aus mehr als 100 nachgebesserten NDCs würden für 2030 noch doppelt so hohe globale Emissionen bedeuten wie zum Erreichen des 1,5 Grad-Ziels zulässig wären. Eigentlich ist erst 2025 eine Überprüfung und Nachschärfung geplant. Die Glasgow-COP26 soll das Problem anpacken und den Termin vorziehen.

Hoffnung auf Staaten-Allianzen

Am Rande der Konferenz tagen zahlreiche Staaten-Koalitionen, die den internationalen Klimaschutz vorantreiben sollen. Ein Methan-Vertrag auf Initiative USA/EU könnte dieses extrem schädliche, aber auch kurzlebige Klimagas innerhalb kurzer Zeit reduzieren. Eine Antikohle-Ländergruppe will z.B. Deutschland bewegen, möglichst schnell aus der Nutzung dieses schlimmsten Klimakillers auszusteigen. Auch eine Anti-Erdöl-Erdgas-Allianz tritt in Glasgow auf und eine Staaten-Initiative will ein Verbot des Verbrennermotors bis 2035 erreichen. 

Können wir es schaffen?

Selbst Klimaschutz-Organisationen setzen ihre Hoffnungen auf die reale Welt: es tut sich in der Industrie, in der Finanzwelt, in den Städten und Gemeinden bereits so viel, dass die Staaten mitziehen werden. „Wer in 10 Jahren nicht klimafreundlich produziert ist weg vom Fenster“, diese Ansicht setzt sich unter den 25.000 Teilnehmern aus 192 Ländern immer mehr durch.

Stand: 30.10.2021, 06:00

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