Warmer Winter: In der Natur ist jetzt schon Frühling

Warmer Winter: In der Natur ist jetzt schon Frühling

Von Anke Kückelhaus

  • Natur erwacht viel früher aus Winterschlaf
  • Zu viele Mäuse auf den Feldern
  • Kraniche schon wieder zurück

Offiziell ist noch Winter, aber die Pollen fliegen schon. Die milden Temperaturen lassen die Natur nahezu explodieren. Tiere und Pflanzen kommen viel früher aus dem Winterschlaf. In Westfalen sitzen schon die ersten Störche auf den Masten.

Allergiker leiden viel früher als sonst

Erste Frühblüher wie Hasel und Erle sind schon aktiv und machen Allergikern zu schaffen. Aber auch Schneeglöckchen, Krokusse und Primeln zeigten schon Anfang des Monats erste Blüten, "teilweise mehr als vier Wochen zu früh," so der Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Frühes Blühen bringt Ernte in Gefahr

Kleines Apfelbäumchen voller geöffneter Apfelblüten.

Wenn Pflanzen früh blühen, können Jungtriebe absterben, wenn es im März oder April nochmals Frost geben sollte. Viele heimische Pflanzen treiben dann zwar nochmal aus, aber dann schwächer. Dadurch sind sie anfälliger für Befall durch Insekten und Pilze, erklärt der NABU. Bei Obstpflanzen könnten durch Frost die Blüten absterben und dadurch die Ernte geringer ausfallen.

Mehr Blattläuse, weniger Stechmücken

Kleine Insekten profitieren von den warmen Temperaturen. Vor allem Blatt- und Schildläuse. Die sterben nur ab, wenn es richtig kalt ist. Diesen Winter haben wahrscheinlich viele überlebt und könnten schon bald zur Plage im Garten werden. Stechmücken dagegen werden in warmen Wintern häufiger von Pilzen und Bakterien befallen. Ihre Chancen, den Winter zu überleben, sind deutlich kleiner.

Kraniche schon zurück

Zwei Kraniche laufen über ein Feld

"Singvögel wie Meise und Rotkehlchen verbrauchen in warmen Wintern weniger Energie, sind früher fit und man hört sie auch schon wieder singen", so der Ornithloge Christian Härting vom NABU. Zugvögel wie Kraniche kommen aus südlichen Gefilden schon wieder zurück. Auch Kiebitze sieht man schon seit einer Woche in Westfalen. Hier und am Niederrhein sind Weißstörche teils gar nicht weg gewesen. "Die sitzen jetzt schon auf den Masten und beginnen mit dem Nestbau", erzählt Härting.

Zweite Brut möglich

"Wer zuerst mit dem Nestbau anfängt, bekommt die besten Reviere", so Härting. Dabei besteht aber die Gefahr, dass bei Frost im Frühjahr die geschlüpften Jungtiere nicht überleben. Einige Vogelarten wie beispielsweise die Singvögel sind dann aber in der Lage, einfach neue Eier zu legen und diese auszubrüten, erklärt der Ornithologe.

Wetterkapriolen noch im Rahmen

Obwohl Januar und Februar laut Deutschem Wetterdienst ungefähr drei Grad wärmer waren als der über 40 Jahre gemessene Mittelwert, verhält sich die Natur noch im Rahmen, so Christian Härting. Sie wacht früher auf als sonst, aber "extreme Auswirkungen durch diesen Winter seien nicht zu erwarten."

Nagetiere sorgen für Ärger

Nur die Landwirte klagen schon über die Auswirkungen des warmen Winters. Besonders im Siegerland gibt es ungewöhnlich viele Mäuse, die durch den warmen Winter überall Nahrung gefunden haben und den Landwirten die Weideflächen wegfressen.

Stand: 18.02.2020, 19:40

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