Kinderschützer wollen Ärzte besser vernetzen

Kinderschützer wollen Ärzte besser vernetzen

  • Gemeinsame Datenbank soll Misshandlungen früher erkennen helfen
  • CDU und FDP haben Verbesserung angekündigt
  • Bislang keine gesetzliche Umsetzung in NRW

"Wenn das so weitergeht, haben wir jede Woche drei getötete Kinder in Deutschland." Heinz Sprenger, ehemaliger Leiter der Duisburger Mordkommission und Vorstand des Kinderschutzvereins "Riskid", macht sich keine Illusionen: Der am Wochenende bekannt gewordene Fall des sechs Wochen alten Ben aus Mönchengladbach, der offenbar von seinem Vater misshandelt und erstickt wurde, wird nicht der letzte gewesen sein.

Die Zahlen bestätigen diese Prognose: Laut Bundeskriminalamt sind im vergangenen Jahr 133 Kinder in Deutschland durch Misshandlungen gestorben.

Ärzte sollen sich besser vernetzen

Um das in Zukunft zu verhindern, will "Riskid" den Austausch zwischen Kinder- und Jugendärzten verbessern. Das Prinzip: Wer bei einem Kind verdächtige Verletzungen feststellt, trägt diese in ein zentrales Datensystem ein. Wenn später ein anderer Arzt das Kind behandelt, kennt er so dessen medizinische Vorgeschichte.

So soll das "Doctor-Hopping" verhindert werden, bei dem Eltern ständig neue Ärzte aufsuchen, um Misshandlungen zu vertuschen.

Wann setzt Regierung Koalitionsvertrag um?

Bislang nutzen nach "Riskid"-Angaben knapp 300 Ärzte diese Datenbank. Allerdings bewegen sie sich in einer rechtlichen Grauzone. Denn eigentlich verstößt dieser Datenaustausch gegen die ärztliche Schweigepflicht.

Kinderschützer wie Sprenger appellieren seit Jahren an die Politik, die entsprechenden Gesetze zu ändern. Tatsächlich steht im Koalitionsvertrag, den CDU und FDP 2017 in NRW beschlossen haben: "Zur Verbesserung des Kinderschutzes werden wir den interkollegialen Ärzteaustausch zur Verhinderung von doctor-hopping und Gewalt gegen Kinder ermöglichen und den Ärztinnen und Ärzten Rechtssicherheit geben."

Entsprechendes Gesetz fehlt noch

Die konkrete Umsetzung lässt allerdings auf sich warten. Bislang ist noch kein entsprechendes Gesetz verabschiedet worden. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagt lediglich, dass man "prüfen" wolle, welche Hilfemöglichkeiten und Instrumente "sinnvoll und rechtlich möglich" seien.

Hilfsangebote für Kinder

Mit dem Kinder- und Jugendtelefon 116111 gibt es eine zentrale Anlaufstelle bei Problemen wie Missbrauch, Mobbing oder Stress mit Eltern und Freunden. Die kostenlose Hotline ist montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr anonym erreichbar.

Für Eltern gibt es ebenfalls eine telefonische Anlaufstelle. Sie können sich unter der 0800 1110550 kostenlos Hilfe suchen. Beide Angebote werden vom Bundesfamilienministerium unterstützt.

Im Fall von sexuellem Missbrauch ist das Hilfetelefon unter 0800 2255530 erreichbar.

Stand: 07.02.2018, 16:12

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