50 Jahre nach "Stern"-Aktion: Es gibt immer noch Mythen zur Abtreibung

Mythen zum Schwangerschaftsabbruch Frau tv 20.05.2021 08:10 Min. UT Verfügbar bis 20.05.2022 WDR Von Laura Mareen Janssen

50 Jahre nach "Stern"-Aktion: Es gibt immer noch Mythen zur Abtreibung

"Wir haben abgetrieben" bekannten 374 Frauen im "Stern" - und stießen eine breite Debatte an. Wo stehen wir heute? Mythen und Vorurteile halten sich hartnäckig und verunsichern Betroffene. Hier sechs Beispiele.

"Stern"-Titelseite "Wir haben abgetrieben" aus dem Jahr 1971

Am 6. Juni 1971 erklären im Magazin "stern" 374 Frauen, dass sie abgetrieben haben. Der Tag geht in die Geschichte ein, gilt als Initialzündung für die deutsche Frauenbewegung. Ein halbes Jahrhundert später kursieren trotzdem noch immer viele Mythen, Vorurteile und großes Halbwissen über Schwangerschaftsabbrüche.

Mythos 1: Wer ungewollt schwanger wird, war zu dumm zum Verhüten

Urteil zum Paragraf 218 - Frauen demonstrieren für Recht auf Abtreibung, Bild vom 28.05.1993

Frauen kämpfen seit Jahrzehnten für ihre Rechte

Keine Verhütungsmethode ist zu 100 Prozent sicher. Gesundheit und Lebensumstände von Frauen können Auswirkungen haben, zum Beispiel unregelmäßige Perioden, Menopause, Drogen, Krankheiten oder Stress. "Wir können Fehler machen in der Anwendung. Und ich glaube, das sollte auch jedem zugestanden werden", sagt Jana Maeffert, Gynäkologin aus Berlin und Beiratsmitglied im Verein "Doctors for Choice Germany".

Mythos 2: Man kann nach einer Abtreibung nicht mehr schwanger werden

Es sind keine negativen Auswirkungen auf eine spätere Fruchtbarkeit bekannt. Die Frau kann gleich nach dem Abbruch wieder schwanger werden. Der Mythos halte sich wegen früherer Methoden, wo mit scharfen Instrumenten gearbeitet wurde, sagt Jana Maeffert. "Da gab es Verletzungen. Das ist aber nicht mehr so", so die Gynäkologin.

Mythos 3: Verbote verhindern Abtreibungen

Verbote ändern wenig daran, dass Frauen in Konfliktsituationen abtreiben. Allerdings machen sie es dann laut WHO heimlich, illegal und unter schlechten gesundheitlichen Bedingungen. Laut aktueller Studien liegt die geschätzte Rate an Schwangerschaftsabbrüchen in Ländern mit überwiegend restriktiver Gesetzgebung sogar etwas höher als in Ländern, in denen der Abbruch legal ist.

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Mythos 4: Eine Abtreibung verursacht Brustkrebs

Studien dazu sind eindeutig: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsabbruch und erhöhtem Brustkrebsrisiko.

Mythos 5: Der Fötus empfindet Schmerzen

Föten reagieren zwar auf Reize, die Schmerz-Empfindung entwickelt sich allerdings erst in der späteren Schwangerschaft. Das für Schmerzempfinden zuständige Nervensystem eines Fötus sei erst ab der 26. Schwangerschaftswoche voll ausgebildet, sagt Stuart Derbyshire, der eine Studie zu dem Thema durchgeführt hat. "Erst dann entstehen Neuriten und die Hormonausschüttung funktioniert auch erst ab diesem Zeitpunkt", so der britische Psychologe.

Mythos 6: Abtreibungen verursachen psychische Schäden

Studien haben gezeigt, dass Frauen, welche schon eine Abtreibung hatten, nicht häufiger seelische Probleme haben, als Frauen, die eine ungewollte Schwangerschaft ausgetragen haben - auch nicht gegenüber der Gesamtheit aller Frauen. Ein Schwangerschaftsabbruch kann auch als Erleichterung erlebt werden. "Jüngste Untersuchungen aus den USA zeigen, dass 95 Prozent der Frauen diese Entscheidung nicht bereuen", sagt Ulrike Busch, Professorin für Familienplanung an der Hochschule Merseburg.

Stand: 06.06.2021, 10:00

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