Sticheln und Rangeln: Analyse zum ersten TV-Triell von Scholz, Baerbock, Laschet

Das erste Triell mit Baerbock, Laschet und Scholz WDR Europaforum 20.05.2021 01:04:33 Std. Verfügbar bis 20.05.2022 WDR

Sticheln und Rangeln: Analyse zum ersten TV-Triell von Scholz, Baerbock, Laschet

Von Jörn Seidel

Beim WDR Europaforum kamen die drei Kanzlerkandidaten von Grünen, CDU/CSU und SPD zum ersten TV-Triell zusammen. Baerbock, Laschet und Scholz diskutierten mit so mancher Rangelei.

Es könnte ein Vorgeschmack auf die heiße Wahlkampfphase gewesen sein, den diese erste TV-Diskussion der drei Kanzlerkandidaten geboten hat. Und dieser verheißt noch reichlich Spannung vor der Bundestagswahl am 26. September. Annalena Baerbock (Grüne), Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) kamen am Donnerstag beim WDR Europaforum zu ihrem ersten TV-Triell - also einem erweiterten Duell - zusammen und diskutierten zwar ohne schroffe Attacken, aber voller Sticheleien und Rangeleien.

Mehr dazu, worum es inhaltlich ging und wie sich die drei Kanzlerkandidaten positioniert haben, gibt es hier:

Streit zwischen Laschet und Baerbock beim TV-Triell

WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni

WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni

Vor allem zwischen Laschet und Baerbock ging es teils heiß her, während Scholz auf Angriffe verzichtete, sich zu verteidigen wusste. Inhaltlich ging es um europäische und internationale Politik. WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni moderierte im ARD-Hauptstadtstudio. Neben ihr saßen Baerbock und Scholz, während Laschet aus Düsseldorf zugeschaltet war.

Und damit tat er sich ein wenig schwer. Denn Laschet gab sich zwar angriffslustig, aber es gelang ihm nicht immer, direkt zu kontern - zum Beispiel als Baerbock den Abzug von US-Atomwaffen aus Deutschland forderte und Laschet nur mit dem Kopf schüttelte.

Aber der CDU/CSU-Kanzlerkandidat legte nach, als es schon längst um das Thema Nord Stream 2 ging, der von Baerbock kritisierten Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland, die unter dem Vorwurf steht, dass sie die Sicherheit der Ukraine gefährden könne. Diese Themen "gehören eng zusammen", so Laschet, der den Bau der Pipeline verteidigte, denn mit den Atomwaffen des Nato-Partners biete man auch osteuropäischen Staaten Schutz.

Plötzlich regt sich auch Scholz auf

Die Spannungen in der Ukraine waren es dann auch, die so manche Spannungen unter den drei Kandidaten offen legten. Sogar der sonst eher ruhig auftretende Vizekanzler Scholz wirkte plötzlich aufgeregt. Baerbocks Angriff auf die Bundesregierung konterte er sachlich, aber entschieden: "Die Sicherheit der Ukraine in Zusammenhang mit der Gaspipeline zu gewährleisten, hört niemals auf."

Baerbock stichelt sprachlich

Zuvor gelang es Baerbock wie so oft bei diesem Triell, allein mit ihrer Sprache zu sticheln, die sich abhebt von der ihrer Mitbewerber. Es gehe schließlich um "Krieg und Frieden", "und darum bitte ich meine Herren, Kollegen, hier wirklich genau zu sein". Ein anderes Mal drang sie darauf, "Lippenbekenntnisse" zu vermeiden. Auch platzte es mal "also Tschuldigung" aus ihr heraus. Oder: "Irgendwas stimmt da nicht in dem System."

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Laschet lässt nicht locker

Laschet aber wollte sich trotz seiner physischen Abwesenheit offenbar nicht die Show stehlen lassen. Es könne doch nicht sein, dass sie als Kanzlerin vom international vereinbarten Ziel erhöhter Verteidigungsausgaben abrücken wolle, so ein Angriff auf Baerbock. Und was die Grünen-Kandidatin bei der Migrationspolitik nun anders machen wolle, habe er einfach "nicht verstanden".

Scholz vermeidet Sticheleien

Und Scholz? Sein Ziel war es im TV-Triell offenbar, mit Fachwissen und Regierungserfahrung zu punkten statt Streitereien zu entfachen. Auf Baerbock reagierte er nur verteidigend, mit Laschet gab es überhaupt keinen Streit. Manchmal erkämpfte aber auch Scholz sich energisch das Rederecht - zum Beispiel, als er das Klimaschutzgesetz als SPD-Errungenschaft bezeichnete. Warum diese Zurückhaltung? Will er es sich mit Blick auf mögliche Koalitionen mit niemandem verscherzen?

Und was bedeuten die Gefechte zwischen Baerbock und Laschet für eine mögliche schwarz-grüne oder grün-schwarze Koalition? Beim Triell blieben in dieser Hinsicht noch viele Fragen offen. Der Wahlkampf allerdings hat plötzlich an Fahrt aufgenommen.

Stand: 20.05.2021, 19:35

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen