"Unsere Wälder sind krank": Wie ist der Wald noch zu retten?

Gesunder Mischwald, zuwachsende Lichtung

"Unsere Wälder sind krank": Wie ist der Wald noch zu retten?

Von Jörn Seidel

Der Zustand der deutschen Wälder ist dramatisch schlecht. Dabei gibt es viele Lösungsmöglichkeiten. Manche werden offenbar noch nicht konsequent genug verfolgt.

Waldbesetzer in Aachen und Halle kämpfen in diesen Tagen gegen die Rodung von Bäumen. Ihre Gegner sind ein Immobilieninvestor und ein Süßwarenhersteller. Einer der größten Feinde des Waldes bleibt aber der Klimawandel. Was lässt sich ihm entgegnen? Wie lassen sich die Wälder in Deutschland und NRW noch retten?

Ministerin Klöckner: "Unsere Wälder sind krank"

"Unsere Wälder sind krank", urteilte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch, als sie den Waldzustandsbericht 2020 vorlegte. Dessen Fazit: Den Bäumen in Deutschland ist es so schlecht ergangen wie noch nie seit Beginn der Erhebungen in den Achtzigerjahren.

Demnach haben Sturmschäden, Dürre und Schädlinge - allen voran der Borkenkäfer - dem Wald schwer zugesetzt. Die Sterberate der Bäume hat deutlich zugenommen. In Deutschland müsste laut Klöckner eine riesige Fläche wieder aufgeforstet werden. Sie ist größer als das Saarland.

In NRW sei nicht mal ein Viertel der Bäume ohne Schäden, berichtete Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) im Herbst. Als Ursache bezeichnete sie vor allem den Klimawandel.

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Lösungsmöglichkeiten zur Rettung der Wälder

Will man konkrete Lösungen zur Rettung der Wälder finden, sei es natürlich wichtig, Treibhausgase einzusparen, um den Klimawandel einzudämmen, sagt Anne Preger von der WDR-Wissenschaftsredaktion. Man könne aber noch einiges mehr tun - und manches werde schon getan.

So setzt die Landesregierung bei der Aufforstung in den Staatswäldern auf eine Mischung aus vier bis fünf heimischen Baumarten. Dadurch sollen die Wälder besser Trockenheit und Hitze vertragen können.

Auch Naturverjüngung spielt schon eine größere Rolle. Bedeutet: Man wartet, dass Baum-Samen keimen und schützt kleine Flächen mit Zäunen vor hungrigen Rehen, erklärt Preger.

Entwässerungsgräben zuschütten

Noch mehr tun könne man aber in Sachen Stress-Beseitigung für Bäume, meint sie. Konkret könne man Entwässerungsgräben zuschütten - so wie im Münsterland und im Kottenforst bei Bonn bei zwei von der EU geförderten Projekten. Das helfe zumindest in kurzen Trockenphasen.

Noch weitaus mehr Stress für Bäume lasse sich beseitigen, indem man "reaktiven Stickstoff" reduziere. Der kommt zum Teil aus Autoabgasen und viel aus der Landwirtschaft. Zwar ist Stickstoff für Bäume wichtig zum Wachsen. Aber dauerhaft zu viel, lasse sie weniger Wurzeln bilden, so Preger. "Das ist schlecht, wenn es trocken oder sehr stürmisch wird. Auch wachsen sie zum Teil stark in die Höhe und werden dadurch anfälliger für Frost und Hitze."

Stickstoff-Emissionen: Vorbild Niederlande?

Wie man Stickstoff-Emissionen verringern könne, zeige ein Blick in die Niederlande, so die Wissenschaftsjournalistin. Dort gibt es nicht nur das tagsüber geltende Tempolimit 100. Auch gebe es mittlerweile hohe Auflagen für den Bau neuer Tierställe und Prämien für Landwirte, die ihren Tierbestand verkleinern.

Stand: 25.02.2021, 18:10

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