Naturnahe Wälder: Verbündete im Kampf gegen Klimawandel

Im Schatten hoher Bäume wächst Bärlauch in einem Wald.

Naturnahe Wälder: Verbündete im Kampf gegen Klimawandel

  • Auswirkungen des Klimas lassen Waldbäume leiden
  • Deutliches Warnsignals für Naturschützer
  • Alte Bäume und viel Totholz

Die Entwicklung in den Wäldern sei besorgniserregend, warnt Heinz Kowalski, waldpolitischer Sprecher des Naturschutzbundes (Nabu). "Die Hitze macht derzeit den Klimawandel spürbar und die vielen durch Dürre und Borkenkäfer abgestorbenen und braun gewordenen Fichtenbestände machen ihn für viele Menschen sichtbar", beschreibt Kowalski die Situation. Die Trockenheitsprobleme bei den standortheimischen Laubbäumen seien sogar noch alarmierender.

Je wilder, desto wertvoller

Naturnahe Wälder und ihre Böden seien starke Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise. Denn: Bäume, die hundert und mehr Jahre alt werden, bieten die Chance, atmosphärischen Kohlenstoff längerfristig zu binden.

Wesentliche Merkmale naturnaher Wälder sind laut Nabu viele alte und dicke Laubbäume wie Buchen und Eichen, ein geschlossenes Blätterdach und große Mengen von lebendem und abgestorbenen Holz.

Wälder und Parks der Zukunft

Experten sind sich schon lange einig: Mischwälder sind gegen anhaltende Hitze besser gewappnet als Nadelwälder in Monokultur. Wie könnte der Wald der Zukunft also aussehen?

Weißtanne statt Fichte? Forstexperten des Arnsberger Waldforums fordern Mischwälder aus einheimischen und ausländischen Baumarten, die Stürmen und Trockenheit trotzen sollen. Hoch im Kurs steht zum Beispiel die Weißtanne. Sie liefert weißes Holz und ist gut von Sägewerken zu verarbeiten.

Im Frühjahr 2018 haben Forstwissenschaftler im Arnsberger Wald verschiedene Baumarten auf Versuchsfeldern angepflanzt, um zu sehen, wie sie mit dem heimischen Klima zurechtkommen. Darunter auch exotischere Arten wie Mammutbäume, die aus Nordamerika kommen - also einer trockenen Klimaregion.

Mit warmen Temperaturen und Trockenheit kommt die Edelkastanie - auch Esskastanie genannt - gut zurecht. Der Vorteil: Sie bietet neben Holz auch Früchte und wächst gut.

Als leistungsstarker Nadelbaum hat sich auch die Küstentanne aus Nordamerika bewährt. Das Holz ist leicht, hat wenig Harz und eignet sich gut zur Verarbeitung.

Nicht nur Waldbäume leiden unter dem Klimawandel, sondern auch Straßenbäume. Die Stadt Düsseldorf hat dazu eine Liste mit Zukunftsbäumen herausgegeben. So favorisieren die Experten zum Beispiel Amberbaum (Foto), Ginkgo, Gleditschie, Hainbuche, Hopfenbuche, Japanische Zelkove, Judasbaum, Zierapfel oder Zierkirsche.

Gerade die Bäume in der Stadt sind großem Stress ausgesetzt: hohe Temperaturschwankungen, Wassermangel oder reduzierter Sauerstoffgehalt der Bodenluft. Deshalb wird man sich auch in NRW-Innenstädten mit neuen Baumarten anfreunden müssen. Ein besonders hübsches Exemplar unter den Neulingen ist zum Beispiel widerstandsfähige Tulpenbaum.

Dabei sei es nicht allein damit getan, neue, vermeintlich klimaresiliente Bäume anzupflanzen. Der Naturschutzbund fordert die Bundesregierung auf, die selbst gesteckten Ziele zum Waldnaturschutz nicht aus den Augen zu verlieren und in öffentlichen Wäldern mehr unbewirtschaftete Flächen auszuweisen. 

Land verdoppelt Geld für Waldumbau 

Nach Angaben des Landesbetriebes Wald und Holz sind in NRW seit Anfang 2018 fünf Millionen Bäume durch Orkane und Trockenheit abgestorben. Öffentliche und private Waldbesitzer fordern deshalb, die Wälder aufzuforsten und zu Mischwäldern umzubauen. "Das geht aber nicht von heute auf morgen und schon gar nicht zum Nulltarif", erklärt Gerd Landsberg als Vertreter der kommunalen Waldbesitzer.

Zukunftsbäume für Düsseldorf 03:56 Min. Verfügbar bis 22.07.2020

Die Landesregierung reagiert nun auf diese Forderung und verdoppelt die in diesem Jahr für die Aufforstung vorgesehenen Gelder auf 10 Millionen Euro. "Aufforsten, mehr Bäume haben, ist das Ziel, das Gebot der Stunde", so NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

Stand: 28.07.2019, 13:58

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen