20.000 Hektar Wald müssen in NRW aufgeforstet werden

Waldarbeiter vom Landesbetrieb Wald und Forst NRW pflanzen Bäume im Eggegebirge

20.000 Hektar Wald müssen in NRW aufgeforstet werden

Von Claudia Wiggenbröker

  • 20.000 Hektar Wald müssen aufgeforstet werden
  • Wald muss klimafit gemacht werden
  • Digitale Daten sollen dabei helfen
  • Heimische Baumarten empfohlen

Dürre, Borkenkäfer, Rußrindenkrankheit, Waldbrandgefahr, Stürme - der Klimawandel hat enorme Auswirkungen auf NRWs Bäume. Daher müssen laut Landesbetrieb Wald und Holz NRW mindestens 20.000 Hektar Wald wieder aufgeforstet werden.

Das sind zwar "nur" etwas mehr als zwei Prozent des Waldes in NRW - dennoch haben die Schäden Bedeutung. "Die Situation ist sehr ernst", sagte Michael Blaschke von Wald und Holz NRW dem WDR am Freitag (26.04.2019). "Die Folgen des Jahres 2018 werden noch Jahrzehnte sichtbar bleiben."

Bis die Schäden wieder aufgeforstet sind, könne es Jahre dauern. Danach braucht es Jahrzehnte, bis der Wald "wieder so aussieht, wie wir ihn kennen", so Blaschke. Bei der Aufforstung ist es mittlerweile aber nicht damit getan, einfach neue Bäume zu pflanzen: Der Wald soll klimatfit gemacht werden.

Mischwälder anhand von digitalen Daten pflanzen

Das NRW-Umweltministerium rät Forstbetrieben dazu, die Baumarten standortgerecht zusammenzustellen. Dafür setzt es auf Digitalisierung : Forstbetriebe können über ein Internetportal auf Daten zu bestimmten Gebieten zugreifen, beispielsweise zur Bodenart oder zu Niederschlagsmengen.

Auch Prognosen zu Klimaveränderungen sind aufgeführt, ebenso wie das "Konkurrenzverhalten" bestimmter Baumarten untereinander. Mithilfe dieser Daten soll dann eine Mischung aus Bäumen passend für den jeweiligen Standort gefunden werden.

Die Forstbetriebe sollen dabei vor allem heimische Arten pflanzen, empfiehlt das Ministerium. Es könnten aber auch Baumarten aus anderen Teilen Deutschlands oder der Welt "beigemischt" werden. So sei beispielsweise die in Süddeutschland verbreitete Weißtanne eine "vielversprechende Baumart".

Übeltäter Borkenkäfer

Der Wald in NRW hat in den vergangenen Monaten viel mitmachen müssen: So machte beispielsweise den Ahornbäumen die Rußrindenkrankheit und den Fichten der Borkenkäfer zu schaffen.

Kampf gegen den Borkenkäfer

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 14.03.2019 04:06 Min. Verfügbar bis 12.03.2020 WDR 5 Von Corina Wegler-Pöttgen

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Nach dem Orkan Friederike konnte sich der Borkenkäfer massiv verbreiten. "Die Hauptaufgabe der Förster ist mittlerweile, dort hinterher zu arbeiten, wo der Borkenkäfer frisst", erklärte Michael Blaschke.

Besserung ist nicht in Sicht: Forstleute bereiten sich auf eine "Massenvermehrung der Borkenkäfer vor, die sich voraussichtlich in wenigen Wochen unvermindert fortsetzen wird", erklärt Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW. Fichtenwälder nehmen etwa ein Drittel der Waldfläche NRWs ein.

Die Belastungen hätten "zum schlechtesten Waldzustand seit Beginn der Untersuchungen 1984 geführt", wird im Waldzustandsbericht 2018 resümiert.

Klimahelden in NRW – was jeder tun kann Quarks 19.03.2019 45:04 Min. UT DGS Verfügbar bis 19.03.2024 WDR Von Katharina Adick, Reinhart Brüning, Kerstin Gründer, Daniel Haase, Sonja Kolonko, Falko Risi

Stand: 26.04.2019, 15:00

Kommentare zum Thema

3 Kommentare

  • 3 Dingo 27.04.2019, 19:18 Uhr

    Soso, ausgerechnet die Weißtanne ist also im Zuge des Klimawandels eine "vielversprechende Baumart" in NRW... Wer ist denn auf die Idee gekommen? Ach ja, und dann die Arten "aus anderen Teilen der Welt"... Damit ist vermutlich unteren anderem die Douglasie gemeint, die in manchen Teilen Deutschlands schon jetzt Probleme macht. Aber wenn das dann auch mit der Douglasie irgendwann aus dem Ruder läuft (man denke an die Späte Traubenkirsche!!!) - was soll's... Im Vergleich zur Douglasie ist die Fichte geradezu harmlos... Interessant auch, dass ausgerechnet die in NRW tatsächlich einheimische Wald-Kiefer derzeit anscheinend ziemlich unbeliebt ist - warum eigentlich? Zum Abschluss: Sind die derzeitigen Probleme mit den Wäldern nicht der beste Beleg, dass die bisherige Forstpolitik zumindest "nicht optimal"; war? Dazugelernt - siehe Tanne und Arten aus anderen Teilen der Welt - hat man offensichtlich nicht...

  • 2 Leser 26.04.2019, 18:11 Uhr

    Michael Blaschke von Wald und Holz NRW: „Danach braucht es Jahrzehnte, bis der Wald "wieder so aussieht, wie wir ihn kennen",“ ist doch ein Unsinn. Ich hoffe, dass endlich die hier nie passende Fichtenplantagen verschwinden, das ist ja nie ein richtiger Wald gewesen, sondern zum großen Teilen Monokulturen für die Holzindustrie. Interessant ist das, was Blaschke verschweigt: Der Staatsfort lässt viele Borkenkäferfichten einfach stehen, bis sie umfallen und ggf. Menschen in Gefahr bringen. Wenn ein bisher nicht befallener Privatwald in der Nähe ist, dann hat der Private halt Pech gehabt. Gute Nachbarschaft sieht anders aus…

    Antworten (1)
    • Hart aber fair 27.04.2019, 11:12 Uhr

      Auch stehende Fichten sind nach einer gewissen Zeit als Käferbiotop nicht mehr geeignet. Von diesen geht keine Infektionsgefahr mehr aus. Wenn aus wirtschaftlichen Gründen eine Entnahme keinen Sinn macht (Holzmarktsituation) sind die Prämissen des Waldbesitzes bindend. Wenn der Waldbesitz dies so möchte muss er natürlich mit den Problemen in puncto Arbeitssicherheit leben. Nachbarschaft bedeutet auch Respekt vor der waldbaulichen Entscheidung des Nachbarn, sofern alle rechtlichen Rahmenbedingungen erfüllt bzw. Waldschutzaspekte beachtet worden sind. Eine genaue vorherige Prüfung der Sachlage und Informationen ist daher vor der Abgabe von markigen Statements empfehlenswert.

  • 1 Waldmichel 26.04.2019, 17:05 Uhr

    Fast 40 Jahre hat die SPD in NRW die Landesregierungen gestellt ohne das für sie die Umwelt ein wichtiges Thema war. Auch die schlechten Waldschadenberichte der letzten Jahre waren für sie kein Anlass etwas Entscheidendes zu tun. Jetzt sind es wahrscheinlich wieder die Anderen die versagt haben. So etwas nennt man Heuchelei liebe Genossen.

    Antworten (1)
    • Hart aber fair 27.04.2019, 11:34 Uhr

      Nutzen Sie die aktuelle Situation des Waldes in NRW nicht zur politischen Stimmungsmache. Bleiben Sie sachlich. Der Schlüssel zum Erfolg bzw. der Ausweg liegt in der Praxis, nicht in den politischen Parolen. Es müssen im Klimawandel strukturierte Waldmischbestände erzeugt werden, die durch die Mischung von Laub- und Nadelhölzern bzw. Licht- und Schattbaumarten eine Höhenstrukturierung der Bestände möglich macht. Dadurch können die Wälder in NRW klimafest umgebaut werden. Das neue Waldbaukonzept NRW geht explizit auf diese Lösungsansätze für den Waldbesitz in NRW ein. Unter dem Portal "Waldinfo.NRW.de" ist es kostenlos abrufbar.

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