Die Buchmesse - ohne ein einziges syrisches Buch!

معرض الكتاب بلا كتاب سوري!

Die Buchmesse - ohne ein einziges syrisches Buch!

Vor ein paar Tagen hatte ich das Privileg an der Frankfurter Buchmesse teilzunehmen, der größten der Welt, zusammen mit achtzehn Autoren und Schriftstellern, die an einer literarischen Anthologie in deutscher Sprache unter dem Titel "Weg sein, hier sein" beteiligt waren. Siebzehn von uns waren aus Syrien, dazu eine iranische Lyrikerin und ein jemenitischer Lyriker.

Wir stellten die Anthologie auf einer Pressekonferenz vor. Bei meinem Treffen mit dem Fernsehsender ZDF erzählte die syrische Lyrikerin Lina Atfeh, dass sie, als sie den syrischen Pavillon auf der Messe besuchte, nur den Koran dort fand, keine Lyrik, keine Romane, keine Literatur.

Meine Geduld war begrenzt, ich nahm meine Kamera und entschloss mich, einen Bildbericht über diese Geschichte zu erstellen. Wir kamen zu dem Pavillon und dort saß ein junger Mann in den Zwanzigern, schlafend auf einem Stuhl. Ich blickte mich um und sah, wie erwartet, lauter bunte Ausgaben des Korans, einen Koran in Leuchtfarben, einen rosafarbenen Koran, einen auf antik gemachten Koran. In einer Ecke stand das kleine Regal eines kleinen Verlags mit sieben alten Büchern, die vielleicht versehentlich dort hingestellt waren oder sich eingeschmuggelt hatten.

Zehn Verlage hatten sich für die Buchmesse beworben, die deutsche Botschaft erteilte nur Visa an drei der Verlage, die dann auf der Buchmesse vertreten waren. Die übrigen bekamen kein Visum, man befürchtete vielleicht, dass sie hier bleiben und Asyl im Traumland Deutschland beantragen würden. Als ich einen Vertreter eines der Verlage befragte, antwortete er einfach „Mein Geschäft ist der Koran“.

Das syrische Regime versucht ohne Unterlass das Bild des islamistischen Terrors durch das syrische Volk zu vermarkten, wobei es von den „fortschrittlichen“ Staaten und deren Medien unterstützt wird, insbesondere von den Ländern, die muslimische Flüchtlinge aufgenommen haben. Die Serie wird durch den Pavillon der Arabischen Republik Syrien vervollständigt, wo wir aus unserer Kultur, Literatur und Kunst nur zeigen, wie man bunte Koranexemplare herstellt. Wenn Vertreter der deutschen Medien diesen Pavillon besuchen, hört man von den Anwesenden die klare Botschaft: „die Lage in Syrien ist in Ordnung, unsere Region ist sicher, sie dürfen nicht alles glauben, was sie sehen!“

Ja, Aleppo, Edlib, Al-Maazamia, Daria, Yarmouk, Homs und Qadzia sind nicht ihre Region. Das sind Regionen, wo andere Wesen zu Hause sind, die keine Ähnlichkeit mit ihnen haben, weder mit ihnen noch mit ihrer Barbarei.

Gegenüber, im Pavillon eines großen deutschen Verlages, wird, umringt von deutschem Publikum, der Syrer Firas Alshater vorgestellt und sein Buch mit dem Titel „Ich komme auf Deutschland zu“. Dieses Buch schrieb er auf Deutsch, in der Sprache die er in relativ kurzer Zeit in Deutschland gelernt hatte. Das Buch ist eines der meistverkauften Bücher bei Amazon.

Es war eine traurige Angelegenheit. Die Syrer haben hier und dort Erfolg, in verschiedenen Sprachen, sie zeigen ihre Werke in anderen Kulturen, im Gegensatz zu dem, was wir im offiziellen Pavillon Syriens sehen, wo nichts von uns gezeigt wird.

Rami Alasheq