WDR Europaforum 2021: Angela Merkel schaut auf Kanzlerschaft zurück

WDR Europaforum 2021: Angela Merkel schaut auf Kanzlerschaft zurück

Hat Corona die EU-Staaten zusammengeschweißt? Oder Europa weiter gespalten? Wie weit sollte sich die EU von den USA, Russland oder China unabhängig machen? Um diese Themen ging es beim 23. WDR Europaforum.

Die fast 16 Jahre, die Angela Merkel (CDU) schon deutsche Bundeskanzlerin ist, waren eine Zeit voller Krisen auf europäischer aber auch internationaler Ebene. Bei ihrem wohl letzten Auftritt als Kanzlerin beim WDR Europaforum betonte Merkel, wie wichtig es sei, dass "die EU eine Einheit sein muss, die auch mal einen Vertrag ändern kann, wenn das notwendig ist".

In der Corona-Krise sei deutlich geworden, dass manche Probleme nur auf europäischer Ebene gelöst werden könnten, meinte Merkel im Gespräch mit NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz und Tina Hassel, der Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios. Dabei verteidigte sie die aktuelle deutsche Unterstützung des Aufbaus eines EU-Aufbaufonds, dieser sei jetzt im Gegensatz zur Euro-Krise angebracht.

Wie zukunftstauglich ist Europa?

Die Pandemie sei ein Schock von außen gewesen. "Da war gemeinschaftliches Handeln angezeigt", so Merkel. "Deshalb unterstütze ich es, dass die EU Schulden aufgenommen hat."

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Auch beim diesjährigen WDR Europaforum geht es wieder darum, wie zukunftstauglich Europa ist. Eine Frage, die durch Corona um einiges komplizierter geworden ist. Denn die Pandemie hat das Potential, die Mitgliedstaaten zusammenzuschweißen - durch die Einsicht, eine solche Krise nur gemeinsam zu meistern. Sie könnte Europa aber auch spalten.

"Außenpolitisch ist die EU im Grunde ein Zwerg"

WDR 5 Morgenecho - Interview 20.05.2021 07:33 Min. Verfügbar bis 19.05.2022 WDR 5


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Von der Leyen: "Wir haben uns nicht spalten lassen"

Ursula von der Leyen spricht beim WDR Europaforum

Ursula von der Leyen spricht beim WDR Europaforum

Das ist nach Meinung der Präsidentin der Europäischen Kommission jedoch nicht passiert. "Wir haben uns nicht spalten lassen", sagte Ursula von der Leyen (CDU) bei ihrem Vortrag auf dem Europaforum. Grund dafür sei auch gewesen, dass alle Mitgliedsstaaten gleich hart getroffen wurden, keiner aber an der Krise Schuld gewesen sei. Trotzdem könne ganz Europa stolz auf den Zusammenhalt sein.

Jetzt sei es wichtig, das Impftempo hoch zu halten. "Noch sind wir aus dem Schlimmsten nicht raus", so von der Leyen. "Wir müssen vorsichtig sein und weiter mit aller Kraft nach vorne impfen." So könne man sich gemeinsam "sein altes Leben neu nach der Corona-Krise zurückholen".

Klimawandel ist "hautnah"

Dafür sei Europa sehr gut aufgestellt. 1,8 Milliarden Impfdosen habe sich die EU vertraglich von Biontech/Pfizer gesichert. Um aber auch in Europa "richtig sicher" zu sein, sei es aber wichtig, dass möglichst viele Menschen weltweit geimpft werden. Dafür wolle die EU unter anderem Afrika helfen, selbst Impfstoff zu produzieren.

Ein weiteres zentrales Thema, dem sich die EU widmen muss, ist laut von der Leyen der Kampf gegen den Klimawandel. Ihre erst kürzlich geborene Enkelin sei bis 2050 in einem Alter, in dem sie vielleicht überlege selbst Kinder zu bekommen, so von der Leyen. "Dann wird es plötzlich ganz hautnah, dass man spürt: Was werden wir diesen Kindern hinterlassen?"

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TV-Diskussion der Kanzlerkandidaten

Um dasThema Klimawandel ging es auch beim ersten Zusammentreffen der Kanzlerkandidaten von CDU/CSU, SPD und Grünen. Unter der Fragestellung "Weiter so? Alles ganz anders? Irgendwas dazwischen?" sollten die drei Kandidaten ihre europapolitischen Ideen vorstellen, die sie nach der Bundestagswahl Ende September verfolgen wollen - wenn sie Bundeskanzler oder -kanzlerin werden.

Das erste Triell mit Baerbock, Laschet und Scholz WDR Europaforum 20.05.2021 01:04:33 Std. Verfügbar bis 20.05.2022 WDR

Bundestags- und EU-Parlamentspräsidenten beantworten Fragen von jungen Europäern

Wolfgang Schäuble und David Sassoli

David Sassoli (l.) und Wolfgang Schäuble beim WDR Europaforum

Um den Zusammenhalt in der EU und die Beziehungen zu internationalen Partnern ging es dann in zwei weiteren Diskussionsrunden, bevor das Europaforum mit einem Gespräch mit Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und David Maria Sassoli, dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, endete. Darin versuchten die beiden Politiker Fragen von jungen Menschen zu deren Zukunft in der EU zu beantworten.

Unter anderem die, wie die EU und Deutschland es zulassen könnten, dass Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen in Lagern an der EU-Grenze lebten. Sassoli erklärte in diesem Zusammenhang, dass kein europäisches Land alleine jemals in er Lage sei, eine Antwort auf Migration zu haben. "Deshalb müssen wir die EU mit mehr Kompetenz ausstatten", so Sassoli. Nur so könnten globale Phänomene von Europa beantwortet werden.

Schäuble: "Wir müssen Menschen in Seenot retten!"

Auch Wolfgang Schäuble betonte: "Wir müssen Menschen, die in Seenot sind, retten! Sonst sind wir nicht Europa." Gleichzeitig könne man aber nicht alle Menschen auf der Welt, die in Not seien und gerne nach Europa kommen wollten, aufnehmen. Daher sei es wichtig, sich in anderen Ländern wie beispielsweise Afrika mehr zu engagieren.

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Es dürfe nicht die Botschaft entstehen, dass jeder, der in Not und Elend lebe, nach Europa kommen könne, so der Bundestagspräsident. "Sonst sind wir auch nicht mehr in der Lage, Hilfe zu leisten." Trotzdem hält Schäuble es für richtig, dass sich Deutschland und die anderen EU-Länder wieder mehr bei der Seenotrettung engagierten.

Stand: 20.05.2021, 17:04

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