Wohngarantie ab 70: Mieterbund kritisiert Vonovia

Montage: Firmenlogo Vonovia am Gebäude in Bochum, Handwerker bei einer Altbausanierung

Wohngarantie ab 70: Mieterbund kritisiert Vonovia

  • Vonovia wegen überhöhter Mieten unter Druck
  • Immobilienkonzern erklärt Wohngarantie ab 70 Jahren
  • Ein viel zu kleiner Schritt - findet der NRW-Mieterbund

Der Wohnungskonzern Vonovia reagierte am Donnerstag (16.05.2019) vor seiner Hauptversammlung in Bochum auf die Kritik an der Branche. Wir haben die Ausführungen von Vorstandschef Rolf Buch dem Mieterbund NRW zur Einschätzung vorgelegt.

Portrait Silke Gottschalk vom deutschen Mieterbund

Die Rechtsanwältin Silke Gottschalk ist Geschäftsführerin beim Mieterbund NRW in Düsseldorf.

WDR: Vonovia hat eine Wohngarantie für Mieter ab 70 angekündigt. Deren Mieten sollen auch nach Modernisierungen bezahlbar bleiben. Was halten Sie davon?

Silke Gottschalk: Das hört sich in der öffentlichen Wahrnehmung gut an und ist für diesen Personenkreis auch erfreulich. Aber damit ist das Problem nicht gelöst. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt betrifft nicht nur die 70-plus-Mieter, sondern das betrifft alle.

Deshalb wünschen wir uns, dass nicht nur ältere Mieter eine Verbesserung bekommen, sondern alle. Denn Wohnungsnot ist kein Randproblem mehr, das nur die Ärmsten der Armen betrifft. Sie ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

WDR: Wenn Vonovia-Wohnungen modernisiert werden, soll die Miete höchstens um zwei Euro pro Quadratmeter steigen. Eine gute Idee?

Gottschalk: Nein, denn auch eine Erhöhung von zwei Euro bedeutet für einige Mieter, dass sie ihre Wohnungen nicht mehr zahlen können.

WDR: Was wäre denn angemessen?

Gottschalk: Wir wollen den dafür relevanten Paragrafen 559 BGB ganz abschaffen. Denn er sieht vor, dass der Vermieter einen Teil seiner Kosten der energetischen Modernisierung unbefristet auf die Jahreskaltmiete umlegen darf. Dabei sagt der Paragraf nur, dass Energie mit der Modernisierung eingespart werden muss. Er sagt aber nicht wie viel.

Vonovia knackt beim Gewinn die Milliardenmarke

WDR 5 Profit - aktuell 07.03.2019 03:10 Min. WDR 5

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WDR: Und das bedeutet?

Gottschalk: Es reicht aus, wenn ich als Vermieter nur ein Mikroteilchen Energie einspare. Die Kosten kann ich trotzdem auf den Mieter umlegen.

Wir fordern deshalb eine Warmmieten-Neutralität: Mieter zahlen weniger Betriebskosten, dafür mehr Kaltmiete – aber in der Summe sind dann seine Kosten gleich hoch wie vor der Modernisierung.

WDR: Vonovia sagt, der Konzern verdiene an den Nebenkosten nicht besonders viel Geld. Der Kostenanteil an den Betriebskosten sei nicht gestiegen. Was sind Ihre Erkenntnisse?

Gottschalk: Die Betriebskosten ist bei unseren Rechtsberatungen – auch zu Vonovia - Thema Nummer eins. Die Berechnung ist in der Praxis nicht ganz einfach. Wenn ein Einzelvermieter, der kein Profi ist, einen Fehler macht, dann unterstellt man keine Absicht.

Wenn aber bei dem größten deutschen Wohnungsunternehmen gehäuft Unregelmäßigkeiten bei den Abrechnungen auftreten, dann stellt man sich schon die Frage: Steckt da ein System dahinter?

Das Interview führte Dominik Reinle.

Stand: 16.05.2019, 12:17

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