Waldgipfel: Fichten-Monokulturen sind passé

Sonnenstrahlen brechen durch Baumstämme

Waldgipfel: Fichten-Monokulturen sind passé

Am Mittwoch (25.09.2019) hat die Bundesregierung einen "Waldgipfel" ausgerichtet. Der Anlass: Der Wald ist durch zwei Dürrejahre massiv geschädigt - die Forstwirtschaft muss neue Wege einschlagen.

Unser Gesprächspartner ist Landschaftsökologe und Biodiversitäts-Experte Norbert Hölzel von der Universität Münster.

WDR: Haben Sie das so erwartet - dass der Klimawandel den Wald schon jetzt derart schädigt?

Norbert Hölzel

Landschaftsökologe Norbert Hölzel von der Uni Münster

Norbert Hölzel: Ich denke, es war für alle eine große Überraschung, dass es bereits jetzt solche deutlichen Signale gibt. Die Schäden sind besonders bei der Fichte gravierend - was damit zusammenhängt, dass sie gegenüber Trockenheit besonders sensibel ist. Aber auch Baumarten wie die Kiefer sind betroffen, die zum Teil auf großen Flächen, beispielsweise in der nördlichen Oberrheinebene, massive Schäden zeigt. Das hat man nicht so erwartet, da die Kiefer im Grunde sehr robust ist.

WDR: Die Sommer werden ja nun eher trocken bleiben. Was bedeutet das für die Wälder?

Hölzel: Das Problem wird sein, dass die heutigen Bestände in vielen Fällen weiterhin sehr stark geschädigt werden. Im Grunde müssen wir einen neuen Wald begründen, der sich an die neuen Bedingungen mit seinem Wurzelsystem anpasst.

WDR: Naturschutzverbände kritisieren, dass der Wald vor allem aus Fichten-Plantagen besteht. Ist das Teil des Problems?

"Es gibt nicht die Baumart, die die Lösung darstellt"

WDR 5 Morgenecho - Interview 25.09.2019 06:18 Min. Verfügbar bis 23.09.2020 WDR 5

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Hölzel: Das ist garantiert Teil des Problems. Ein naturnaher Wald mit verschiedenen Baumarten kann mit den trockenen Phasen viel besser umgehen. Mischwälder können auch nicht so leicht von Schädlingen befallen werden wie Monokulturen.

WDR: Haben wir denn in NRW überhaupt noch naturnahe Wälder?

Hölzel: Im Sauerland ist die Fichte tatsächlich sehr dominant. Das liegt auch daran, dass das Sauerland relativ niederschlagsreich ist. Das kommt der Fichte entgegen. In Teilen der Eifel, im Teutoburger Wald und auch im Weserbergland haben wir aber durchaus sehr viel Laubholz, also eher naturnahe Wälder. Auch im Münsterland gibt es mit den Eichen-Hainbuchenwäldern naturnahe Bestände.

WDR: Hat die Forstwirtschaft erkannt, dass man nun tatsächlich einen anderen Weg einschlagen muss?

Hölzel: Der Umbau des Waldes geht vonstatten. Das legen die Zahlen der Bundeswaldinventur nahe. Wir haben einen Rückgang der Fichte. Da ist man in weiten Teilen auf dem richtigen Weg. Aber wir haben noch immer sehr stark ausgeprägte Monokulturen. Die Fichte ist natürlich so etwas wie der Brotbaum der Forstwirtschaft - mit Laubholz, insbesondere der Buche, lässt sich derzeit deutlich weniger Gewinn machen als mit Nadelholz.

WDR: Wie sinnvoll sind Pläne, vermeintlich klimataugliche Bäume nun großflächig aus dem Ausland zu importieren?

Hölzel: Wir können durchaus auf die heimischen Baumarten vertrauen – nach allem, was wir heute wissen. Aus wirtschaftlichen Gründen können Arten wie die Douglasie, die ursprünglich aus Nordamerika stammt, auch interessant sein. Aber wenn man komplett auf solche Bäume setzen würde, wäre das ein zu großes Risiko. Denn auch solche Monokulturen wären stärker gefährdet, großflächig von Schädlingen befallen zu werden.

Das Gespräch führte Nina Giaramita.

Stand: 25.09.2019, 09:16

Kommentare zum Thema

2 Kommentare

  • 2 Onkel Willi aus Köln 25.09.2019, 13:14 Uhr

    Ok, man soll ja nicht im Nachhinein auf Förster und Waldbesitzer eindreschen, aber geschlaofen ham's scho oder? Und dann noch Subventionen dafür bekommen, ist schon stark. Ich empfehle, auch wenn es schon spät ist, das Buch "Change" von G. Maxton zu lesen. Da sind die Antworten. Ebenso die Landwirte, wer heute noch den Boden mit Gülle verseucht und Massentierhaltung betreibt, hat nichts, aber auch nicht begriffen. Vielleicht dann, wenn man sie als Verursacher der kaputten Böden bezichtigt, (besonders in Norddeutschland) und zum Schadenersatz auffordert, einschl. Rückzahlungen der Subventionen ... werden sie wach ??? "heppt wie aal immer so moakt" zählt nicht mehr.

  • 1 linux 25.09.2019, 10:08 Uhr

    Ach ja der Fichtenwald hatten wir vor ca.30 Jahren auch schon mal, den dürften wir nach den damaligen Prognosen überhaupt nicht mehr haben, da wahr es der saure Regen, aber Klimawandel Passt immer ist es zu Trocken, regnet es zu viel, schade das man Erdbeben noch nicht dem Klimawandel zuordnen kann.

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