Archivfoto: Andrij Melnyk (2019)

Ukrainischer Botschafter: Warum Melnyk immer wieder provoziert

Stand: 03.05.2022, 20:51 Uhr

Immer wieder sorgt der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, mit provozierenden Worten für Irritationen. Was steckt dahinter, was treibt ihn an?

Diplomatisches Geschick bei seiner Wortwahl? Seit Wochen Fehlanzeige beim ukrainischen Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk. Zumindest, wenn er über das politische Berlin redet. Dessen Engagement für die von Russland angegriffene Ukraine findet er "träge" - und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) beschimpft er unflätig als "beleidigte Leberwurst". Das finden viele dreist, respektlos und inakzeptabel.

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Doch wer ist der Mann, der lautstark seine Stimme erhebt und von der Bundesregierung mehr und schwerere Waffen für sein Land fordert? Und was treibt ihn an?

Schon seit Jahren Botschafter in Deutschland

Den Botschafterposten für die Ukraine in Deutschland bekleidet Andrij Melnyk, der Deutsch und Englisch fließend spricht, seit dem 19. Dezember 2014. Schon vor 2014 war der heute 46-jährige Jurist und Politiker hierzulande aktiv - nämlich zwischen 2007 und 2010 als Generalkonsul der Ukraine in Hamburg. Die breite Öffentlichkeit nahm in all den Jahren von Melnyk, wenn überhaupt, dann allenfalls am Rande Notiz. Das änderte sich schlagartig mit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine am 24. Februar 2022.

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Immer wieder Forderung nach Waffen

In Interviews, in Talkshows und via Twitter teilte er unermüdlich gegen die Bundesregierung, den Bundespräsidenten oder gegen den Bundestag aus. In scharfem Ton forderte er von Deutschland Waffen für die Verteidigung seines Landes. "Ich kann nicht verstehen: Wie kann man so kaltherzig und stur bleiben", hatte er sich am Tag des Kriegsbeginns über Deutschland geäußert.

Wenig später forderte er unaufhörlich nicht nur mehr und schwerere Waffen für sein Land, sondern auch ein Embargo für russisches Gas und eine von der Nato kontrollierte Flugverbotszone. In einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" verteidigte er unlängst sein Vorgehen so: "Als Botschafter muss ich die Interessen meines Landes vertreten - und verteidigen. Und wenn unsere Stimme nicht gehört oder ignoriert wird, dann muss ich eben lauter werden."

Melnyk: "Man muss das Mittel der Emotion oder Provokation nutzen"

Was ihn sonst noch antreibt? Der Syrien-Krieg, sagte Melnyk in dem gleichen Interview. An der Seite von Machthaber Assad sei es die russische Luftwaffe gewesen, die Städte wie Aleppo und Homs zerbombt habe. Für ihn sei es eine schlimme Erfahrung gewesen, dass "so großer Handlungsbedarf seitens der Weltgemeinschaft bestand und doch nicht gehandelt wurde", so Melnyk. Alle hätten auch um die Verantwortung von Russlands Machthaber Wladimir Putin gewusst und keiner habe auch nur den "kleinen Finger krumm gemacht“, um Russland dafür zu bestrafen.

Der Syrien-Krieg sei auch einer der Gründe, warum er heute so laut werde. Er agiere intuitiv, höre auf sein Herz. "Die Deutschen können ja logisch alles verstehen, was gerade passiert. Aber es gibt immer öfter Situationen, in denen man entweder das Mittel der Emotion oder Provokation nutzen muss. Anders geht es nicht in diesem schlimmsten Krieg in Europa seit 1945.

Zurechtweisung für Melnyk von Strack-Zimmermann

Womöglich ist dies auch eine Erklärung dafür, dass er Bundeskanzler Scholz - provokativ - eine "beleidigte Leberwurst" genannt hat. Scholz hatte am Montagabend im ZDF zu seinem vorläufigen Nein zu einer Reise in die ukrainische Hauptstadt Kiew Stellung bezogen und darauf verwiesen, dass Bundespräsident Steinmeier Mitte April ausgeladen worden sei.

Allerdings: Wer so wie Melnyk verbal austeilt, muss es sich auch gefallen lassen, in aller Öffentlichkeit zurechtgewiesen zu werden - und zwar parteiübergreifend. "Vielleicht, lieber Herr Melnyk, entschuldigt man sich einfach mal beim Präsidenten und lädt dann den Kanzler höflich ein, zu kommen", sagte etwa die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

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