Vonovia scheitert erneut mit Übernahme von Deutsche Wohnen

Der Schriftzug auf dem Vonovia-Gebäude

Vonovia scheitert erneut mit Übernahme von Deutsche Wohnen

Der größte deutsche Wohnungskonzern Vonovia ist erneut mit der Übernahme des Wettbewerbers Deutsche Wohnen gescheitert. Eine wichtige Hürde im Börsehandel ist nicht genommen worden.

Es ist bereits der zweite Versuch gewesen - und wieder ist der Wohnungskonzern Vonovia dabei gescheitert, den Konkurrenten Deutsche Wohnen zu übernehmen. Bedingung für die Übernahme war, dass mindestens die Hälfte der Aktionäre der Deutsche Wohnen ihre Aktien an Vonovia verkaufen würden.

Doch diese Mindestannahmeschwelle beim Übernahmeangebot sei "voraussichtlich nicht erreicht", teilte Vonovia am Freitag mit. Die Annahmequote betrage derzeit 47,62 Prozent.

"Bis zum Ende der Nachbuchungsfrist heute um 18.00 Uhr wird es voraussichtlich nicht zu wesentlichen Nachbuchungen kommen", hieß es bei Deutschlands größtem Wohnungsunternehmen mit Sitz in Bochum. Das endgültige Ergebnis will Vonovia voraussichtlich am Montag veröffentlichen.

Nicht die erste Niederlage

Ende Mai hatten sich die beiden Immobilienunternehmen nach zuvor gescheiterten Übernahmeversuchen auf einen Zusammenschluss geeinigt. Das Bundeskartellamt hatte im Juni grünes Licht für den Zusammenschluss der beiden größten deutschen Wohnimmobilienkonzerne gegeben.

Schon vor fünf Jahren hatte Vonovia einen Versuch gestartet, den Konkurrenten aus Berlin zu übernehmen – damals noch gegen dessen Willen. Auch damals bekam Vonovia nicht die erforderliche Aktienmenge zusammen. Beim aktuellen Versuch hatte Vonovia sein Angebot noch einmal aus 18 Milliarden Euro erhöht.

Supermacht auf dem Wohnungsmarkt

Zusammen hätten beide Konzerne einen Wohnungsbestand von mehr als 500.000 in Deutschland gehabt. Vonovia-Chef Rolf Buch äußerte sich enttäuscht: "Ein Zusammenschluss beider Unternehmen macht sowohl wirtschaftlich wie gesellschaftspolitisch viel Sinn, um die großen Herausforderungen am Wohnungsmarkt kraftvoller angehen zu können", sagte er.

Vonovia verzeichnet seit Jahren steigende Gewinne und Dividenden. Auch in der Corona-Krise ist der Konzern durch steigende Mieten, Zukäufe und Neubauten weiter gewachsen. 2020 stieg der operative Gewinn um 10,6 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro.

Der Konzern vermietet rund 416.000 Wohnungen, davon etwa 355.000 in Deutschland. Weitere Wohnungsbestände hält der Konzern in Schweden und Österreich.

Vonovia und Deutsche Wohnen: "Hochzeit der Miethaie"?

WDR 5 Morgenecho - Medienschau 26.05.2021 04:22 Min. Verfügbar bis 26.05.2022 WDR 5


Download

Bei Mietern unbeliebt

Der Deutsche Mieterbund wirft Vonovia seit Jahren einen schlechten Umgang mit den Mietern vor. Betriebskostenabrechnungen seien vollkommen intransparent, die einzelnen Kosten für Mieter nicht nachvollziehbar.

Durch Einsparungen beim Verwaltungspersonal hätten Mieter immer weniger Ansprechpartner, sagte Hans-Jochem Witzke, Vorsitzender des Deutschen Mieterbunds NRW, im WDR. Eine Fusion mit Deutsche Wohnen hätte die Marktmacht von Vonovia erhöht - das kritisierte auch das Institut der Deutschen Wirtschaft.

Mieterbund: "Vonovia hat Nähe zu Mietern verloren"

WDR 5 Profit - aktuell 25.05.2021 07:08 Min. Verfügbar bis 25.05.2022 WDR 5


Download

Volksbegehren zur Enteignung Vonovias

Ehemalige Siedlung der französischen Alliierten an der Avenue Jean Mermoz. Jetzt Neubausiedlung durch VONOVIA zur Siedlung La Belle Ville Berlin Wohnen

Neue Vonovia-Wohnungen in Berlin

In Berlin hatte sich im Frühjahr die Initiative "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" formiert, die mit einem Volksbegehren dafür kämpfen will, unter anderem auch Vonovia in eine Anstalt des öffentlichen Rechts zu überführen. Nach dem Willen der Initiative sollen alle Immobilienunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen in Berlin vergesellschaftet werden - darunter auch Deutsche Wohnen und Vonovia. Ziel sei, einen weiteren Anstieg der Mieten in der Hauptstadt zu stoppen.

Ende Juni übergab die Initiative der Berliner Senatsverwaltung fast 350.000 Unterschriften für eine Enteignung. Grundlage dafür war die Berliner Gesetzgebung, wonach die Bewohner dort in einem Volksentscheid über eine mögliche Vergesellschaftung der Wohnungsbestände großer Immobilienkonzerne abstimmen können.

Die Berliner Landeswahlleitung hat seitdem zwei Monate Zeit, um die Unterschriften zu zählen. Sollten sich dabei die nötigen 175.000 gültigen Stimmen ergeben, kommt es am 26. September zum Volksentscheid. Der Senat hatte allerdings vorab darauf verwiesen, dass gegen eine solche Vergesellschaftung verfassungsrechtliche Bedenken bestünden.

Stand: 23.07.2021, 19:53

Aktuelle TV-Sendungen