Wald in der Klimakrise: Mehr Geld für neue Bäume?

Ein vom Borkenkäfer zerstörter Fichtenwald

Wald in der Klimakrise: Mehr Geld für neue Bäume?

Von Martin Teigeler

  • Debatte über kaputte Wälder und Klimakrise
  • Politiker fordern massive Wiederaufforstung
  • BUND-Experte spricht von "Fake News"

Angesichts der Lage der Wälder in der Klimakrise überbieten sich Politiker, Umweltexperten und Forstwirtschaft mit immer neuen Vorschlägen zur Rettung des Waldes. Fragen und Antworten zur aktuellen Debatte:

Wie beschädigt ist der Wald?

Der Zustand sei "schlicht katastrophal", sagt NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU). Durch Umwelteinflüsse breite sich der Borkenkäfer immer stärker aus. Die Plage sei historisch. Rund 27 Prozent der Landesfläche in NRW sind bewaldet. Stichprobenartige Untersuchungen haben ergeben, dass nur 22 Prozent der Bäume gesund sind - dies ergibt sich aus dem Waldzustandsbericht 2018.

Waldsterben 2.0 - Wie schlimm ist es wirklich?

WDR RheinBlick 26.07.2019 25:25 Min. Verfügbar bis 26.07.2020 WDR Online

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Fichten sterben nach Einschätzung von Experten momentan großflächig ab. Experten gehen davon aus, dass es bis zum Ende des Jahres im Raum Köln/Bonn sowie dem Münsterland keine Fichte ohne Borkenkäfer mehr geben wird.

Was macht die Politik?

Waldschäden im Königsforst

Waldschäden im Königsforst östlich von Köln

Fast täglich geht ein Politiker in den Wald, um vor Kameras zu verkünden, dass man etwas tun müsse. Für den 25. September hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) einen nationalen Waldgipfel angekündigt. Ihre Parteifreundin Heinen-Esser plant für den 11. November eine "Wald-Konferenz" in NRW.

Klöckner trifft sich am Donnerstag (29.08.2019) mit Verbänden, um angesichts massiver Schäden durch Dürre und Borkenkäfer in deutschen Wäldern über Nothilfen zu beraten. Für Aufforstungsmaßnahmen will Heinen-Esser allein in NRW 100 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren ausgeben.

Sind die vorgeschlagenen Schritte sinnvoll?

Massive Schäden werde man "nicht mit ein paar Hundert Millionen Euro repariert kriegen", sagt der Grünen-Umweltexperte im NRW-Landtag, Norwich Rüße. Er warnt davor, sich mit immer neuen Vorschlägen zur Wiederaufforstung zu überbieten. Nötig sei eine Naturverjüngung (darunter versteht man den natürlichen Aufwuchs jungen Waldes aus Bucheckern von vorhandenen Altbäumen).

Holger Sticht im Portrait: Mann mit kurzen dunklen Haaren und Augen steht in der Natur

Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND in NRW

Holger Sticht, Landeschef und Waldexperte des Umweltverbands Umwelt und Naturschutz">BUND, spricht angesichts der aktuellen Debatte sogar von "Fake News": "Wir haben keine Waldkrise, sondern eine Forstkrise." Politiker gingen einer Kampagne der Forstwirtschaft auf den Leim. Es gehe um Lobbyismus und den Kampf um Subventionen.

Die "Plantagen" der Forstwirtschaft seien gescheitert. Sticht: "Wenn ein Baum wegen der Trockenheit langsamer wächst, ist das holzwirtschaftlich blöd, aber ökologisch nicht relevant." Ein Waldgipfel ergebe nur Sinn, wenn man darüber diskutiere, wieder mehr ökologischen Wald und weniger "Baum-Plantagen" zuzulassen.

Zeitsprung: Waldsterben Lokalzeit OWL 27.08.2019 05:06 Min. Verfügbar bis 27.08.2020 WDR Von Bärbel Wegener

Stand: 29.08.2019, 13:07

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Horst. B. 30.08.2019, 12:53 Uhr

    Immer nur am Profit orientiert? Welche exotische Holzart verspricht - trotz halbherziger Klima-Politik- jetzt den höchsten Gewinn in kürzester Zeit? In solchen "Wäldern" singt kein Vogel mehr, blüht kein Kraut,wie Bärlauch, B Waldmeister, Buschwindröschen und Co. ökologisch so wertvoll wie ein Maisacker- ade deutscher Laub-Wald mit Rot-Buche, Stiel-Eiche, Hainbuche , Berg-Ahorn und Esche. Die Zukunft schweigt. I

  • 3 Waldmichel 29.08.2019, 20:26 Uhr

    Die Grünen und ihre Nachläufer machen es wie die Versicherungskonzerne, sie machen das Geschäft mit der Angst der Menschen und viele merken nicht einmal wie sie dabei nach allen Regeln der Kunst vera...t werden.

  • 2 Rheinländer 29.08.2019, 20:08 Uhr

    Die Waldbauern haben doch ähnlich wie die Landwirte Monokulturen für den schnellen Profit angelegt. Schon vor vier Jahrzehnten habe ich in der Schule gelernt, dass Monokultur schädlich ist. Nun wird wieder ein Versäumnis aus dem Steuersäckel geradegebogen oder zumindest versucht. Es ärgert mich phänomenal, dass man egal wo und egal wer immer ins offene Messer rennt und dann das Steuersäckel dafür geplündert wird. Naja, und Frau Klöckner ist ja hinreichend für ihre massive Hörigkeit aller Unternehmen bekannt, aber mal auf die Finger klopfen und hinterfragen? Nö, muss sie ja nicht aus eigener Tasche löhnen.

  • 1 Anonym 29.08.2019, 17:27 Uhr

    Planz-Aktion zum Tag der deutschen Einheit https://einheitsbuddeln.de/home

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