Händler in NRW über Weihnachtsgeschäft nicht froh

Ein Paar fährt in einem Einkaufszentrum auf einer Rolltreppe an Weihnachtdekoration vorbei

Händler in NRW über Weihnachtsgeschäft nicht froh

Von Jörn Haarmann

  • Weihnachtsgeschäft bleibt hinter Erwartungen zurück
  • "Black Friday" und "Cyber Monday" kosteten Kunden
  • Händler hoffen auf die Tage nach dem Fest

Das Weihnachtsgeschäft sei bisher "höchstens zufriedenstellend und sehr durchwachsen", heißt es vom Handelshauptverband in Düsseldorf. Er hatte im November einen Umsatz von 23 Milliarden Euro im Weihnachtsgeschäft für NRW prognostiziert, ein leichtes Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch inzwischen ist fraglich, ob die Händler dieses Ziel überhaupt erreichen.

Black Friday kostete Kaufkraft

Offenbar haben sich viele Händler mit Sonderaktionen wie dem "Black Friday" oder "Cyber Monday" ins eigene Fleisch geschnitten. "Die Kaufkraft fehlt uns jetzt", bedauert Hauptgeschäftsführer Thomas Schäfer vom Handelsverband Westfalen-Münsterland, der rund 1.000 Einzelhändler vertritt.

Bereits da, unmittelbar vor der Adventszeit, hätten sich viele Kunden mit "geplanten" Weihnachtsgeschenken eingedeckt, ist auch die Erfahrung, die der Handelsverband Aachen Düren Köln gemacht hat.

Speziell in Dortmund hätten die Kunden außerdem wegen der vielen Baustellen die Innenstadt gemieden. Dauerthema sei auch die Konkurrenz durch große Internet-Händler.

Zwischenbilanz beim Weihnachtsgeschäft Hier und heute 11.12.2019 05:13 Min. Verfügbar bis 11.12.2020 WDR

Textilien bleiben liegen

Ladenhüter sind im Weihnachtsgeschäft bisher Winterbekleidung und Schuhe. Danach habe es wegen des milden Wetters kaum Nachfrage gegeben. "Das spüren vor allem die großen Modehäuser in den Innenstädten", so der Handelsverband NRW. Viele Kunden warten offenbar auch den Schlussverkauf Ende Januar ab.

Weihnachts-Bestseller dagegen sind Fernseher, Smartphones, Tablets und tragbare Lautsprecher; darüber hinaus Schmuck, Parfum und Bücher. Auch der Lebensmittelhandel boomt.

Ein schöner Weihnachtsmarkt ist Gold wert

Und noch etwas beobachten alle Handelsverbände in NRW: Geschäfte in Städten mit besonders stimmungsvollen Weihnachtsmärkten machen vergleichsweise mehr Umsatz. Beispiel Aachen: "Der zieht immer mehr Gäste aus den Niederlanden und Belgien an, die dann in Aachen auch gleich einkaufen", sagt der Kölner Handels-Hauptgeschäftsführer Jörg Hamel.

In kleineren Städten wie Billerbeck, Brühl oder Monschau mache der Handel gute Geschäfte - auch, weil die idyllischen Weihnachtsmärkte zusätzliche Kunden anlockten.

Lieber im Laden kaufen statt online

In Südwestfalen finden offenbar wieder mehr Leute in die stationären Läden als früher. "Wir haben von ganz vielen Kunden gehört, dass sie inzwischen wieder lieber vor Ort einkaufen als im Internet, und dass dies auch mit dem Klimawandel zu tun habe", heißt es vom Arnsberger Handelsverband. "Offenbar wollen viele die Paketflut eindämmen", berichtet Sprecherin Karina Brühmann.

Endspurt in den Tagen nach Weihnachten

In Tagen nach Weihnachten, glauben die Händler, werden die Umsätze nochmal anziehen. "Viele werden Gutscheine und Geldgeschenke einlösen, das bringt noch mal einen Nachschlag. Für Dreiviertel der Händler in NRW ist diese Zwischenzeit besonders wichtig", heißt es aus der Düsseldorfer Handelszentrale.

Klar sei aber auch: Innerhalb weniger Tage sei finanziell nicht mehr aufzuholen, was in den davor liegenden vier Wochen entgangen sei. "Viele Händler können froh sein, wenn sie das Vorjahresniveau erreichen", bilanziert der Kölner Handels-Hauptgeschäftsführer Jörg Hamel ernüchtert.

Stand: 24.12.2019, 07:00

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