Umgesattelt: Über Umwege doch noch in die Lehre

Umgesattelt: Über Umwege doch noch in die Lehre

Von Olaf Biernat

In Corona-Zeiten haben Jugendliche weniger Interesse an einer Ausbildung und studieren lieber. So wie Tobias Greiss aus Langenfeld. Doch dann sattelte er auf eine Lehre um - und ist rundum zufrieden.

Tobias Greiss aus Langenfeld hat sein Abitur in der Tasche, sogar eins mit einem physikalisch-technischen Schwerpunkt. Nach dem Schulabschluss tut der groß gewachsene Niederrheiner, was viele junge Leute gerade machen: Er entscheidet sich gegen die Lehre und für ein Studium der Fahrzeugtechnik.

Das Studium war nicht sein Ding

Doch das Studium ist schwerer als gedacht. "Im Grundstudium gibt es gar keine Praxis, das hat mich sehr gewundert", sagt der eher ruhig wirkende 22-Jährige. Doch dann wird Tobias Greiss immer unzufriedener und beschließt, etwas Handwerkliches zu machen. Auf eigene Faust schickt er Bewerbungen für eine Lehrstelle los, bekommt aber nur Absagen. Schließlich besucht er eine virtuelle Ausbildungsmesse.

Tobias Greiss bei der Ausbildung

Später will er Meister werden

Über die Handwerkskammer kommt der Kontakt zu einem Motorradhändler in Hilden zustande. Im September 2020, mitten im ersten Corona-Jahr, gibt die Firma dem damals 21-jährigen die Chance zur Ausbildung zum Zweiradmechatroniker.

Selbständig am Motorrad schrauben

Und heute? "Das war genau die richtige Entscheidung. Ich bin so glücklich wie noch nie vorher", sagt Tobias Greiss. Mittlerweile darf er eigenständig am Motorrad schrauben, Inspektionen und kleinere Reparaturen machen. "Ich merke, wie ich Verantwortung übernehme, nicht nur beruflich, auch so im Umgang mit Menschen."

Überhaupt sind Motorräder Tobias' großes Hobby, vor seiner Ausbildung hatte er sich eine alte Yamaha gekauft. Als die nicht lief, hat er einfach mal auf eigene Faust daran geschraubt und sie wieder zum Laufen bekommen. Auch seine Freundin hat ein Motorrad, gemeinsam sind sie an den Wochenenden zu Touren unterwegs - normalerweise auch gerne zu Konzerten von Metal oder Punk-Bands. Doch wegen Corona geht das gerade ja nicht.

Auch die Chefin ist zufrieden

Auch seine Chefin Heike Thams ist froh, einen Azubi gefunden zu haben. "Wir haben im letzten Jahr gar keine andere Bewerbung auf dem Tisch gehabt", sagt die Hildenerin. Und mit Tobias Greiss passt offenbar alles zusammen. "Man muss ihm nicht alles vorarbeiten, wenn gerade mal Leerlauf ist, sucht er sich eigenständig Arbeit."

Dramatische Situation auf dem Ausbildungsmarkt

Das Beispiel von Tobias Greiss spiegelt die aktuelle Situation in der Corona-Zeit wider. Die Zahl der Bewerber ist um mehr als 17 Prozent regelrecht eingebrochen. Offenbar glauben viele Jugendliche, dass es aufgrund der Pandemie keine Ausbildungsplätze gibt.

Dabei suchen viele Unternehmen händeringend Nachwuchs, vor allem in der Gastronomie, bei Bäckern, Fleischern oder Berufskraftfahrern. Azubi Tobias Greiss kann die Entscheidung für eine Lehre nur unterstützen. Der 22-jährige plant bereits seine nächsten Schritte: Nach der Ausbildung will er seinen Meister machen.

Stand: 21.06.2021, 19:59

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