Weihnachtsinterview: "VW wollte Lösung ohne Urteil"

Autos stauen sich in der Düsseldorfer Innenstadt

Weihnachtsinterview: "VW wollte Lösung ohne Urteil"

In einigen NRW-Städten drohen 2019 Diesel-Fahrverbote. Wegen "Schummel-Software" klagen viele Autofahrer gegen VW. Einige haben inzwischen einen Vergleich geschlossen.

Viele Autofahrer in NRW sind sauer über den Abgas-Skandal. Betroffene VW-Fahrer wollen ihr Diesel-Auto zurückgeben und klagen deshalb gegen den Konzern. Mitte Juni berichtete die WDR-Servicezeit über klagende VW-Kunden und den Leverkusener Anwalt Guido Lenné, der zahlreiche Betroffene vertritt.

WDR: Eine ihrer Mandantinnen hat gegen VW geklagt. Was ist seit unserem WDR-Bericht passiert?

Guido Lenné: Richtig. Diese Mandantin fuhr einen VW. Und es stellte sich heraus, dass auch in diesem Auto eine "Schummel-Software" eingebaut wurde. Also die Abgaswerte in der Überprüfung - zum Beispiel beim TÜV - waren deutlich niedriger als auf der Straße.

Das hat sie sehr geärgert. Deshalb wollte sie von VW den vollen Kaufpreis erstattet bekommen. Zu einem Urteil ist es aber nicht gekommen.  

Unsere Weihnachtsinterviews

Ein Notfallseelsorger, eine Familie in Wohnungsnot, Betroffene von Straßenbau-Beiträgen und Diesel-Skandal: An den Weihnachtstagen befragen wir Menschen, über die der WDR in den vergangenen Monaten bereits berichtet hat. Menschen, die uns bei bewegenden oder wichtigen Themen des Jahres von ihren Erfahrungen und Meinungen erzählt haben. Was hat sich seitdem verändert? Wie geht es ihnen heute? Wie schauen sie aufs neue Jahr?

WDR: Was ist passiert?

Leverkusener Rechtsanwalt Guido Lenné

Leverkusener Anwalt Guido Lenné

Lenné: Während des Prozesses wurde uns ein Vergleich von VW angeboten. Das passiert bei Großkonzernen sehr oft. Es gab Kontakt zu den VW-Anwälte und am Ende stand ein Kompromissangebot. VW wollte also eine Lösung ohne Urteil. Ohne, dass der Richter das mitbekommt. Und wir haben uns drauf eingelassen.

WDR: Ihre Mandantin darf also jetzt nicht mehr öffentlich über die "Schummel-Software" sprechen?

Lenné: Richtig. Für den Vergleich hat sie eine Verschwiegenheitsverpflichtungserklärung unterschrieben. Das heißt, Geld gegen Schweigen.

WDR: Und was hat VW Ihnen dafür angeboten?

Lenné: Meine Mandantin konnte ihr Fahrzeug zurückgeben, und sie bekam den Kaufpreis teilweise zurück.

Diesel-Skandal: Wie verunsichert sind die Autofahrer in NRW?

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 08.11.2018 03:42 Min. Verfügbar bis 07.11.2019 WDR 5

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WDR: War der Kompromiss für Ihre Mandantin besser als ein Urteil?

Lenné: Ja, es hat sich schon gelohnt. Ein Kompromiss hat mehrere Vorteile. Sicherheit, Planbarkeit und Schnelligkeit. Das sind die Vorteile eines Kompromisses. 

WDR: Ende des Jahres endet die Frist für die VW-Musterklage. Für wen lohnt sich diese Klage?

Lenné: Autofahrer sollten sich anschließen, wenn sie sich keinen eigenen Prozess leisten können. Es könnte allerdings sein, dass dieses Urteil nicht sofort klärt, welchem Kläger was genau zusteht. Womöglich muss danach jeder Kläger seinen Anspruch nochmal allein verhandeln. Und da spielt VW natürlich auf Zeit.

Je länger das gesamte Verfahren dauert, desto mehr Kilometer fahren die Kläger noch mit ihrem VW. Und desto weniger ist das Auto am Ende noch wert. Trotzdem würde ich sagen: besser eine Musterklage als gar keine Klage.

Das Interview führte Meriem Benslim.

Stand: 26.12.2018, 06:00

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