Überfüllte Flughäfen: Einsatz türkischer Hilfskräfte geplant

Stand: 26.06.2022, 12:40 Uhr

Wegen des Personalmangels an deutschen Flughäfen will die Bundesregierung Hilfskräfte aus der Türkei beschäftigen. Mehrere Minister haben Details dazu bekanntgegeben.

Die Bundesregierung will die angespannte Personalsituation an deutschen Flughäfen lindern, indem sie ausländische Hilfskräfte befristet einstellt. Eine Ministerin und zwei Minister haben in der "Bild am Sonntag" jetzt Details zu den Plänen erklärt.

Vierstellige Zahl an Fachkräften aus der Türkei

Unter Berufung auf Regierungskreise schrieb die Zeitung, Ziel sei es, eine vierstellige Zahl an Fachkräften aus der Türkei zu holen, die bestenfalls schon ab Juli für einige Monate eingesetzt werden könnten.

Das deckt sich mit den Informationen aus türkischen Medien: Sie berichten seit Tagen über das Chaos an den deutschen Flughäfen und darüber, dass türkisches Flugpersonal aushelfen soll. Demnach würden 2.000 Hilfskräfte gesucht. Für ihren Einsatz sollen sie 6.000 Euro erhalten - vermutlich für die gesamte Saison.

Türkische Medien: A2-Deutschkenntnisse werden vorausgesetzt

Die Deutsche Welle schreibt, dass das Personal von einem Unternehmen aus Istanbul geschickt werden soll. Voraussetzungen zur Einstellung seien unter anderem Deutschkenntnisse auf A2-Niveau - das sind Grundkenntnisse etwa zu Alltagssituationen - und Fachwissen nach den vorgegebenen Standards der Internationalen Flug-Transport-Vereinigung (IATA).

Das deutsche Verkehrsministerium hatte in dieser Woche bereits angekündigt, dass vorübergehend Leiharbeiter aus der Türkei nach Deutschland geholt werden könnten, um sie bei der Gepäckabfertigung einzusetzen. In diesem Bereich fehlen viele Mitarbeiter, weil die Firmen sie in der Pandemie entlassen haben und jetzt kaum neue finden. Hinzu kommen immer wieder Ausfälle durch Corona, auch bei den Fluggesellschaften.

"Temporäre Lösung" für Probleme an Flughäfen

FDP Bundesverkehrsminister Volker Wissing

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP).

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) sprach in der "Bild am Sonntag" von einer mit Arbeitsminister Hubertus Heil und Innenministerin Nancy Faeser (beide SPD) abgestimmten Aktion, mit der man die Personalengpässe an deutschen Flughäfen "abstellen und eine temporäre Lösung präsentieren" wolle.

Arbeitskräfte sollen angemessene Arbeitsbedingungen haben

Arbeitsminister Heil betonte, es müsse angemessene Arbeitsbedingungen für die ausländischen Hilfskräfte geben. "Dabei wollen wir jede Form von Sozialdumping und Ausbeutung ausschließen. Die Arbeitgeber müssen Tariflohn zahlen und für die befristete Zeit anständige Unterkünfte bereitstellen", sagte er.

Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales, während einer Pressekonferenz.
"Dabei wollen wir jede Form von Sozialdumping und Ausbeutung ausschließen." Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zur "BamS"

Innenministerin Faeser ergänzte, dass die Arbeitskräfte bei der Gepäckabfertigung eingesetzt werden sollen, nicht aber bei den Sicherheitskontrollen: "Bei der Sicherheit gibt es keine Abstriche."

Nancy Faeser, aufgenommen im Rahmen der Pressekonferenz zur Vorstellung des Jahresberichts Fallzahlen politisch motivierter Kriminalitaet in der Bundespressekonferenz in Berlin.

Innenministerin Nancy Faeser (SPD).

Könnte die Bundespolizei nicht helfen?

Da es aber auch bei den Sicherheitskontrollen Engpässe gibt, wird auch über einen möglichen Einsatz der Bundespolizei diskutiert. Dazu sagte der Präsident der Behörde, Dieter Romann, der "BamS": "Der Bundestag hat entschieden, diese Dienstleistungen zu privatisieren. Über Veränderungen kann nur der Gesetzgeber entscheiden. Wenn die Bundespolizei diese Aufgaben übernehmen soll, bedarf es 10.000 neuer Stellen."

Kurz vor Beginn der Haupturlaubszeit hatte etwa die Lufthansa angekündigt, insgesamt knapp 3.000 Flüge an ihren Drehkreuzen Frankfurt und München zu streichen, weil sich vermehrt Besatzungen wegen Corona-Fällen krankmelden. Grund ist insbesondere fehlendes Personal nicht nur bei der Airline selbst, sondern auch bei den Flughäfen unter anderem bei der Sicherheitskontrolle.

Wissing weist Verantwortung für Chaos den Flughäfen und Airlines zu

Verkehrsminister Wissing wies die Verantwortung für die chaotischen Zustände an den Flughäfen den Unternehmen zu. "Für die Personalpolitik der Flughafengesellschaften und Airlines ist die Bundesregierung nicht zuständig und nicht verantwortlich", sagte er. In der Verantwortung des Bundesverkehrsministeriums lägen die Flugsicherung und die Koordination des Flugbetriebs. "Und da läuft alles reibungslos."

Aktuelle TV-Sendungen