Straßenkarneval in NRW gestartet - während in Osteuropa Krieg ausbricht

Stand: 24.02.2022, 16:23 Uhr

Eine Weiberfastnacht, wie wir sie noch nie erlebt haben: In die Ukraine marschieren russische Truppen ein. Viele Karnevalisten sind da nicht in Feierlaune. Andere sagen: Jetzt erst recht.

Von Susanne Schnabel

"Alles hät sing Zick" lautet das Motto des diesjährigen Kölner Karnevals. Alles hat seine Zeit - und fröhliche Partys sind für viele gerade nicht angebracht. Der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker ist nicht zum Feiern zumute, sagte sie zu Beginn des Straßenkarnevals, "obwohl ich ja ein Karnevalsjeck bin." Ihr Herz sei heute in der Ukraine.

Zwar sei der an Weiberfastnacht gestartete Straßenkarneval nicht mehr abzusagen, für die anderen Karnevalstage stelle sich die Situation aber anders dar, so das Festkomitee Kölner Karneval. Die Verantwortlichen haben sich entschlossen, das geplante Rosenmontagsfest im Stadion abzusagen und stattdessen in der Innenstadt für Frieden zu demonstrieren. Bei der Demo sollen demnach auch die Persiflage-Wagen in Form einer Ausstellung auf verschiedenen Plätzen in Köln gezeigt werden. „

Wegen der Pandemie fällt die Session sowieso schon kleiner aus: Rathausstürme, Sitzungen und Umzüge wurden abgesagt. Auch die Höhner sind vom Virus betroffen: Sie haben alle Karnevalsauftritte abgesagt, weil zwei Musiker der Band am Donnerstag positiv getestet wurden.

Strenge Kontrollen und empfindliche Strafen in Brauchtumszonen

Manche Städte wie Bonn und Düsseldorf haben Brauchtumszonen eingerichtet, Köln und Leichlichen hingegen haben das gesamte Stadtgebiet zur Brauchtumszone erklärt, andere Städte wie Siegburg verzichten auf jegliches jeckes Treiben.

Wer Karneval feiern möchte, sollte sich auf der Homepage der jeweiligen Stadt oder dem örtlichen Karnevalsverein vorher informieren, was, wo erlaubt ist - und was nicht. Generell gilt: Draußen dürfen alle zweifach Geimpften oder Genesenen feiern, die geboostert wurden oder ein aktuelles negatives Testergebnis nachweisen können - also die 2G-plus-Regelung. Wer in Kneipen feiern möchte, braucht auch mit Booster-Impfung zusätzlich ein negatives aktuelles Testergebnis.

Polizei und Ordnungskräfte sorgen für sicheres Feiern | Bildquelle: Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

In Köln gilt: Wer gegen die 2G-plus-Regel verstößt, riskiert ein Bußgeld von mindestens 250 Euro. Gastronomen, die die Einhaltung der Regeln nicht kontrollieren, drohen 5.000 Euro Strafe. In Bonn werden Verstöße gegen die Maskenpflicht sowie gegen das Alkoholverbot in den Brauchtumszonen mit 50 Euro geahndet.

Sicherheit in den Karnevalshochburgen

Köln, Bonn, Aachen und Düsseldorf haben angekündigt, mit vielen Mitarbeitern von Ordnungsamt und Sicherheitsfirmen sowie einem großen Aufgebot von Polizei für Sicherheit zu sorgen.

"Kollegen mischen sich zudem in zivil unter die Feiernden. Wir rechnen damit, dass wieder viele Taschendiebe unterwegs sind", so ein Sprecher der Kölner Polizei. Er rät allen Jecken, nicht zu viel zu trinken, um nicht Opfer von Trickdieben zu werden und sich "einen Notgroschen aufzuheben", um wieder nach Hause zu kommen. Vorsicht sei auch vor K.o.-Tropfen geboten, gerade an Karneval seien Kriminelle unterwegs, die versuchen, ihre Opfer mit Drogen oder Medikamenten willenlos zu machen.

WDR ändert sein Programm

Angesichts der aktuellen Lage in der Ukraine ändert der WDR sein Programm: WDR 4 hat bereits am Morgen die Live-Strecke zum Straßenkarneval eingestellt und spielt keine Karnevalslieder. Das WDR Fernsehen verlängert die WDR aktuell-Ausgaben. WDR Fernsehen, Radio und WDR.de berichten fortlaufend über die aktuellen Entwicklungen.