Extreme Hitze - droht NRW eine Wasserknappheit?

Blick auf die Rurtalsperre in der Eifel

Extreme Hitze - droht NRW eine Wasserknappheit?

Von Oliver Scheel

Es ist der dritte zu trockene Sommer in Folge. Was machen wir, wenn unsere Wasserspeicher leerlaufen? Experten beruhigen: Vom "Krieg ums Wasser" sind wir in NRW weit entfernt.

Vertrocknete Böden, Hitze, kaum Niederschlag, sogar ein Freibad im Kreis Gütersloh wird wegen Wassermangels geschlossen - steuern wir auf einen Kampf ums Wasser zu? Experten geben Entwarnung: Es gebe in NRW keine Wasserknappheit. Engpässe hätten lediglich etwas mit den Versorgungsnetzen zu tun.

"Es wird nicht passieren, dass wir trockenfallen", sagt Marcus Seiler vom Wasserverband Eifel-Rur (WVER). "Es ist normal, dass im Sommer die Talsperren leerer werden. Aber über den Winter füllen die sich wieder auf." Die "Haupt-Erntezeit", wie Seiler sie nennt, "ist im Februar und im März".

"Die Speicher bekommen wir nicht leergezogen"

Das sieht auch Wilhelm Deitermann vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) so: "Man muss trennen zwischen der Trinkwasserversorgung und dem zur Verfügung stehenden Wasser. Die zur Verfügung stehenden Speicher bekommen wir nicht leergezogen. Die Engpässe haben immer etwas mit den Versorgungsnetzen zu tun", so der Experte. Wenn es ein Problem gebe, dann sei es das Liefern des Wassers.

So war es auch in der Gemeinde Lauenau in Niedersachsen, wo der lokale Speicher leergepumpt wurde, weil die Menschen ihre Pools füllten, den Garten bewässerten und häufig duschten. Diese kleinen, lokalen Speicher zu befüllen ist eine kommunale Aufgabe.

"Wenn ein Problem bei der Lieferung des Wassers auftaucht, müssen sich die Kommunen die Frage stellen, was muss ich ändern? Die Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, die Trinkwasserversorgung sicherzustellen", so Deitermann.

Lediglich lokale Speicher können leerlaufen

Ein paar vereinzelte Fichten stehen in einem Waldstück auf trockenem Boden

Trotz der Trockenheit ist die Versorgung mit Wasser sicher

"Das hat nichts damit zu tun, dass nicht genug Wasser da wäre", betont er. Wasser ist also immer genug da, nur in Spitzenzeiten des Wasserverbrauchs - eben während einer Hitzewelle - können lokale Speicher leer laufen, weil die Entnahme höher ist als der Zufluss.

Industrie nimmt Haushalten das Wasser nicht weg

Meist handele es sich bei der Wasserproblematik ja auch nur um etwa zwei Wochen im Jahr, wo es zu Engpässen kommen könne. Deitermann nimmt auch die Sorge, dass große Industriebetriebe Wasser abschöpfen, welches dann den Haushalten fehlen könnte. "Da wird schon geschaut, wie viel Wasser steht zur Verfügung? Dieser Prozess wird permanent überprüft. Dafür sind die Bezirksregierungen verantwortlich."

Wir sind also weit von einem "Krieg ums Wasser" entfernt. "Das ist eine müßige Diskussion", sagt Seiler vom WVER. Obwohl es in Düren eine wasserintensive Papierindustrie gibt, habe man keine Versorgungsprobleme. Maximal werde die Lieferung etwas gedrosselt. Talsperren seien mitunter auch über Stollen miteinander vernetzt. Selbst wenn eine leer laufe, sei das kein größeres Problem, so Seiler.

Wasserknappheit: "Echte Lösung nicht in Sicht"

WDR 5 Morgenecho - Interview 12.08.2020 05:01 Min. Verfügbar bis 12.08.2021 WDR 5

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Nichtsdestrotrotz leben wir in Zeiten einer schweren Dürre. "Es herrscht ein Feuchtigskeitsdefizit von mehreren 100 Litern pro Quadratmeter", erklärte WDR-Wissenschaftsjournalist Detlef Reepen am Mittwoch im WDR 5 Morgenecho. Wasser verschwenden sollten wir also nicht, aber aktuell ist genügend Wasser für Haushalte und Industrie da. Angesichts des Klimawandels ist ein langfristiges Umdenken erforderlich.

Stand: 12.08.2020, 11:41

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