Welt-Cannabistag: Kiffen am Kölner Dom

Ein Joint wird gedreht

Welt-Cannabistag: Kiffen am Kölner Dom

  • Welt-Cannabis-Tag am Freitag (20.04.2018)
  • Kiffen am Kölner Dom
  • Ärzte haben Berührungsängste
  • Interview mit dem Apotheker Holger Neye

Auf der Domplatte in Köln wird am Freitag (20.04.2018) zum Welt-Cannabis-Tag ordentlich gequalmt. 150 Joints werden dort zur Aktion "Smoke In" verschenkt, allerdings ohne THC - das ist die stärkste Wirksubstanz der Cannabis-Pflanze.

Die Aktion wird dabei sogar von Andreas Hupke, Innenstadtbürgermeister von Köln (Grüne), unterstützt. Dabei scheiden sich bei dem Thema Cannabis nach wie vor die Geister. Wir haben im Vorfeld mit dem Apotheker Holger Neye von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein gesprochen.

WDR: Cannabis gibt es seit über einem Jahr in Deutschland auf Rezept. Auch hier bei uns in NRW ist die Nachfrage gestiegen. Bei einigen Krankenkassen wird jedoch etwa jeder zweite Antrag abgelehnt. Woran liegt das? 

Holger Neye

Apotheker Holger Neye

Holger Neye: Es gibt verschiedene Gründe. Die Anträge für den Gebrauch von Cannabis werden durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen begutachtet. Dabei wird zum Beispiel darauf geachtet, ob andere Therapien vorher ausprobiert wurden.

Aber auch, ob es für die gewünschte Anwendung wissenschaftliche Belege gibt. Die vermeintlich häufige Ablehnung könnte daran liegen, dass diese Voraussetzungen aus Kassensicht einfach nicht erfüllt werden.

WDR: Cannabis gehört zu den ältesten Heilpflanzen der Welt, ist aber bei einigen Menschen mit Kiffen, Dealen und Straftaten verbunden. Wie steht es um den Ruf als Heilpflanze?

Neye: In Deutschland sind Besitz und Gebrauch von Cannabis tatsächlich sehr streng reguliert. Auch heilpflanzliche und medizinische Untersuchungen mit Cannabis unterliegen den Regularien des Betäubungsmittelgesetztes.

Für den Anbau und die Verwendung von Cannabis zu Forschungszwecken benötigt man in Deutschland eine Sondergenehmigung und muss besondere Auflagen erfüllen. 

Cannabis auf Rezept: Wie gut wirkt der Stoff?

WDR 5 Morgenecho - Interview | 08.03.2018 | 06:05 Min.

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WDR: Haben auch Ärzte Berührungsängste mit Cannabis?

Neye: Ärzte müssen sich daher genau überlegen, ob es für die Behandlung mit Cannabis Arzneimittel-Alternativen gibt, bei denen Wirkung und Nebenwirkung besser erforscht sind. Bei Cannabis und Cannabiszubereitungen ist das bis auf wenige Ausnahme eher nicht der Fall.  

Bei welchen Krankheiten kann Cannabis eingesetzt werden?

Neye: Zugelassene Cannabis-Präparate gibt es bisher für die Behandlung der Spastik bei Multipler Sklerose und zur Behandlung von Übelkeit bei der Chemotherapie.

Cannabis Pflanze

Cannabis: Kann unter anderem bei Multipler Sklerose helfen

Im Rahmen bisheriger Sonderzulassungen, die schon vor der Cannabis-Zulassung möglich waren, wurde Medizinal-Cannabis hauptsächlich bei Schmerzen, ADHS oder Depressionen eingesetzt. Das war dann der Fall, wenn zugelassene Arzneimittel nicht gewirkt haben.

Die Fragen stellte Andreas Sträter.

Cannabis-Demo in Köln

WDR 2 | 20.04.2018 | 00:41 Min.

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