Ruhr-Kanu-Tour - Bild 1 - Panorama Ruhr Essen Horst

Immer mit der Ruhr - ein Reisebericht

Stand: 27.07.2022, 12:56 Uhr

Unser Reporter hat sich drei Tage lang ins Kanu gesetzt. Sein Ziel: Den Fluss erforschen, der dem Ruhrgebiet seinen Namen gibt. An der Ruhr im Sommer gibt es eine Menge zu entdecken.

Von Daniel Chur

Man hat das Gefühl, in eine Ansichtskarte einzusteigen, wenn man in Bochum-Stiepel, wenige hundert Meter hinter dem Kemnader See, seine Tour auf dem Kanu beginnt. So verträumt ist das Ensemble: Friedlich zieht sich die Ruhr durchs Tal, Fischreiher lassen von den Buhnen aus ihren Blick über das Wasser schweifen. Und über allem thront hoch über uns auf der anderen Ruhrseite der Turm der Burg Blankenstein in Hattingen.

Ruhr-Kanu-Tour - Bild 2 - Reporter Daniel Chur im Kanu

Vom Wasser aus erlebt man das Ruhrgebiet noch einmal ganz anders.

Meine Kanu-Tour durchs Ruhrgebiet macht allein schon wegen der Landschaft Spaß. Ob es der verträumte Ruhrbogen in Hattingen mit seinen vielen Wasservögeln ist. Oder die Abwechslung zwischen Grün und alter Industriekulisse mit hohen Schornsteinen in Essen-Horst. Wenn man auf dem Wasser unterwegs ist, hat man eine andere Perspektive. Und so wirkt zum Beispiel auch der Baldeneysee sehr viel größer, als vom Ufer aus.

Viele steigen ins Kanu

Aufs Wasser zieht es in den Ferien offenbar viele. Kanu-Verleihe haben Hochkonjunktur. Und immer mehr Kinder-Ferienfreizeiten verlagern sich offenbar auch auf die Ruhr. An einem Wehr treffe ich eine etwa 20-köpfige Kinder-Gruppe aus Duisburg. Viele sind noch sehr unerfahren im Boot. Die Betreuer haben viel zu tun.

„Heute Nacht zelten wir wahrscheinlich“, berichten mir Ilani und Indira aus der Gruppe. Jeden Tag stünde etwas anderes auf dem Programm. Heute paddeln auf der Ruhr. Anstrengend sei es, erzählen die Mädchen, aber auch schön.

Wassersport führt Menschen zusammen

Weitaus mehr in ihrem Element ist die zehnköpfige Truppe, die ich in Bochum-Dahlhausen treffe. Beim dort ansässigen Linden-Dahlhauser Kanu-Club fahren sie regelmäßig Drachenboot. Im Renntempo! Ich darf mitfahren – und bin schon nach der ersten Übung platt.

Die Truppe besteht ausschließlich aus der Belegschaft eines Bochumer Unternehmens. Regelmäßig trifft man sich hier unten an der Ruhr, um Drachenboot zu fahren. Ich lerne Željko kennen. Er kam vor ein paar Jahren aus Bosnien, fand einen Job in der Firma, die IT-Systeme für Autos entwickelt und kam so auch zum Wassersport.

Ruhr-Kanu-Tour - Bild 3 - Hobby-Sportler Željko

Željko aus Bochum hat hier Freunde gefunden.

„Das war hilfreich für mich, denn ich war zunächst alleine in Deutschland“, erzählt er, „meine Familie war in Bosnien und über die Firma und den Sport fand ich Kontakt. Das war fast wie eine Familie für mich.“ Seine Firma fördere durch solche Freizeitaktivitäten den Zusammenhalt. Željkos Beispiel zeigt: Offenbar mit Erfolg. Für Deutschland habe er so sehr schnell ein positives Gefühl entwickelt, sagt er mit breitem Lächeln.

Immer noch Thema: Die Flut

Dass Wassersport in dem Bochumer Verein wieder möglich ist, ist gar nicht mal selbstverständlich, denn das Hochwasser traf das Gelände letztes Jahr mit voller Wucht. Das komplette Erdgeschoss, in dem auch die Boote gelagert werden, war bis über die Decke geflutet, berichtet Vereinsgeschäftsführer Manfred Thon: „Das Wasser hatte die Boote an die Decke gedrückt. Vieles ist hier kaputtgegangen.“

Das letzte Jahr bestand aus viel Arbeit. Noch ist nicht alles repariert, aber der Sportbetrieb läuft. Viel zu reparieren hatten auch die Campingplätze: Beim „Ruhr-Camping“ in Essen-Horst berichten mir die Betreiber von einem arbeitsreichen Jahr. Von Flut-Schäden ist inzwischen nichts mehr zu sehen. Auch die umgebauten alten Bauwagen, in denen man campen kann, sind wieder in Betrieb.

Viel Leben auf den Campingplätzen

Über mangelnde Nachfrage können sich die Campingplätze offenbar nicht beklagen. Überall entlang der Ruhr ist es voll. Einige machen hier Urlaub. Andere, so berichtet mir Campingplatz-Betreiberin Simone Bauer, kombinieren Urlaub und Arbeit: "Die fahren dann tagsüber ins Büro, machen sich dann aber einen schönen Feierabend auf dem Campingplatz."

Ruhr-Kanu-Tour - Bild 4 - Luca, Max und ihr Kult-Wohnmobil

Luca und Max reparieren das Dach ihres Campers.

Auf einem Essener Campingplatz treffe ich Luca aus Minden und Max aus Köln. Die beiden Freunde hat es mit ihrem Wohnmobil ins Ruhrgebiet gespült, weil Lukas Freundin heute Abend ein Konzert in Gelsenkirchen besucht. "Sie hab ich nach dem Konzert im Hotel einquartiert, Max und ich pennen im Camper", sagt Luca, "Männerabend."

Beide sind erstaunt, was für tolle grüne Ecken das Ruhrgebiet hat und mögen sehr die Campingplatz-Idylle an der Ruhr. Ein starkes Kompliment für die Region, denn in ihrem vierzig Jahre alten Camper haben sie zuletzt über 3.000 Kilometer quer durch Europa gemacht und dabei viel gesehen.

Und so stellt sich nicht nur am Beispiel von Luca und Max das heraus, was ich auf meiner Tour immer wieder gemerkt habe: Es muss nicht immer in die Ferne gehen. Die Ruhr bietet Abenteuer, Geselligkeit, Entspannung - und für manchen sogar Urlaub.

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